Someone Still Loves You Boris Yeltsin Live
Kleine Geschenke
02.10.2008, 15:09, Text:
Christian Steinbrink
[1 Kommentar]
Ein bisschen enttäuscht sind Someone Still Loves You Boris Yeltsin schon. Man meint es ihnen zumindest anzusehen. Das Tsunami ist halt nicht das Gebäude 9, die Konzertlocation, in der sie auf der Tour zu ihrem ersten Album "Broom" spielten. Es ist kleiner, enger und mit einer leistungsschwächeren Soundanlage ausgestattet. Und gerade heute wirkt der Club wie der Ort eines wuseligen Indie-Allnighters.
01.10.08, Köln, Tsunami
Kurzfristig wurden noch die tollen Spanier von It's Not Not ins Line-Up genommen, weil sie, nachdem sie tags zuvor einen Gig im Kölner Blue Shell hatten, am Ende doch keinen anderen Auftrittsort für diesen Abend finden konnten. Die früh erschienenen Besucher werden dementsprechend angenehm überrascht. Außerdem tritt mit Periscope noch eine der nicht unbedingt zahlreichen guten jungen Köln/Bonner Indiebands auf.
Wenig Platz also für die vier Jungs aus Missouri, vor und auch hinter der Bühne. Außerdem bekommt jede Band naturgemäß ein ungutes Gefühl, wenn sie sich von Tour zu Tour verkleinert. Gerade wenn man eigentlich so viele gute Gründe für Optimismus und Ambition in seiner Musik hat. Als SSLYBY starten, sind aber zumindest genauso viele Leute im kleinen, sympathischen Südstadt-Kellerclub wie damals im Gebäude 9. Das heißt: Das Tsunami ist voll, und in der ersten Reihe muss man aufpassen, nicht das Bass-Griffbrett ins Auge zu bekommen. Ein Konzerterlebnis, so unmittelbar wie selten.
SSLYBY starten etwas verhalten, und das bekommt ihren frohsinnigen und geradezu idealtypischen Indie-Popsongs nicht unbedingt gut. Die schönen Gesangsharmonien sind nur schlecht zu hören. Bevor aber miese Stimmung aufkommt, erlebt man ein Paradebeispiel für die segensreiche Kraft einer enthusiastischen Fanbase: Drei von ihnen kommen auf die Bühne und überreichen der Band kurz zuvor gekaufte Rosen. SSLYBY sind erst irritiert, dann gerührt. Und lassen sich für den Rest des Konzertes auch nicht mehr von mittelmäßiger Soundqualität stören.
In der Folge spielt die Band alle ihre Qualitäten aus, die sie zwar klassischerweise im Genre "Indiepop" verorten, gleichzeitig aber auch wohltuend aus dem Einheitsbrei abheben: Ihre Songs kommen schnurstracks auf den Punkt, sind ungemein dynamisch arrangiert und tight und gekonnt gespielt. Die Stimmung ihrer Musik changiert zwischen leichtfüßig und rau, wirkt aber immer erhebend und anstachelnd, so dass in den engen ersten Reihen des Tsunami soviel Bewegung aufkommt, wie es eben noch geht.
SSLYBY bedenken ihre beiden Alben "Broom" und "Pershing" zu gleichen Teilen, und nahezu jedes Stück offenbart auch live besondere Hitqualitäten. Am Ende sind sie richtiggehend gerührt, loben die "beautiful people of cologne" und bringen es kaum übers Herz, die Bühne zu verlassen. Wenn es wirklich eine Form von Gerechtigkeit in der Popmusik geben sollte, dürften SSLYBY nun doch das letzte Mal in einem so kleinen Rahmen in der Stadt zu sehen gewesen sein. Denn, und hier sollte jeder A&R genauer hinschauen: Kaum eine Popband hat in ihrer Musik so viele gute Gründe für Erfolg auch auf größerer Ebene angelegt wie diese. Ein bisschen Engagement könnte sich wirklich lohnen.
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ripchord 05.10.2008 | 23:25:18
supertramp
Danke für den Einblick. Ich lag mit Fieber zu Hause und habe mich mächtig geärgert.
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