Leonard Cohen Live
25.07. - Lörrach, Marktplatz, Stimmen Festival
30.07.2008, 13:28, Text:
Kristina Engel, Foto: Richard Groulx
Ein Platz in der Mitte der Fußgängerzone einer größeren Kreisstadt, gesäumt von Einkaufspassagen, Banken und einem Hotel, an dessen Fenstern Menschen lehnen. Vor der Bühnen stehen erwartungsvoll 5000 Menschen, das Konzert ist ausverkauft. Ungewöhnliche Dimensionen für ein Leonard-Cohen-Konzert, denkt man sich, aber schön, so intim.
Der Beginn ist laut Eintrittskarte für 20 Uhr angekündigt. Einen Support-Act soll es nicht geben. Und wirklich: Schon kurz nach acht betreten sechs Musiker und drei Sängerinnen (darunter Cohens langjährige Ko-Autorin, Produzentin u. a. Sharon Robinson) die Bühne. Dann folgt, frenetisch empfangen vom Publikum, ein sichtlich gut gelaunter Leonard Cohen, ganz schlicht gekleidet in schwarze Hose, schwarze Weste, graues Hemd, und - ganz wichtig - er trägt einen schwarzen Hut. Irre, der Headliner beginnt bei Tageslicht ohne großartige Lightshow! Das kommt genauso schlicht rüber wie dessen Kleidung.
"Dance Me To The End Of Love" eröffnet das Set. Da ist sie, diese Stimme: so unverkennbar mit ihrem dunklen, weichen Timbre. Wenn irgendwer auf ein Festival namens "Stimmen" gehört, dann dieser große Singer/Songwriter. Der Draht zwischen Zuschauern und Künstler ist sofort da. Im Folgenden reiht sich Song an Song, nur wenige sind mir unbekannt, das letzte Album "Dear Heather" (2004) ist gar nicht vertreten, "Ten New Songs" von 2001 mit nur zwei Songs. Ein Greatest-Hits-Abend also. Das hätte ich so nicht erwartet, freue mich aber sichtlich, all diese früher so oft gehörten Songs zum ersten Mal live erleben zu dürfen.
Puristisch ist der ganze erste Block gehalten: Die Musik kommt ruhig rüber, bescheiden ist das Auftreten des fast 74-Jährigen (!), der viel jünger rüberkommt: Er post nicht mit weltumarmenden Gesten, nein, in der rechten Faust das Mikro, in der linken dessen Kabel trägt er seine Songs vor. Seinen Mitmusikern gewährt er viel Raum, stellt sie unzählige Male vor, wobei er immer höflich, nein, respektvoll seinen Hut zieht und ans Herz hält. Genau auf diese Weise kommuniziert er auch mit uns - das nimmt ein, irgendwo ganz tief.
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