Dälek live
In Köln: Ein Unterwasser-HipHop-Jam
09.12.2008, 12:20, Text:
Mick Schulz, Foto: Mick Schulz
[3 Kommentare]
Land unter? Mitnichten! Trotzdem fühlt sich unser Autor Mick Schulz beim Kölner Konzert der Experimental-HipHopper wie unter Wasser.
08.12.08 Köln, Gebäude 9
Vielleicht kennt jemand das Gefühl, wenn man bei einsetzender Ebbe im Meer schwimmt. Es fängt an, einen ins tiefe Wasser zu ziehen. So ähnlich fühlt es sich an, wenn Dälek mit Unterstützung der Vorband Destructo Swarmbots den kleinen Härchen im Ohr eine Föhnfrisur verpassen.
Zuerst spielen nur die Destructo Swarmbots ihren kammermusikalischen Krach. Dass jemand mit einem Rechner und einer Lap-Steel-Gitarre so viel Krach machen kann, schien bis dahin unvorstellbar. Um die Lautstärke und Intensität nicht zu verlieren, gibt es zwischen den einzelnen Stücken keine Pausen. Beide Musiker sitzen, schauen konzentriert auf ihre Instrumente und wirken eher, als spielten sie komplizierte Partituren vom Blatt. Aber was dann die Boxen verlässt, sind riesige Wellen aus rohem Klang.
Aber das ist noch lange nicht alles. Nach einer guten halben Stunde betreten Dälek die Bühne und schließen nahtlos an. Die beiden Destructo Swarmbots bleiben einfach den Rest des Konzerts dabei und setzen ihren Krach fort, der aber von dem von Dälek noch überboten wird. Man glaubt es kaum. Wenn eben noch Klangwellen auszumachen waren, dann sind sie mit dem Auftritt von Dälek zu Brechern geworden, die in einem fort auf die Trommelfelle eindreschen. Irgendwo im Hintergrund laufen jetzt auch Beats und die Raps von MC Dälek, aber zunächst hört man das gar nicht, im Vordergrund bei der zweiten Phase des Konzerts steht der Krach.
Audio: Dälek - "Stagnant Waters" (vom Album "Abandoned Language")
Erst nach und nach, mit einsetzender Gewöhnung - oder Taubheit? - tritt der Krach in den Hintergrund, und Beats und Raps schälen sich aus ihrem Bett aus Lärm. Dann findet man sich plötzlich unter Wasser wieder, man wankt selbst wie betäubt durch den Zuschauerraum, um einen herum tanzt das Publikum wie Seeanemonen oder sonstige Meeresbewohner, der MC bekommt in diesem Zusammenhang plötzlich frappierende Ähnlichkeit mit der Meerhexe aus "Arielle". Der Krach wird zu einem sanften Rauschen im Hintergrund und was bleibt, ist sehr oldschooliger HipHop.
An dieser Stelle wird es ein bisschen traurig, denn an HipHop-Standards gemessen ist die Musik von Dälek nichts besonderes. So wirkt es auch fast ein bisschen verzweifelt als Dälek sich in wahrer MC-Manier dazu aufschwingt, das Publikum anzuheizen. "Who in this room loves HipHop?" fragt er und bekommt darauf kaum die enthusiastische Antwort, die er gerne hätte. Wenigstens in Köln besteht sein Publikum vor allem aus Leuten, die auch beim Konzert mit Jesu dabei waren, sie tragen zwar Kapuzenpullis, aber darauf steht "Isis" oder "Pelican". Leute, die auch sonst HipHop hören, sind kaum vertreten. So erinnert Dälek an die Steigerungsform des sprichwörtlichen Rufers in der Wüste, den Rufer unter Wasser.
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CATzilla 09.12.2008 | 16:44:54
mag auch hunde!
"An dieser Stelle wird es ein bisschen traurig, denn an HipHop-Standards gemessen ist die Musik von Dälek nichts besonderes."
dälek ist - meiner bescheidenen meinung nach - weit entfernt daon, irgendwelche hiphop-standards erfüllen zu müssen, da die musik - wie ja schon beobachtet wurde - szeneübergreifend wirkt.
wenn man dann doch versucht, das auf die schiene hiphop zu reduzieren, sind dälek nach wie vor beispiellos.
und dass der krach bei einigen stücken dann doch eher den beats gewichen ist liegt eher an der tatsache des zusammenhangs von produktion und der anlage des gebäude9; bei den aktuelleren sachen war die nämlich massiv überfordert, während bei den älteren (und transparenter produzierten) songs eine stärkere differenzierung möglichwar.
so einfach ist tennis.
BadBrain 09.12.2008 | 16:54:39
zack! regierung gestürzt.
dälek ungleich hiphopstandards - punkt!
Legoland 10.12.2008 | 08:03:41
Legolize it!
ach scheiße. schon wieder verpasst!
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