So war das Reading Festival 2008 - Die Nachlese: Metallica, The Killers, Bloc Party Artikelbild (groß)

So war das Reading Festival 2008

Die Nachlese: Metallica, The Killers, Bloc Party

27.08.2008, 10:38, Text: Daniel Koch

Unser Festival-Nomade Daniel Koch hat sich zwischen zweckentfremdeten Bierbechern und Rest-Hamburgern sichtlich wohl gefühlt. Nebenbei hat er sich die Auftritte von Rage Against The Machine, Metallica und The Last Shadow Puppets.

"Wollt ihr Musik hören oder dumm sein und Gegenstände schmeißen?" Es ist 1988, Meat Loaf steht auf der Hauptbühne des Reading Festivals und muss feststellen, dass sein "Bat Out Of Hell“-Geschmocke nun so gar nicht ankommt. Die Menge antwortet im Reading-Style und wirft, was es in den Händen hat. Der Volltreffer gelingt einem jungen Herren, der zuvor in mühevoller Strullarbeit einen Anderthalb-Liter-Flasche-Cider vollgepisst hat. Er trifft Meat Loaf am Kopf. Ende des Auftritts.


Das Reading Festival feierte in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag, was ein wenig gemogelt ist, denn die Ursprünge des Events liegen bereits im Jahr 1961 – und zwar im National Jazz Festival, das wenige Jahre später in die Londoner Satelliten-Stadt umsiedelte.
 

Aber – und deshalb geht das wohl klar – in seiner jetzigen Version als riesigen Rockevent mit dem wohl eindruckvollsten Line-up gibt es Reading eben seit 20 Jahren. Eine Zeit, in der man dort schon viele geschichtsträchtige Momente erleben durfte. Zum Beispiel 1992, als Kurt Cobain praktisch direkt aus dem Rollstuhl bzw. einer langen Entziehungskur seinen letzten UK-Gig spielte. Oder schon 1990, als er die Menge dazu brachte "We love you Courtney!“ zu brüllen – obwohl sie zu der Zeit die Yoko Ono des Grunge war. A propos: Courtney spielte zum Dank auf Reading ihren ersten Hole-Gig nach Kurts Tod. Ebenso wie die Manics ihren ersten Gig nach Verschwinden ihres vierten Bandmitglieds Richey in Reading wagten. Die Stone Roses hingegen lösten sich 1996 unmittelbar nach ihrem vergeigten Gig auf.

Video: My Chemical Romance - Bottled @ Reading 2006



Viel spannender ist aber eigentlich die spezielle Historie der zahlreichen Wurfgeschosse, die mit den Jahren auf oder von der Bühne geworfen wurden. Oder durch’s Publikum flogen. Spitzenreiter dabei sind die oft mit Fäkalien gefüllten Flaschen, die nicht nur Meat Loaf, sondern auch The Rasmus, Panic At The Disco oder 50 Cent abbekommen hatten, was meistens zum Abbruch des Konzerts führte. In die andere Wurfrichtung sind bis heute legendär: 50 Cents Mikro, das er zufällig seinem wohl einzigen zugereisten Fan in die Fresse warf (nachdem er genau die 20 Minuten live spielte, die er brauchte, um seine Gage einzustreichen) und der Tampon, den sich L7s Donita Sparks live und in Farbe auf der Bühne aus dem Leibe zog, um ihn in die buhende Menge zu werfen. Man muss sich also nicht wundern, wenn man als Zugereister auch mal einen Burger an die Schulter geworfen bekommt. Den streicht man dann einfach mitsamt Saucenrest vom T-Shirt, freut sich, dass einem Unbekannten die Aktion satte fünf Pfund wert war und geht zum nächsten Gig.

Aber, bleiben wir ruhig noch bei den Wurfgeschossen. Die Opfer in diesem Jahr spielten auf der kleine BBC-Introducing-Stage und konnten offensichtlich nichts dafür, dass sie im Flaschenhagel stehen mussten. Irgendwer hatte das Gerücht gepflanzt, die Foo Fighters träten dort unter dem Namen FF’ers für einen Secret Gig an. Fünftausend waren dem Mauscheln gefolgt und standen vor dieser Bühne, die sonst im Schnitt ein hundertstel dieser Menge anzieht. Nachdem die tatsächlichen FF’ers einen kurzen verwunderten Gig spielten und wohl als Vorband gesehen wurden entlud sich der Frust bei der nachfolgenden Pariser Band Underground Railroad. Die Band blieb allerdings standhaft, rauschte durch einen Song, feuerte munter zurück und musste anschließend von der Security von der Bühne gezogen werden. Das ist noch Rock’n’Roll!


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