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Mogwai live

In Berlin: Songs wie Einfamilienhäuser

07.11.2008, 13:44, Text: Christoph Dorner

Ein Mogwai-Konzert ist weniger ein arty Distinktions-Event als vielmehr eine qualitativ hochwertige Dienstleistung auf Vorkasse, die - Finanzkrise hin oder her - von vielen Menschen gern in Anspruch genommen wird: Postrockern, Metalfans, Hardrock-Althauern. Unser Autor Christoph Dorner magsich da selbst aber nicht punktgenau einordnen.

06.11.08, Berlin, Huxleys.

Jeder kennt die pseudolustigen Werbeclips einer einheimischen Baumarktkette, in denen ein enervierender Maik Krüger im Zeitraffer von 20 Sekunden mal eben eine Westkurve im Garten hochzieht oder eine zweite Arche Noah zusammenschustert. Ein guter Heimwerker ist eben Handwerker und Künstler zugleich, so soll wohl die Botschaft an all die Couch-Potatos da draußen lauten. Diesen Vergleich könnte man auch für eine schottische Band geltend machen: Mogwai - Mach Dein Ding. Schließlich arbeiten die Instrumental-Postrocker live seit über einem Jahrzehnt präzise, zuverlässig und schnörkellos und stellen einem Vogelhäuschen, Garagenhälften und Einfamilienhäuser von Songs hin, die letztlich noch eine Spur besser und vor allem größer aussehen als im Katalog oder auf den Bauplänen.


So ist ein Mogwai-Konzert weniger ein arty Distinktions-Event als vielmehr eine qualitativ hochwertige Dienstleistung auf Vorkasse, die - Finanzkrise hin oder her - von vielen Menschen gern in Anspruch genommen wird: Postrockern, Metalfans, Hardrock-Althauern, der Hardcore-Fraktion und den üblichen Quoten-Japanern. Hat man nicht aus den letzten Wochen gelernt, dass gegenseitiges Vertrauen in der Wirtschaftswelt unersetzlich ist?

Video: Mogwai - "Batcat" (Animation Version)




So ist das Huxleys in Berlin nahezu ausverkauft, obwohl es für die meisten Fans nur eine untergeordnete Rolle spielt, dass Mogwai in diesem Jahr mit "The Hawk Is Howling" ihr siebtes Studioalbum veröffentlicht haben (wenn man den Zidane-Soundtrack aus dem Jahr 2007 nicht mitzählt). Und auch die Band legt darauf rein optisch keinen gesonderten Wert darauf. Nein, hier kommen nach Breakcore-Meister Kid606 und den schottischen Landsmännern von The Twilight Sad, die beide bezüglich ihrer Vorstellung einer wall of sound Brüder im Geiste sind, fünf bärtige Mannsbilder in schnöden T-Shirts auf die karge Bühne, die einzig von zwei obligatorischen Celtic-Glasgow-Schals geschmückt wird.

Es könnte rein optisch also genauso gut die 2003er Tour zu "Happy Songs For Happy People" sein, wären da nicht diese abnutzungsresistenten Songs beziehungsweise Tracks, die die Handwerker von Mogwai in die Jetztzeit hinüberretten. Dabei liegt das Hauptaugenmerk natürlich auf dem neuen Album, dass zur Hälfte gespielt wird, wobei insbesondere die krachig-dichte Single "Batcat" im direkten Anschluss an den "Young Team"-Klassiker "Like Herod" zu einem physischen Erlebnis wird.

Sowieso lässt sich die Setlist durch Barry Burns als Springer in melodischere Zwei-Gitarren-plus-Keyboard-Songs und druckvolle Drei-Gitarren-Armee-Songs unterteilen. In ersterer Anordnung werden unter anderem "Friend Of The Night" und "Hunted By A Freak" als Zugabe geliefert, zweitere sorgt mit "Ex-Cowboy" für ein zwischenzeitliches Highlight und mit "We're No Here" nach 90 Minuten Spielzeit für den brachialen Schlusspunkt, den Mogwai-Kopf Stuart Braithwaite mit Pedal-Gedrücke in ein minuntenlanges, rhythmisches Rauschen auflöst, wobei das dazu aufflackernde Strotoskop sogar den Anflug einer Bühnenshow vermittelt. Viele Besucher halten sich dabei die Ohren zu, als würden direkt vor ihnen gerade zehn Kreissägen angeworfen. Dann ist Ruhe. Die Vogelhäuschen, Garagenhälften und Einfamilienhäuser fallen wieder in sich zusammen. Da müssen wohl bald wieder die Handwerker ran.



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