Tromsø International Film Festival 2009 - Bildergalerie: Licht ins Dunkel Artikelbild (groß)

Tromsø International Film Festival 2009

Bildergalerie: Licht ins Dunkel

02.02.2009, 11:33, Text: Philipp Jedicke, Foto: Uli Kunz

Philipp Jedicke ist in den Polarkreis zum norwegischen Tromsø International Film Festival gereist und hat einige Geheimtipps und Bilder aus der Dunkelheit mitgebracht.

13.01. - 18.01.09, Tromsø, Norwegen

Einen Augenblick lang scheint es, als habe das arktische Filmfestival TIFF seine Unschuld verloren. Nachdem letztes Jahr bereits der internationale Glamour mit Hongkong-Superstar Michelle Yeoh einzog, tummeln sich diesmal neben norwegischen auch zwei internationale TV-Teams vor Ort, und der erste englische Celebrity-Journalist zieht seine Kreise. Aber so viel vorweg: TIFF hat trotz steigender internationaler Bekanntheit nichts von seiner Intimität eingebüßt.


Dahinter steckt weder eine selbst auferlegte Verweigerungshaltung noch ein medienwirksames Indie-Statement à la Kusturicas Küstendorf. Hier geht es schlicht - wie so oft im hohen Norden - um Bodenhaftung. Denn mehr noch als Musikfestivals fristen Filmfestivals oft ein Dasein fern von den Bewohnern ihres Austragungsorts und finden im besten Fall vor begeistertem Nerd-Publikum, im schlimmsten sogar unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nicht so TIFF.

Was Kusturica mit seiner Utopie aus Holz versucht, hat man hier schon lange geschafft: ein echtes Publikumsfestival zu sein. Die Zahlen sprechen Bände: Tromsø hat 65.000 Einwohner, das Festival 50.000 zahlende Gäste. Damit ist es das bestbesuchte Filmfestival Norwegens. Eines der erklärten Ziele des Festivals lautet, den Tromsøern Filme vorzusetzen, die sie sonst nicht zu sehen bekämen.


Es gibt zahlreiche Schulvorführungen, ausgewählte Filme laufen in der Tromsøer Uniklinik via Spital-TV in den Krankenzimmern, und auf dem Marktplatz finden jeden Morgen Kindervorstellungen statt, die trotz anhaltenden Schneestreibens gut besucht sind. Selbst im örtlichen Knast sind Teile des Programms zu sehen. Darunter auch Tom Schreibers Film "Dr. Alemán", der bei uns vergangenen Sommer in die Kinos kam und hier im Wettbewerb um den Norwegian Peace Film Award läuft.

Im internationalen Programm geht es nicht darum, die neuesten Filme zu präsentieren, sondern hier kann man, wie Schreiber es im Interview ausdrückt, "all die guten Filme sehen, die man während des Jahres verpasst hat." Qualität ist das Hauptauswahlkriterium. Schreiber, der mit seiner kafkaesken Karnevals-Groteske "Narren" bekannt wurde, ist zum ersten Mal hier und "im positiven Sinne erschlagen". Auf das Festival angesprochen, fällt ihm vor allem eins auf: "Das Engagement der Macher. Ich weiß gar nicht, welche Kategorie dieses Festival hat, aber das ist auch vollkommen wurscht. Hier geht es ums Filme gucken. Die Säle sind selbst vormittags rappelvoll, und die Kinos sind hochkarätig. Ich habe meinen Film noch nie in so guter Qualität gesehen." "Dr. Alemán", die Geschichte eines jungen deutschen Arztes, der voll hehrer Ziele in die Dritte Welt poltert und dabei eine Katastrophe auslöst, passt mit seiner Fragestellung zum Thema Idealismus, seiner Internationalität und seinen politischen Anspielungen perfekt zu diesem Festival und ist am Ende einer der meistgesehenen der 81 gezeigten Spielfilme. Ein anderer deutscher Film liegt noch weiter vorne: "Wolke 9" von Andreas Dresen. Hauptdarstellerin Ursula Werner ist vor Ort, gibt in einer improvisierten Q&A-Runde jede Menge Anekdoten vom Dreh zum Besten und ist begeistert, einmal abseits des "aufgebauschten Medienrummels", den sie von anderen Festivals kennt, von ihrem Film zu sprechen.


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