Locas In Love live

In Köln: Süßer die Glocken nie klingen

01.12.2008, 12:58, Text: Christian Steinbrink
[5 Kommentare]

1. Advent: In den Wohnzimmern der Einfamilienhäuser brennt eine Kerze. Mutter, Vater und Kinder sitzen um den Tisch herum und brechen die Keksdose an. Und auch wenn das eigentlich unmöglich scheint - die Kölner Wintergala von Locas In Love fühlt sich ganz ähnlich an.

30.11.08, Köln, Altes Pfandhaus
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Gar nicht so selten kommt es vor, dass man sich in den öffentlichen Räumen des Pop stylomäßig underdressed fühlt. Ist ja auch echt schwer, da immer den richtigen Ton zu treffen. Viel seltener ist dagegen das Underdressed-Gefühl in Pop-Kontexten, die irgendwie an Gemeindefeiern zu evangelischen Kindertagen erinnern. Genau genommen gibt es solche Feiern im Pop ja auch nie. Jedenfalls bis zu diesem Abend nicht, an dem Locas In Love zum Konzert im heimatlichen Köln laden.


Und auch hier gibt es eigentlich keinen Grund, nicht von einem normalen Popabend nach Indie-Richtlinien auszugehen. Aber schon auf den letzten Metern zum Eingang des Alten Pfandhauses erwarten die Besucher Teelichter, Tannenzweige und Düfte nach Zimt und Spekulatius. Ein liebevoll arrangierter Spleen, denkt man. Aber die Locas haben den Einfall für einen besonderen Rahmen anlässlich des Konzertes für ihr gerade erschienenes Album "Winter" noch weiter auf die Spitze getrieben.

Drinnen begrüßen Freunde von Band und Label die Besucher. Sie reichen Selbstgebackenes und tragen ausnahmslos feinen Zwirn in gedeckten Farben. Das Alte Pfandhaus sieht mit seinem grauen Industrieteppich und den Halogenstrahlern wirklich aus wie das Gemeindehaus von früher. Und die Freunde sind danach wie meine Mutter und der Rest des Presbyteriums, die eifrig bemüht sind, das Fest gelingen zu lassen. Dazu passend auch die Uhrzeit: Es ist gerade einmal 19 Uhr, normalerweise ist dann noch nie was. Hier im Gemeindehaus soll es gleich pünktlich losgehen.

Video: Locas In Love - "Wintersachen"



Locas In Love - Wintersachen from Locas In Love on Vimeo.

Auch die Locas selbst haben ihre kölsche Kostümvorliebe den Vorgaben des Abends angepasst. Sie tragen Festgewand, die Jungs graue und schwarze Anzüge, immer eine Kleidergröße am passgenauen Spießertum vorbei, Stefanie Schrank dagegen: schick wie immer. Der Konzertsaal des Alten Pfandhauses wirkt wie eine Mischung aus Amphitheater und Schulaula, die Besucher, es sind weit über 100 gekommen, sitzen auf Rängen über der Band, die in der Manege vor dem ungenutzten Konzertpiano steht. Ihnen gegenüber sitzt ein Streichquartett und verdeutlicht, dass Locas In Love aus dem Abend tatsächlich etwas ganz besonderes machen wollen. Das Publikum bemerkt und achtet das, der sonst übliche Konzertgrundsound aus Gesprächen und klirrenden Gläsern bleibt fast vollständig aus, andächtiges Schweigen beherrscht den Raum. Erstmals im Jahr ist es richtig greifbar: Heute in etwas mehr als drei Wochen ist der Geburtstag des Heilands.


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  • User: H2SO4
  • H2SO4 02.12.2008 | 00:57:54

    Wahrlich ein wunderbares Konzert. Insbesondere da alle Kitschgefahren gekonnt umschifft wurden. Es hatte wirklich etwas von einem Konzertabend mit guten Freunden.

  • User: Mariannchen
  • Mariannchen 20.12.2008 | 18:48:49

    Das war auch gestern im RAW-Tempel ein wunderbares Konzert. Wenn doch alle Bands so rücksichtsvoll und aufmerksam wie Locas in Love wären. Da wurden Stühle zusammengerückt, damit die Stehenden besser sehen können und gefragt, wie lange sie denn spielen dürfen, damit auch alle den letzten Bus oder Zug bekämen. Herrlich.

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