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ATP Festival in New York

Bildergalerie: Von Sträflingen und Gitarrenwänden

21.10.2008, 12:47, Text: Björn Sonnenberg, Foto: Björn Sonnenberg
[1 Kommentar]

Björn Sonnenberg, haupt- wie auch nebenberuflich bei den Kölner Pop- bzw. Indie-Rock-Bands Karpatenhund und Locas In Love aktiv, beackerte für Intro Ende August die New Yorker Ausgabe des beliebten Indie-Happenings ATP.

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Fans vom Web, Musik oder Intro generell,

dies ist die stark (und natürlich für mich, den Autoren, Ihren Björn Sonnenberg, höchst unbefriedigend, wenn auch von mir selbst) gekürzte Fassung meines Erlebnisaufsatzes. Die lange Fassung steht hier.

Das ATP NY ist das erste All Tomorrow's Parties Festival (nach einem einmaligen West Coast-ATP 2003), das in den USA stattfindet. Schauplatz ist kein ehemaliges Flughafengelände, nicht Weideland, Schützenplatz, Konzert- oder Festhalle, sondern der Kutsher's Country Club, ein riesiges Ferienklubgelände, das bekannteste von ehedem ca. 400 solcher Resorts.


Besonders in den 50er- und 60er Jahren verbrachten jüdische Familien, wenn es in der Stadt unerträglich heiß wurde, ihre Sommer in diesen Resorts upstate New York, wovon u.a. der Film "Dirty Dancing" Zeugnis ablegt, der in einem solchen family resort spielt. Mit dem Siegeszug der Klimaanlage wurde es immer weniger nötig, den heißen Stadtsommern in die Catskill Mountains zu entfliehen und die einst prächtigen Anlagen mußten nach und nach schließen. Mittlerweile sind noch vier in Betrieb, aber auch sie werden von moderigem Geruch der Geschichte und dem Glanz vergangener Tage umweht und wirken geisterstadtgleich heimgesucht.

Die drei Festivaltage setzen sich zusammen aus dem Themenabend "Don't Look Back" (Klassiker-Alben des Indierock werden in Gänze live gespielt) und Comedy am Freitag, einer ATP-Auswahl von Bands am Samstag und schließt am Sonntag mit dem von My Bloody Valentine ausgesuchten Programm. Von den 40 Acts der drei Tage schaffen wir es, 31 anzusehen.

Der Freitag beginnt am frühen Abend, nachdem etwas Zeit war, das Gelände und das Ausmaß seines grandiosen Verfalls kennenzulernen. Thurston Moore spielt "Psychic Hearts", ein außergewöhnliches Album, das auch live umgesetzt wunderschön ist (mit u.a. Sonic Youths Steve Shelley am Schlagzeug). Vor ihm steht ein Notenpult, von dem er die Texte abliest, manchmal redet er achtlos mit seiner Band: "oh, you're right, it's in B", was angesichts der enormen Souveränität etwas sehr kokett rüberkommt und sich anfühlt wie ein lässiges 'oh, welches meiner tausend Alben sollte ich spielen? Ach ja, dieses - nun gut, feuern wir es eben raus, kein Problem, mir auch egal."


Tortoise sind eine sensationelle Überraschung. Wer wie ich bisher dazu neigte, die Band als zwar ganz toll, aber auch manierlich und etwas langweilig zu empfinden, hat sie vielleicht nie in der richtigen Lautstärke hören dürfen. Der Sound ihrer "Millions Now Living..."-Umsetzung ist perfekt, die Inszenierung mit zwei Schlagzeugen und zwei Vibraphonen, die symmetrisch angeordnet sind zusammen mit den dezenten, aber sehr guten Projektionen, ist so geschlossen und atemberaubend, dass der ganze Raum in Ekstase gerät über die herrliche Power instrumentaler, völlig durchkomponierter Musik.

Auf der nächsten Seite: ATP - der zweite Tag.


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  • User: gonzodieratte
  • gonzodieratte 24.10.2008 | 18:57:08

    schön geschrieben.
    aber ich platze vor eifersucht.

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