Plus/Minus [+/-] live
In Köln: Begeisterung jenseits von Augenbraunzucken
23.01.2009, 15:35, Text:
Mick Schulz
Drei nette Jungs, die angenehme, poppige Musik spielen. So konnte man sich drei Minuten lang irren. Mick Schulz hat länger durchgehalten...
22.01.08 Köln, Gebäude 9.
Was für ein schöner Abend! Soviel steht fest - doch woran lag's? War es die abstruse Mischung der Bands? Die teils absurden Ansagen von James Balayut, der darauf bestand durchs Konzert auf Deutsch zu führen? Die Überraschung, noch einen Auftritt von Jersey zu sehen, mit dem eigentlich keiner gerechnet hatte? Das Durchschnittsalter der Anwesenden, nämlich jenseits von pubertärem Rumgemackere?
Zunächst sah es gar nicht so sehr nach einem schönen Abend aus, denn Jersey haben zwar schön mit ihrem Contriva-Erbe gespielt, es erweitert, gerahmt und geschubst, damit haben sie auch eine durchwegs angenehme, unaufdringliche Musik kreiert, nur leider teilte sie mit Contriva eine wesentliche Schwäche: Sie war zu kontrolliert um wirklich Spaß zu machen. Ein bisschen Kühle und Understatement in allen Ehren, aber irgendwann wird es langweilig, dem musikalischen Äquivalent einer Lounge am Meer zu lauschen. Trotzdem haben sie damit gut in den Abend eingestimmt, denn angenehm für die Ohren war ihr Tun allemal und man konnte sich ganz ungezwungen zwischen Bar und Saal hin und her bewegen. Ein Weg, der vom angenehm unaufgeregten Publikum auch oft zurückgelegt wurde. Aber, ein sportliches Kompliment muss trotzdem noch angebracht werden: Was Andreas Haberl da auf seinem Kleinst-Set getrommelt hat, das war sensationell.
Als nächstes kamen Loudest Boom Bah Yea, und zogen die gänzliche Antithese. Oder, wie es James Balayut ausdrückte: "They're völlig übergeschnappt". Treffend beschrieben. Chris Deaner, Drummer von +/- (und nebenher auch von Kelly Clarkson), hat eine halbe Stunde lang mit seinem Kollegen Karl Lundin, seinem zeitweiligen Tour-Vertreter bei +/-, ein Schlagzeugduett gespielt. Wer schon mal Schlagzeugern beim Üben zugehört hat, weiß, wie furchtbar sowas sein kann. Aber diese beiden hatten so dermaßen viel Spaß an dem, was sie da taten, da konnte man ihnen den ewigen 4/4-Takt nicht übel nehmen. Sie schrien, sie schnatterten und schnalzten in ihre Mikrophone und sagten jedes Stück als Song an. Eins handelte sogar vom Schwarzwald - es handelte! Insgesamt klangen die beiden wie ein Breakdance-Instrumental aus den Achtzigern. Und man hätte es ihnen übel genommen, wenn sie sich nicht wie die Kleinkinder über das gefreut hätten, was sie da taten.
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