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So war das Juicy Beats

Bildergalerie: Von wegen alte Tante

04.08.2008, 15:51, Text: Christian Werthschulte, Foto: Christian Werthschulte

Seit 1996 findet das semi-elektronische Festival im Dortmunder Westfalenpark statt. Christian Werthschulte war für Intro vor Ort und hat bis vier Uhr früh getanzt.

02.08.08, Dortmund, Westfalenpark.

Das Juicy Beats in Dortmund ist wohl das sozialdemokratischste Festival Deutschlands. Gelegen im Westfalenpark, der seit den späten 50ern die Dortmunder mit Blumenbeeten und reichlich Grillplätzen versorgt, halten sich seit 13 Jahren Programm und Eintrittspreise nicht zuletzt dank städtischer Unterstützung die Waage. Und so sind sie alle gekommen: die Hipster in bunten Leggings, das 3-Tage-Wach-Publikum und junge Familien, die mit ihren Kindern das Festivalgelände für ein Picknick nutzen. Selbst der politisch angeschlagene SPD-Oberbürgermeister nutzte die Gunst der Stunde für einen Spaziergang im Park.


Trotz alledem: das Juicy Beats ist ein Festival zum zigfachen Hände-in-die-Luft-werfen. Besonders gern praktiziert wurde dies an der MySpace-Bühne, gebaut eben für junge Bands mit Profil, aber ohne Plattenvertrag. Wenn die Auswahl repräsentativ ist, dann muss man konstatieren: MySpace ist in der Hand von Kitsuné-Fans. Die Kölner Malk benutzen für ihr Fantum Laptops von der Stange und präsentieren sich modebewusst mit hochgeklappter Baseball-Kappe. Schwefelgelb verquicken 8-Bit-Sounds und Goth-Tanzschritte zu einem deutschsprachigen New Wave-Mix, der in guter Düsseldorfer Tradition so begeisternd elegant wie sinnentleert wirkte.

  • Fotostrecke: Juicy Beats 2008
  • Fotostrecke: Juicy Beats 2008
  • Fotostrecke: Juicy Beats 2008

Fotostrecke:Juicy Beats 2008


Störend war dies allerdings nicht, denn wer die persönliche Festivalabhängerei mit gutem Gewissen betreiben wollte, bekam dafür reichlich Gelegenheit. Nosliw beispielsweise sang für die Loser, aber gegen Roland Koch und das Privatfernsehen und hatte damit alle Sympathien auf seiner Seite. Die Mediengruppe Telekommander (Foto) sind ja eh Lieblinge der bewusstseinskritischen Jugend, die die Lyrics der beiden dann auch verinnerlicht hatte und sie sowohl mitsingen als auch kompetent für die Fotostreckenfotografen der lokalen Mediengruppe posieren konnte. Schade nur, dass der Auftritt der beiden Kommander mangels ordentlicher Lautstärke und überdimensionierter Bühne ein wenig von der Präsenz ihrer Clubgigs vermissen lies.

Rummelsnuff wiederum füllte seinen Bühnenraum problemlos aus. Der hühnenhafte Matrose sang sich auf sicherem Kurs durch sein Set, das leider keine besonders großen Wellen schlagen konnte. Vielleicht fehlt auch einfach die Routine. Den begeisterten Applaus bäriger Hardcore-Fans, die zudem jede Zeile auswendig kannten, ignorierte der Berliner jedenfalls geflissentlich.

Die Ankündigung eines Mouse-On-Mars-Auftritts sorgt ja in der Regel für ein müdes Abwinken. Zu sehr haftet dem Duo das Image der niedlichen Frickler an, als dass jemand noch Großes erwarten würde. Dabei kann kaum jemand die Balance zwischen experimentellem Sound und kickenden Beat so gut halten wie Andi Thoma und Jan St.Werner. Aus einer Ansage zum ersten Stück basteln sie live eine Rhythmusspur für das erste Stück, das im White Noise endet, bevor die beiden Mäuse zusammen mit Drummer Dodo Nkishi ein Rave-Feuerwerk abbrennen, das für reichlich Bewegung vor der Bühne sorgt und immer wieder die Grenze zur freien Improvisation berührt ohne dabei an Tanzbarkeit zu verlieren. Panteón Rococó dagegen setzen auf bewährte Taktiken, um das Publikum auf ihre Seite zu ziehen: eine mitreißende Mischung aus Zapatismus, Punk, Ska und Fankontakt. Beim letzten Stück ist die Bühne bevölkert von Band und Publikum, die Ausgeschlossenen feiern trotzdem mit, doch gegen den Ablaufplan ist auch der Zugabenwille von Band und Publikum machtlos.


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