Bloc Party live
Bildergalerie: Intro Intim Special in Berlin
24.10.2008, 13:09, Text:
Christoph Dorner, Foto: Geert Schäfer
Der letzte Landeanflug, zwar nicht für die Briten, aber für den Berliner Flughafen Tempelhof. Unser Autor Christoph Dorner und der Fotograf Geert Schäfer waren für uns vor Ort.
23.10.08, Berlin, Tempelhof - Airbase 1
Berlins innerstädtischer Flughafen Tempelhof ist zweifelsohne ein Ort der Vergangenheit, untrennbar mit den Rosinenbombern, der Luftbrücke und damit einem Stück (West-)Berliner Zeitgeschichte verbunden. Heute kann man in den frühen Morgenstunden im Linienverkehr noch nach Brüssel, ins südschwedische Växjö oder nach Friedrichshafen fliegen. Am 30. Oktober wird das überdimensionierte Gelände nach gescheitertem Volksentscheid im April für den Flugbetrieb endgültig dicht gemacht. Was das alles mit Bloc Party zu tun hat?
Eigentlich ja gar nichts, zumal sich Pop eh nie großartig um Vergangenheitsbewältigung geschert hat. Bloc Party feiern in der Gegenwart den Releause ihres dritten Albums "Intimacy" als physischen Tonträger und bleiben vielmehr eine der wenigen wirklich zukunftsweisenden Bands. Und das nicht, weil sie "Intimacy" schon vorab als Download über ihre Homepage veräußert haben, sondern weil sich dieses Post-Punk-Chamäleon von einer Band einmal mehr gehäutet hat.
Fotostrecke:Intro Intim Special: Bloc Party live
Nein, natürlich geht es hier auch um das kleine bisschen Signalwirkung und Gigantomie, dass die Band - einst 2005 mit der Single "Helicopter" im Vollspeed abgehoben - genau hier in einem der weltgrößten Gebäude zwischenlandet, um den Release des neuen Albums im kleineren Kreis mit 300 verlesenen Fans und Medienschaffenden zu feiern: Im Tempelhofer Restaurant "Airbase 1" mit direktem Panoramablick auf die Rollbahn und die schlafenden Trabantenstädte im Süden Berlins.
Video: Bloc Party - "Talons" (Live @ Tempelhof, Teaser)
Nun könnte man denken, dass ein solcher Event für eine Band, die Hurricane Festival wie Glastonbury gleichsam souverän-energetisch bespielt hat, eine müde, wenn nicht sogar lästige, Pflichtübung erscheint. Nicht so für Bloc Party, die allein handwerklich mittlerweile viel zu viel auf dem Kasten haben, um ihnen Routine in einem negativen Sinn zu bescheinigen. Das liegt an Gitarrist Russell Lissack und Bassist Gordon Moakes, die links und rechts auf der kleinen Bühne postiert, stoisch ihren Stiefel spielen und so etwas wie die Tragflächen für den Sound von Bloc Party stellen. Der Motor sitzt, das merkt man insbesondere bei "Positive Tension" als drittem Song auf der Setlist, ausnahmsweise hinten und heißt Matt Tong. Er entwickelt hinter seiner Schießbude so viel Druck, dass die ausgefeilteren, weniger elektronischen Songs zwar etwas rüde von ihrem hohen Produktions-Ross heruntergeholt werden, dafür aber eine punkige Direktheit bekommen, die Bloc Party live gut zu Gesicht steht.
Nur fürs Protokoll: Auch hierpflegt Tong sein Ritual und trommelt nach dem vierten Song oberkörperfrei. Und Sänger Kele Okereke ist - um bei dem eingeführten Sprachbild zu bleiben - natürlich der charmante Pilot, zuständig für Start und Landung der Songs und das komplimentieren der Gäste. Ihm merkt man am deutlichsten an, dass hier nicht nur ein Mitschnitt für Funk und Fernsehen produziert werden soll, sondern auch alle Anwesenden ihren Spaß haben sollen. Und haben. Bei der zackigen Zugabe "Mercury" entert Okereke sogar den Zuschauerraum, lässt sich von der heißhungrigen Menge ohne doppelten Boden verschlingen und turnt an einer Fernsehkamera herum. So eine intime Aktion ist, Digitalkamera und Foto-Handy sei Dank, natürlich auch ein Fest für Blogger und popkulturelle Bürgerjournalisten, die die Botschaft des Abends in die (digitale) Welt tragen: Bloc Party sind wieder da.
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