Foals live
In Köln: Schnell das Gegenmittel
24.11.2008, 16:38, Text:
Christian Steinbrink, Foto: Gerrit Starczewski
[11 Kommentare]
Wieso spielt diese Band eigentlich noch in solch relativ kleinen Läden wie dem Luxor? Und wieso wird sie in eine New Rave-Tour gepackt? Fragen, die für Christian Steinbrink angesichts der Extraklasse des Gigs der Foals schleichend an Bedeutung verloren.
23.11.08, Köln, Luxor.
MGMT haben es geschafft, sie sind, um die Branchensprache zu benutzen, gebreakt, spielen nun auch in Deutschland vor ausverkauften 1000er-Hallen, und das nach nur einem Album. Ohne Frage ein großer Erfolg für alle Beteiligten, verwunderlich ist nur, warum den Foals nicht ähnliches widerfahren ist. Ihr Album "Antidotes" hat sich zu einem regelrechten Grower entwickelt, die Presse inklusive Intro überschlug sich, trotzdem reicht es auch auf dieser Tour nicht für die "großen" Hallen der Stadt.
Das hat zur Folge, dass das Luxor übervoll und ausverkauft ist, eigentlich keine guten Ausgangsbedingungen für eine gute Show. Aber es geht hier ja um die Foals, und die sind es wert, sich auch einmal in die absolute Bewegungsunmöglichkeit zu drängeln, um auch im vollen Luxor ein bisschen was mitzubekommen. Nachdem die hoffnungsvollen, aber unangekündigten Newcomer Friendly Fires und Cut Off Your Hands ihr New Rave-Handwerk ausgeführt haben, ist es schon ziemlich spät, und manche der Besucher, die schon lange vorne im Pulk ihren Platz besetzen, sind am Ende ihrer Kraft. Die beiden Bands aus jungen Zappelphilippen haben alles aus ihnen herausgeholt, bleibt da noch Energie übrig für die Foals?
Die Band selbst will das vom Start weg sichtbar nicht dem Zufall überlassen. Betont engagiert und treibend gehen sie zu Werke, und das Publikum zieht umstandslos mit. Der Unterschied zu ihren Supportbands und gleichzeitig die besondere Qualität der Foals liegt dabei in ihrer großartigen Virtuosität, die sie auch in enthusiastischen Livesituationen abrufen können. Ihr Set ist nicht nur enorm mitreißend und lässt das Luxor bis in die letzten Reihen vibrieren, es macht auch noch einmal klar, wie komplex und ausgefeilt ihre eigentlich so schlanken Stücke aufgebaut und arrangiert sind. Wer die Augen schließt, vermutet sich öfter als erwartet auf einem Battles- anstatt einem Rapture-Konzert.
Im Laufe des Sets lassen sich die Foals von den überschwänglichen Ovationen des Publikums befeuern und laufen zu wahrer Höchstform auf. Während der Keyboarder kaum mitkommt, die furiosen Taktwechsel seiner Band nachzuklatschen, und Gitarrist und Bassist an den Flanken wild herumwirbeln, geht Sänger Yannis Philippakis in die Offensive, drängt mit seiner Gitarre durch den Saal und schwingt sich über Bar und DJ-Kanzel, um sich zum nächsten Einsatz wieder mit betrunkenem Blick auf der Bühne aufzurappeln.
Video: Foals - "Cassius"
Das Konzert erreicht eine taumelnde Eigendynamik, bei der kaum jemand noch genau wahrnimmt, welches Stück die Foals eigentlich gerade spielen. Nur an den Anfängen der Songs merkt das Publikum kurz auf, um dann wieder in ihren ausdauernden Rave einzusteigen. Und kaum jemand stört sich noch an Enge und Schweiß, selbst die herumfliegenden Füße der dünnen Stagediver-Jungs sind fast egal. Die Band ist davon derart mitgerissen, dass sie ihr Auftrittsgerüst mit Ansagen oder ähnlichem schnell ad acta legt und scheinbar lückenlos Hit an Hit reiht.
Fotostrecke:Foals und Friendly Fires live
Nur kurz merkt Philippakis an, dass dies die letzte Tour zu diesem Album sei und man nun endlich ein Neues aufnehmen wolle. Das ist auch der einzige Moment, an dem man den Foals die Ochsentour der letzten Monate anmerkt. Ansonsten gerät der Gig bis zum Ende hin legendär, mehr noch als ihr erster Köln-Auftritt in der Werkstatt im April. Es würde mit dem Teufel zugehen, wenn die Band beim nächsten Mal nicht in eine der großen Hallen der Stadt gebucht werden sollte. Auf das Album, das dann dem Konzert zugrunde liegen wird, kann man sich jetzt schon freuen.
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KLAXON 24.11.2008 | 17:46:05
Nachdem die hoffnungsvollen, aber unangekündigten Newcomer Friendly Fires und Cut Off Your Hands ihr New Rave-Handwerk
Unangekündigt und New Rave sind ja schon zwei Fehler in einem Satz. Hui!
Miss Sugary Tea 24.11.2008 | 19:49:15
to serve man
Cut Off Your Hands fühlen sich in der New Rave-Schublade sehr sehr unfair behandelt von den Elektrokids. Kann sie da mal jemand abholen, und in irgendwas mit Punk packen?
JustInsane 24.11.2008 | 19:54:13
I wanna be trashed
Ich habe die FOALS am Freitag in Frankfurt gesehen und bin immer noch geflasht. Diese Band ist live so gut, andere Bands sollten sich eine Scheibe von ihnen abschneiden, was die Performance und Sympathie angeht.
Außerdem haben sie mit die besten Band-Shirts - sehr stylish.
:)
Christian Steinbrink 24.11.2008 | 21:06:45
Die guten Militanten
Ja, schon richtig, das Label, das ich den Vorbands verpasst habe, könnte nicht ganz hinhauen, sorry dafür. Ich bin gestern auf der Rückfahrt vom Konzert auch schon derb dafür gerügt worden, dass ich sogar Pigeon Detectives als New Rave betitelte. Ich bin bei solchen Bezeichnungen von zeitgenössischen Musiktrends immer so schrecklich sorglos, und auch so schnell so müde. Streng genommen müsste ich zugeben, dass ich da so empfinde wie unsere Eltern: Hört sich alles gleich an. Bitter, was?
Aber was noch interessanter ist: Sah der Foals-Sänger nicht total aus wie der junge Prince? Ist mir live erst aufgefallen. Und außer mir wohl auch nur noch den anderen 40+-Leuten, die da waren. Ist ja aber auch keine besonders gegenwärtige Vergleichsgröße mehr, der Prince. Schon so lange tot…
lalo 24.11.2008 | 21:14:50
Fängt die INtro hier etwa an zu hypen !?!
Christian Steinbrink 24.11.2008 | 21:16:37
Die guten Militanten
Hä? Ja, klar! Alles, was gefällt.
JustInsane 24.11.2008 | 22:43:36
I wanna be trashed
@Christian: Oh ja, wo du's sagst, Yannis sieht wirklich so aus wie der junge Prince. Also eine große Ähnlichkeit besteht.
Er hat so eine trendige, lange Locke vor seinem Gesicht hängen. Oder es ist die Hälfte seines Ponys. Hmm... auf jeden Fall sind seine Tattoos genial (auch wenn Sterne heutzutage ja alle tragen).
Friendly Fires würde ich übrigens auch ins New-Rave-Genre schieben. Immerhin heben sie sich auch von anderen - langsam nervigen - Indie-Bands ab, bei denen sich jedes Lied gleich anhört. C'est terrible!
CATzilla 24.11.2008 | 22:58:44
mag auch hunde!
...
au ralenti 24.11.2008 | 23:09:04
quoi que tu fasses...
jo, friendly fires sind in etwa so new rave wie grace jones.
caringiscreepy 25.11.2008 | 07:35:24
ist doch alles egal. das konzert war unglaublich toll. legendär passt da schon super.
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