The Ting Tings live
In Darmstadt: Aufstand im Moshpit
29.04.2009, 15:06, Text:
Christoph Penter
Indiegirls und Riot-Boys probten in Darmstadt den Aufstand. Christoph Penter war für Intro dabei.
28.04.09, Darmstadt, Centralstation.
Klar drängt sich vor der Bühne der Darmstädter Centralstation eine bunte Schar junger Mädchen, zusammengepfercht von einer repräsentativen Gruppe Riot Boys. Da fragt man sich als Fünfzehnjährige sicherlich schon mal, warum die denn auch direkt vor der Bühne stehen müssen, die gucken ja eh nicht hin. Ein ordentlicher Moshpit macht aber nun mal nur vor der Bühne Spaß. Mit der Entfernung zur Bühne aber steigt der Altersdurchschnitt. Alles nix neues, klar. Doch die Ü40er fallen dann doch fast mehr auf, als giftgrüne Leggins oder Neonsternchentops. Offensichtlich ist der gefühlte Britpop-Anteil bei The Ting Tings noch deutlich genug, um jene älteren Fans anzusprechen. Fakt ist, die Hütte ist voll bis zum hinteren Rand.
Das nächste Überraschungsmoment des Abends ist die Vorband. Das italienisch-deutsche Garagenelektropopduo Woog Riots gibt den Anheizer. Mit den Hits aus ihrem aktuellen Album "Pasp", "Frank Backwards", "Islam Punk", und "People Working With Computers", bringen sie ersten Schwung in die Hüften. Vor heimischem Publikum funktionieren die schrulligen Texte im Lofi-Gewand ganz wunderbar. Eine echte Eskalation erlebt man allerdings noch nicht. Zum Abschied bittet das Duo schließlich darum, bei den Ting Tings keine Fotos mit Blitz zu machen.
Fans des Manchester Boy-Girl-Duos wissen natürlich, dass Drummer Jules De Martino in der Vergangenheit gesundheitliche Probleme mit Blitzlicht hatte. Auch heute ist die weiße Sonnenbrille nicht nur Fassade. Als er die Bühne betritt und gefühlte Minuten vor seinem Keyboard verharrt, jubelt der Saal. Arroganz gehört zu seinem Image. Irgendwann löst sich dann doch die Starre in seinem Gesicht – ein Lächeln. Er sampelt "We Walk", wechselt nach ein paar Takten ans Schlagzeug, spielt das Gitarrenriff und bedient Bassdrum und Hi-Hat. Dann erst betritt Katie White die Bühne. Konnte man bei den Woog Riots noch den Klang im Saal kritisieren, scheint nun alles in geregelten Bahnen zu laufen. Die Ting Tings beherrschen bereits im Opener Technik und Publikum. Wer jetzt noch an der Theke auf sein Bier wartete, durfte direkt im Anschluss im Takt zu "Great DJ" nippen.
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