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Johnossi live

In Düsseldorf: Wann kommt denn endlich die Hauptband?

10.11.2008, 10:50, Text: Florian Weber

Zwei Bands, kein Headliner in Düsseldorf? Florian Weber war beim Konzert der Schweden vor Ort und klärt uns auf.

08.11.2008, Düsseldorf, zakk

Das trotz Punkvergangenheit eher unrockige Düsseldorf hat eigentlich eine vernünftige Infrastruktur für Konzerte jeglicher Größe und Art, die jedoch in den letzten Jahren sträflich ungenutzt blieb. Der große Rivale auf der anderen Seite des Flusses hat eine Quasimonopolstellung für den rheinländischen Konzertgänger. Am scheinbar uneinholbaren Vorsprung wird sich auch mittelfristig nichts ändern, doch man merkt, dass sich in der Landeshauptstadt etwas tut. Qualität und Quantität der dortigen Gigs steigern sich in letzter Zeit - ein Verdienst der sich ansiedelnden Booker. Booker wie das Konzertbüro Schoneberg, das auch am Samstag Johnossi ins zakk holte.


John und Ossi ihrerseits brachten dann ihre Stockholmer Kollegen von Nervous Nellie in die Stadt. Pünktlich um 20 Uhr kommt der Indie-Country-Fünfer, deren Mitglieder die Namen Jonzon, Johansson, Johnson oder Jönsson tragen, in die bereits prall gefüllte Halle. Das Publikum ist wohlwollend artig und bekommt nette Einlagen von Miniakkordeon und Mundharmonika der vor Live-Souveränität strotzenden Schweden geboten. Die im Kern aus zwei Brüderpaaren bestehenden Nervous Nellie sparen sich ihren Höhepunkt bis zum letzten Song "June" auf, der dann auch prompt mit diesmal aufrichtig ernst gemeintem Applaus quittiert wird. Trotzdem höre ich neben mir ein gelangweiltes: "Wann kommt denn endlich die Hauptband?"

Video: Nervous Nellie - "Gold Mine"

 

Schnell beginnt das lustige Effekte-Wettraten: "Woah, ein Dreifach-Oktavierer!" - "Oh, ein Doppeldelay!" - Schon beeindruckend, was sich alles mit so einem Halbakustikgitarrensignal anstellen lässt. Beim vierfach in Reihe geschalteten Luca-Brasi-Bass-Booster meint man die einzelnen Hertz von den Füßen bis zum Kehlkopf in seinem Körper aufsteigen zu spüren. Johnossi sind nun einmal nur zu zweit und von Hause aus Improvisationskünstler. Als die Gitarre bei der Zugabe ausfällt, fahren sie unbeirrt als Drum-Vocal-Duo fort. Als der Mikroständer umfällt, steckt sich John kurzerhand das Mikro in den Mund und röhrt die Melodie. Hauptsache die Gesangsmelodie ist da. Johnossi sagten in einem Interview, dass ihnen die Gesangsmelodie in ihren Songs das Wichtigste sei. Die Art wie sie sich um das Einfangen dieser bemühen, unterstreicht das nur.

Video: Johnossi - "Party With My Pain"



Während ich sehe, dass Nervous Nellie sich nun um den Merchandise-Stand kümmern, höre ich erneut die Stimme von zuvor. Wieder: "Wann kommt denn endlich die Hauptband?" In der Tat machen Johnossi nicht den Eindruck eines Headliners. Sie bemühen sich ja, John springt ins Publikum, sie hauen ihre zwei Hits "Man Must Dance" und "Execution Song" unmittelbar nacheinander heraus und heizen damit gut ein, und dennoch fehlt den beiden eine gewisse Aura. Zu eintönig ist die Show, zu wenig charismatisch die Protagonisten, zu eingeschränkt in ihrer dyadischen Natur. Damit wird zwar der Fokus auf die Songs gelegt, was an sich ja kein schlechter Ansatz ist. Doch so gut die Gesangsmelodien auch sein mögen, sie schaffen es heute nicht, die fehlenden Elemente zu kompensieren.



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