Antony And The Johnsons live
In Berlin: Wie Seegras im Wind
27.04.2009, 10:55, Text:
Johannes Mihram, Foto: Arne Sattler
[3 Kommentare]
"The Crying Light" war das erste Konsensalbum des Jahres, das Konzert in Berlin seit langem ausverkauft. Johannes Mihram war dabei und wog sich am Ende wie Seegras im Wind.
24.04.09, Berlin, Admiralspalast
Als Antony und seine an diesem Abend sechsköpfigen Johnsons im stilvollen Admiralspalast ihre Plätze einnehmen und mit "Where Is My Power?" einsetzen, ist die Bühne nur in einen Schimmer getaucht. Wie man sich im Dunkelrestaurant nur aufs Schmecken konzentrieren soll, steht heute Abend das Hören im Mittelpunkt. Auch wenn die Band später etwas heller ausgeleuchtet wird, eine Bühnenshow gibt es nicht. Der 37-jährige New Yorker sitzt vom Publikum abgewandt an seinem Flügel, die Band ihm gegenüber im Halbkreis drapiert und die einzige Kommunikation ist zunächst ein ab und zu gehauchtes "Thank you" zwischen den Songs. Auf den Zwischenruf eines Zuschauers "Talk to us" hin kichert er nur leise und setzt zum nächsten Lied an.
Nein, eine Show gibt es an diesem Abend sicher nicht. Souverän spielt die Band zunächst Songs des aktuellen Album "The Crying Light", und neben der exzellenten Akustik des Saals fallen vor allem die geschickten kammermusikalischen Arrangements auf. Doch diese Souveränität wirkt gerade zu Beginn auch wie Routine. Während in Klarinette, Cello, Gitarre und Percussion sehr nah an den Studioversionen durch die Songs geleiten, erklingt Antonys warmer leidvoller wie tröstender Gesang, meist voll, zitternd nur an den Stellen, an denen er auf den Studioversionen auch zittert. Fiel das Gefühl dem Touralltag zum Opfer?
Fotostrecke:Antony And The Johnsons live
"I'm nervous" haucht der Hüne und auch das könnte ein Grund sein. Doch er und seine Band spielen sich mehr und mehr warm und als in der zweiten Hälfte des Gigs ältere Songs wie "Forest Of Love","You Are My Sister", Fistful Of Love" und "For Today I Am A Boy" im Mittelpunkt stehen, wird das Set lebendiger. Die Arrangements sind rhythmischer und die Melodieführung oft eine andere als auf Platte.
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chulitschka 28.04.2009 | 22:49:12
Ich habe Antony gestern in Frankfurt gesehen. In der Tat trumpften er und seine Band mit technischer Perfektion auf. Den Eindruck, dass das Gefühl darunter gelitten habe, hatte ich allerdings nicht. Je länger das Konzert voranschritt, umso intensiver Wurden die Songs und dynamischer der Gesang, umso mehr legte Antony seine Schüchternheit ab und gab von sich preis. Grandios!
Ein schaukelndes Pulikum hätte ich allerdings auch gern gesehen. Die Art von Zugabe gab es in Frankfurt leider nicht.
rockotron 28.04.2009 | 23:10:10
lackaffe
"ins rockige steigern". "schräg gespieltes saxophonsolo". herrje. der "musikjournalismus" hat schon eloquentere momente erlebt. im übrigen ist eine seeanemone (denn als solche wähnte der künstler das publikum) nicht das gleiche wie seegras. nicht gut, der "artikel". nicht gut.
Sportpalast 29.04.2009 | 06:41:38
Lieblingsmistkerl
ich empfehle hierzu den artikel aus der berliner zeitung vom 27.04.09 von J. Balzer " Schüttel den teufel! Und schubs das Schwein!"- immer wieder köstlich!
Editiert von
Sportpalast am 29.04.2009 06:46:51
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