Das war Rock Werchter 2008
Schauer über 80.000 Rücken
07.07.2008, 16:27, Text:
Thorsten Schmidt, Foto: Thorsten Schmidt
[6 Kommentare]
Unser Autor Thorsten Schmidt war beim größten belgischen Festival vor Ort, allerdings nur samstags. Was er dort sah, reicht bei anderen Festivals für volle drei Tage.
05.07.08, B-Werchter.
Gigantonomie in Zuschauerzahlen: Bei uns pilgern 80.000 Menschen regelmäßig für Metallica oder Die Toten Hosen zum Ring. In Belgien sorgt das Rock Werchter für solche Massenaufläufe - schön nur, dass es einem dort gar nicht so groß vorkommt. Die Veranstalter, mittlerweile unter der Leitung vom US-Riesen Live Nation geführt, buchen regelmäßig vorzügliche Line-ups zusammen - so viele hochkarätige Bands kann man sich in vier Tagen gar nicht angucken. Deshalb geht es hier auch nur um einen Tag, der es aber in sich hat.
Eine Frage stellte sich schon im Vorfeld: Machen MGMT live so viel Spaß wie auf Platte? Enttarnt sich die unbedarfte, zuweilen an Naivität grenzende Haltung des Duos auf der Bühne als Nullnummer? Der Hype um die amerikanischen Jungs sorgt im Vorfeld für Skepsis, doch die erweist sich als unbegründet. Das "Management" in gestalt von Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser bringt seine Songs in Bandbesetzung locker unter das zahlreich versammelte Festivalvolk und reißt die Party des Tages bereits zur Mittagsstunde. Ein melancholisch-euphorisches Hitfeuerwerk das auch ohne visuelle Effekte zündet. Abgesehen vom trashigen Outfit der beiden Multiinstrumentalisten vielleicht. Die letzten Minuten ihres Sets kloppen sie noch ein wenig Led Zeppelins "Immigrant Song" in ihre Synthies, eine weitere Eruption scheitert jedoch am folgenden Programm.
Das ist die Band Of Horses, und deren Americana-, Country- und Classic-Rock ist heute auf Dauer leider ein wenig eintönig. "Houuuuu" ruft Sänger Bridwell - das größte Aufsehen erregen einige Freaks die mit Pferdekopfmasken und Cowboyhüten in Bierseligkeit ausgelassen im Kreis tanzen. Die Hauptbühne lockt derweil mit gepflegter britischer Haltung und den Editors. Die können mit starken Songs und charmantem Auftreten auch das ganz große Publikum unterhalten. Leider drückt der einsetzende Regen die Stimmung, und das Adrenalin geht nach einer rasanten ersten Halbzeit inkl. "Bones", "And End Has A Start" und "All Sparks" bei neuem Material kurz etwas runter, aber nur um zum Finale und "Munich" erneut zu scoren. Siegesfeier dann beim Melt! trocken in intimerem Rahmen!
Einen neuen Song zum Einstieg gibt es anschließend von den Kings Of Leon. Familie Followill ist personalisierte Coolness und pfeift auf schlechte Witterung. Gibt's denn das, flötet Caleb da tatsächlich ein Reprise an "Slow Night, So Long"? Im vergangenen Jahr hatte er an dieser Stelle Eddie Vedder (Pearl Jam) als Gesangspartner. Schöne Jroos! Nachdem Neil Young am Abend zuvor bereits den großen Geist der seelenvollen Gitarre nach Werchter gebracht hatte, taucht Ben Harper diese kräftig in Blues und Gospel und vertreibt die Regenwolken. Eine verrauchte Version von "Whipping Boy" reicht ganz tief, und Bill Withers "Use Me" kommt in furioser XL-Version. Harper zeigt sich sichtlich berührt und lobt das Festival als eines der besten in Europa.
Die Sonne geht nun langsam unter und der Festivaltag neigt sich dem Ende entgegen. Bühne frei für Sigur Rós und elegische Klänge aus dem hohen Norden. "Svefn-g-englar" als Opener entführt sogleich in die Anfangszeit der Band, als man mit dem Album "Agaetis Byrjun" international auf sich aufmerksam machte. Mittlerweile werden Sigur Rós weltweit für ihren einzigartigen Sound verehrt und lassen Schauer über knapp 80.000 Rücken laufen. Die Performance ist umwerfend: Erweitert um Streicher und Bläsersektion besteht die Band aus 13 MusikerInnen. Alle fein ausstaffiert in Schwarz und Weiß, große Lichtballons über sich und tolle, teils verfremdete Kamerabilder auf den Screens geben einen ungeahnten visuellen Eindruck der Isländer. Gitarrist und Sänger Jónsi gleicht einem Mythenprinzen, silberne Ketten mit unzähligen kleinen Symbolen, Lederbänder, Armulette, Federn und Gesichtsbemalung scheinen aus nordischen Sagen entliehen. Zu "Gobbledigook", jenem rhythmischen Temperamentstück aus dem wirklich überraschenden aktuellen Album "Með Suð I Eyrum Við Spilum Endalaust", fordert er die Zuschauer zum Mitklatschen auf. Als Belohnung knallt eine Bombe und der Himmel hängt voller Federn... Konfetti... Geigen.
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Wolpers 07.07.2008 | 23:06:18
--N--- --N----N---
musikalische highlights waren für mich: soulwax, ben folds, hot chip, kings of leon, sigur rós, beck, deus.
guter artikel, wenn auch offenbar auf den samstag beschränkt.
Peter Flore 08.07.2008 | 09:15:13
Köstlich
Ja, Thorsten war nur samstags da, steht ja auch so im Teaser.
Thorsten Schmidt 08.07.2008 | 09:46:01
Yup, wegen Grippeanflugs war mehr leider nicht drin :(
Haben dEUS als Abschluss Sonntagnacht triumphiert?
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Thorsten Schmidt am 08.07.2008 09:46:32
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Thorsten Schmidt am 08.07.2008 09:46:58
dirklangen 08.07.2008 | 20:00:58
Gäbe es doch endlich auch mal in Deutschland eine solche Organisation, nette Leute und ein Top - Lineup (Haldern und Melt! mal ausgenommen) Es waren an 4 Tagen je !!!! 80000 Leute da, die alle nachts mitten friedlich durch wohngebiete gehen zu Ihren Zelten maschieren, und auf/vor dem Gelände gibts keinerlei Wartezeiten ....
Wolpers 09.07.2008 | 09:39:43
--N--- --N----N---
oh, den teaser hab ich überlesen, sorry...!
deus waren ein würdiger abschluss! in der ersten hälfte haben sie eher neue sachen gespielt, wie etwa the architect, mit der ausnahme von einer extra langen version von instant street. (freude!) die zugabe war klasse: popular culture (mit kinderchor), roses und suds & soda, das auch noch mal verlängert wurde und zu dem die kinder dann auf der bühne getanzt haben. dazu gab's ein feuerwerk
Editiert von
Wolpers am 09.07.2008 09:41:06
Groe 10.07.2008 | 14:25:44
...und das mit links!
Na ja, als Rock Werchter-Nostalgiker werde ich dort wohl nie mehr landen. Ich wünsche mir die Zeiten zurück, als man im Dorf noch in jedem Garten einen Grill und ne Bar fand, auf dem Kirchplatz Fußball spielen und man gemütlich von einer Bühne zur Anderen schlendern konnte, ohne was zu verpassen und immer einen Platz unter den Bäumen fand, wo man auch mal ausruhen konnte, ohne das Leute über einen stolpern...
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