By:Larm Festival 2009
Tag 2+3: Kalte Füße sind egal
24.02.2009, 14:14, Text:
Christian Steinbrink, Foto: Christian Steinbrink
Christian Steinbrink ist für uns beim norwegischen Newcomerfestival in Oslo vor Ort und berichtet über die Newcomer der Stunde. Den ersten Teil der Nachlese lest ihr hier.
20.+21.02.09, NOR-Oslo, diverse Locations.
Der Schnee hat Oslo auch für den Rest des Wochenendes nicht verlassen. Und auch, wenn die Wege von Club zu Club dadurch etwas anstrengender werden, stört das den Spaß an den vielen kleinen Konzerten und Seminaren beim By:Larm kaum. Denn das ungehörte Potenzial der skandinavischen Popszene ist auch für mehrere Tage groß genug. Zumal sich gegen Ende auch ein paar wohlbekannte Acts unter die Newcomer mischen.
Einer der am heißesten gehandelten Acts spielt schon am frühen Samstagnachmittag im Dagbladet Teltet: First Aid Kit, die beiden jungen Schwedinnen Klara und Johanna Söderberg, die den Kollegen Scharlau schon auf dem Eurosonic sein Taschentuch vollschnäuzen ließen. Die Schwestern erscheinen pünktlich und es zeigt sich schnell, dass alle Vorschusslorbeeren in ihrem Fall ziemlich berechtigt sind. Denn trotz einer sparsam instrumentierten und weitgehend effektfreien Show überzeugen ihre kleinen, einfachen Songs, darunter Coverversionen von den Fleet Foxes und Cashs "I Walk The Line", und rühren auf eine sehr unmittelbar-naive Weise. Die Söderbergs stehen auf der Bühne und ergeben dabei ein Bild, das eher an ein Prüfungskonzert in der Musikschule als an eine Folkshow erinnert. Trotzdem sind ihre Gesangsarrangements wunderschön, und die Instrumentierung ist sparsam, aber offenbar intuitiv genau richtig angelegt. Dazu kommt die sichtbare Unruhe der Mädchen, die sich im Laufe des Sets auf eine erhaben anzusehende Art und Weise in Richtung Inbrunst und Selbstvergessenheit wandelt. Ihre Debüt-EP "Drunken Trees" vermittelt diesen Glanz nur bedingt, trotzdem darf man von dieser Band noch viel erwarten.
Fotostrecke:By:Larm Festival, Oslo
Auch sonst liegt ein Schwerpunkt des diesjährigen By:Larm auf weiblichen Folk- und Singer/Songwriter-Stimmen. Die Schwedin Maia Hirasawa und die Norwegerinnen Sah, Kaja Bremnes und Solvor Vermeer überzeugen mit ihren warmen und zurückhaltenden Shows allesamt zumindest Genreliebhaber. Im Vergleich dazu sind die Perlen unter den Rockbands des Festivals etwas schwerer zu finden: Hier gefallen zum einen The Megaphonic Thrift aus Bergen, die sich mit ihrem Stil zwischen Sonic Youth und My Bloody Valentine platzieren, zum anderen die aus den Bruchstücken der sich anscheinend in ausgedehnter Auszeit befindenden Jaga Jazzist hervorgegangenen Lama, die gegen Ende des Festivals im Osloer Kongresszentrum doch noch die Sigur Rós-Momente bescheren, mit denen man schon weit früher gerechnet hatte.
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