Animal Collective live
Tierische Kommunikation in Köln
09.03.2009, 17:29, Text:
Roman Lehnhof
[3 Kommentare]
Am gestrigen Sonntagabend spielte die bis dato interessanteste Band des Jahres im Kölner Gloria. Roman Lehnhof war dabei und wäre fast zum Tier geworden.
08.03.09 Köln, Gloria Theater
Die Kulturwissenschaften sind sich weitgehend einig, dass Natur ein kulturelles Konstrukt ist. Wie natürlich im Umkehrschluss Kultur klingen kann, bewiesen gestern Abend Pantha du Prince und (das) Animal Collective.
Am schönsten ist Musik dann, wenn man sie hört. Das macht man nämlich selten, meistens untersucht man ja doch nur. Aus Sounds werden dann Segmente. Gegen den Strukturalismus gibt es verschiedene Heilmittel, eines heißt Pantha du Prince. Hendrik Weber bedient sich ausgerechnet einer sehr analytischen Musik, um synthetische Erfahrungen zu schenken. Eine Melange aus tiefstem Tiefenhouse, Minimal und konkreten Livesamples tut das, was eigentlich Ambient tut: den Soundtrack liefern für die Filme, die nur in den Köpfen derer laufen, die sie wirklich sehen möchten. Die Liebhaber, nicht die Connaisseure. Aber vielleicht werden auch jene von Zeit zu Zeit durch die stimmungsvolle Beleuchtung und den Leinwand-Ballon von ihren Taxonomien befreit.
Video: Animal Collective - "My Girls" (live @ Henry Fonda Theater, Hollywood, 26.02.09)
Nach dreißig oder vierzig Minuten im Wald, im Weltraum, oder unter Wasser schließt der Mann mit der Kapuze sein Set und bedankt sich vielmals. Kurz darauf betreten drei Männer aus Baltimore die Bühne, einer von ihnen ist ein Anglerfisch, nein, Geologist hat sich doch nur eine Lampe umgeschnallt. Sie stellen sich an Synthesizer, Kaosspads und Keyboards und machen so lange Geräusche, bis Lieder daraus werden, die man wiedererkennt. Wieviel Struktur wirklich hinter der Improvisation steckt oder umgekehrt, lässt sich nur erraten.
Und dann sind wir mitten im Urwald, hören ungewöhnlich harte Dub-Bässe, elektronisches Gescharre und Gezwitscher, Panda Bear stöhnt gekrümmt ins Mikrofon, die Lieder werden flüssig, greifen ineinander, unterbrechen sich gegenseitig, jetzt mal ein bisschen Fireworks, dann etwas anderes, vielleicht noch ein bisschen Fireworks, und der Bass passt gerade so gut, da machen wir gleich noch ein Outro draus. Die spitzen Schreie könnten der tierischen Kommunikation untereinander dienen, müssen sie aber nicht, und eigentlich ist es auch egal, denn das, was eben noch im Kopf war, ist jetzt im Gloria Theater, und eigentlich ist es viel zu groß, um verstanden werden zu müssen. So werden Biotope zu Heterotopien.
Nach ca. neunzig Minuten mit Zugabe entlassen uns Animal Collective dann wieder in eine Welt, in der wir wegen eines abgelaufenen Lichtbildausweis beim Schaffner artig draufzahlen. Ganz kultiviert. Zur finalen Tierwerdung hat es also doch nicht gereicht.
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schmerzkeks 09.03.2009 | 19:11:50
Kafkas Pornosammler
Aha. Nun, wieviel Kritik wirklich hinter der Improvisation steckt oder umgekehrt, lässt sich nur erraten.
elkesommer 09.03.2009 | 20:50:23
Naja, nicht sehr aufschlußreich, dieser Review. Schade, hätte gerne etwas über dieses Konzert erfahren.
robotron 11.03.2009 | 12:27:06
wenn dann wirklich interesse an einer kritik oder einem review herrscht, dann sei doch einfach dieser link empfohlen: http://uliuli.twoday.net/stories/5569530/
dann etwas anderes...
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