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Sigur Rós live

Mut zur Nacktheit

12.08.2008, 15:06, Text: Christian Steinbrink
[6 Kommentare]


Sigur Rós sind 2008 erwachsener geworden, in ihrer Bühnenshow etwas konventioneller vielleicht, aber mindestens genauso packend wie früher. Christian Steinbrink haucht dieser These im Folgenden Leben ein.


11.08.08, Köln, Palladium.

Als Sigur Rós das erste Mal in Köln spielten, trugen sie noch einen Spleen mit sich herum, der ihnen selbst aus heutiger Sicht wohl reichlich ungünstig vorkommen muss: Sie stellten die Bühne des Gebäude 9 mit Grabkerzen zu und ließen keinen Besucher die Pforte des Ladens passieren, bevor nicht jede Ecke des Konzertsaals nach asiatischen Räucherstäbchen duftete. So mancher Besucher hielt es damals nur 10 Minuten in dem übervollen und sauerstoffarmen Raum aus.


Später wechselten sie ins Palladium und veranstalteten Schattenspiele, hatten nämlich ein großes weißes Laken über die gesamte Breite der Bühne gespannt. Ähnlich gespannt konnte man also auf die nächsten Eskapaden der Isländer anlässlich der Tour zu ihrem neuesten und großartigen Werk "Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust" sein. Und um es vorweg zu nehmen: Sigur Rós sind 2008 erwachsener geworden, in ihrer Bühnenshow etwas konventioneller vielleicht, aber mindestens genauso packend wie früher.


Kein Laken versperrt dieses Mal die Sicht auf die Musiker, auf den mit großem Bogen Gitarre spielenden Vokalisten Jon Thor Birgisson, auf den lustigen Goldhut des Schlagzeugers und auf ihre atemberaubende Lichtshow, deren hervorstechendstes Merkmal eine Armada an verschieden großen weißen Stofflampen ist. Sigur Rós, vor allem ihr Sänger, scheinen ihre Scheu abgelegt zu haben, vielleicht setzen sie auch einfach nicht mehr auf diese suggerierende Effekte, je nachdem wie man das einschätzen mag. Jon, Jonssi genannt, redet trotzdem und aus alter Gewohnheit kaum ein Wort zum Publikum im gut gefüllten, aber nicht vollen Palladium. Aber es gibt keinen Besucher, der auch nur daran denken würde, das einzufordern.

Video: Sigur Rós - "Gobbledigook" (live feat. Björk @ Naturra, Reykjavik)

)

Der Charakter der Liveshow der Isländer ist wieder geprägt von dieser fast schon charakteristischen verwunschenen Stimmung, die sich gerade auf dem neuen Album der Band deutlich komplexer gestaltet als hier. Trotzdem verflacht bei Sigur Rós, im Gegensatz zu Teilen des Sets des Supports Òlafur Arnalds, nicht alles zu einem großen isländischen Klischee. Entscheidend ist dafür die Kraft und Ausstrahlung sowohl der fragilen als auch der gewaltigen Passagen ihrer Songs. Sigur Rós geben sich ambitioniert und artifiziell, was sollten sie auch anders tun, ihre Show ist in jeder Hinsicht auf "groß" angelegt und kommt so im Palladium perfekt zur Geltung.

Neben dem schon bekannten Streicherquartett Amiina ist auf dieser Tour ein Bläserensemble dabei, das nicht nur durch seinen an eine Marching Band erinnernden anfänglichen Durchmarsch über die Bühne für Bewegung im Set-up sorgt. In ihren weißen Anzügen und mit den gleichfarbigen Zylindern sehen die Männer ähnlich bedrohlich und verrückt aus wie die Droogs aus "Clockwork Orange". Eine unbegründete Sorge, eigentlich wollen sie nur blasen, herumhüpfen und dem theatralischen Charakter der Show ein spielerisches Element hinzufügen. Und auch diese neue Idee verfehlt, typisch für Sigur Rós, ihre Wirkung nicht.


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  • User: Peter Flore
  • Peter Flore 12.08.2008 | 15:59:35
    Köstlich
    Selbst größten Verächtern der Musik dieser Band wird diese Show zumindest Respekt abringen.

    War denn sonst wer da? Ich hatte ja Angst vor dem großen Palladium und hab's lieber gleich gelassen. Offenbar ja zu Unrecht.

  • oldman 12.08.2008 | 16:30:04

    Tja, da hast Du echt was verpasst. Perfekte Show, grossartige Umsetzung der Musik und guter Sound.

    P.S.: Dieses ewige Geschwaffel über das ach so schreckliche Palladium bringt Euch alle nur um gute Konzerte. So riesig ist der Laden nun auch nicht.

  • User: Peter Flore
  • Peter Flore 12.08.2008 | 16:45:16
    Köstlich
    Na toll. Wäre ich nicht noch Haldern-geschädigt gewesen, hätte ich mich vermutlich auch noch durchgerungen. So habe ich wohl wirklich was verpasst. Dammit.

  • franziistda 12.08.2008 | 18:21:31
    I am a vampire
    In Wien war Sigur Rós sehr geil! Große klasse! Muss sie auch nochmal live bewundern.

  • User: dramaking
  • dramaking 12.08.2008 | 21:35:08

    war auch da und fand es wirklich großartig! konnten uns auch nach recht weit vorne vorkämpfen und hatten so keine sichtprobleme. ich bin immer wieder beeindruckt, was das für gute musiker sind und wie perfekt die zusammen spielen.

  • User: Lucy_in_the_sky
  • Lucy_in_the_sky 13.08.2008 | 13:32:04

    ich fand es auch einfach großartig, auch wenn ich hoffte, dass sie zwei stunden spielen würden. es war mein erstes mal und manchmal glaubte ich wieder in haldern zu sein bei den flaming lips, aber das passte alles prima zu den neuen songs. das palladium hat mich auch eigentlich gar nicht genervt, hatte schlimmeres erwartet, aber weit genug vorne war alles gut. auch sehr nett, dass die bläsertruppe zum größten teil islands bläser sind, die einfach überall spielen...der kleine trompeter, der eigentlich múmteil ist, aber auch bei benni hemm hemm und der andere von denen und dann noch helgi hrafn jónsson und so.
    ólafur und band hatte eigentlich für mich nicht zum sechsten mal sein müssen, aber es war kurz und ok. leider macht er auch nur immer die gleichen ansagen...
    gehe jetzt meine hände eincremen, die sind völlig wund geklatscht...

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