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So war das Glastonbury

Bildergalerie: Europas größtes Festival

02.07.2008, 18:06, Text: Christine Franz, Daniel Koch, Foto: whiper
[16 Kommentare]

Auf dem Glastonbury verpasst man immer was. Man wird nie der Checker sein, der alles gesehen hat. Das ist nun mal so. Hier hat man es nämlich nicht mit einem Festival zu tun, sondern mit einer Zeltstadt, die von kulturgeilen Kreativen, Alt- und Junghippies, Stars, Bands, DJs, Drogendealern, Irren und normalen punters (so nennt man in England liebevoll den gemeinen Festivalgänger) eingenommen wurde. Die Devise lautet also: Einfach mal treiben lassen. Nicht drüber nachdenken, was man verpasst, sondern was man zu sehen bekommt. Genau das haben Christine Franz und Daniel Koch am vergangenen Wochenende getan. Was sie gesehen haben, feuern sie hier abwechselnd in Form journalistischer Snapshots ab – zumindest eine kleine Auswahl davon. Down on the farm in Pilton – auf Europas größtem Festival.


Beans On Toast
Samstag 28.06., 00:30 Uhr, Leftfield
Während sich Co-Autor Koch noch durch die Menschenmassen an der Pyramid Stage schiebt, klettert Neo-Barde Beans On Toast im linken Festival-Hauptquartier Leftfield auf die Bühne. Der Mann, der sich hinter dem ohne Zweifel leckersten britischen Nationalgericht verbirgt, ist eine explosive Mischung aus Kylie Minogue (Größe) und Billy Bragg (Songwriting). Zu den immergleichen Akkorden seiner Akustikklampfe (was dem popkulturellen Genius ganz und gar nicht schadet) erzählt er über Kate Moss’ Birthday, Tony Blairs MySpace-Pict und das Glastonbury Festival: "We’ve got our muddy clothes on, we’ve got our silly hats, it’s better than the real world. And that’s a fucking fact." Stimmt.


Franz Ferdinand
Freitag 27.06., 16 bzw. ca. 22 Uhr, Park Stage
Ein smarter junger Herr mit Hut drückt einem einen Flyer in die Hand. "That’s my band. We’re playing here tonight. Please come.“ Der junge Herr heißt Paul Thomson und ist Drummer dieser schottischen Band Franz Ferdinand. Hundert Meter weiter sieht man Sänger Alex Kapranos, der es dem Kollegen gleich tut. All das passiert im grünen Park Areal, einem dieser kleinen Festivals im Festival. Zwischen John Cale und Dizzee Rascal ist es dann so weit: Gut gelaunt und erfreulich unsteif spielen sich Franz Ferdinand durch ihren "Geheimgig“. Mit viel Altem und viel Neuem. Man hat ja ein Album in der Pipeline, das anscheinend wie angekündigt sehr "dirty“ klingt und oft das neue Bandspielzeug erklingen lässt - ein altes, russiches Keyboard. Darauf einen Schampus mit Lachsfisch! Ach, scheiße. Man hat nur ein Fläschchen Chardonnay dabei. Auch dekadent. Passt. Cheers, Franz!

Video: Franz Ferdinand - "Katherine Kiss Me" (Live at Glastonbury, 2008)




Kitty, Daisy & Lewis
Sonntag 29.06., 03:10 Uhr, Club Dada
Man weiß nicht genau, was schräger ist: die Anmoderation des haarigen Male-Burlesque-Tänzers in Unterhose, die Punk-Gogos, die auf einem selbstgebauten Holzpferd durchs Publikum reiten oder die multiinstrumentale Rockabilly-Familie auf der Bühne. Mit ihrem 50s-Sound bringen die drei 15- bis 18-Jährigen Londoner Geschwister Kitty, Daisy & Lewis unter der Regie von Mama Ingrid am Double-Bass und Papa Graeme an der Gitarre die Menge  im plüschigen Festival-Club zum tanzen. Dass die elterliche musikalische Früherziehung bei den Teenagern überaus erfolgreich war, ist kaum zu überhören: Ukulele, Banjo, Steel-Guitar, Mundharmonika und Akkordeon werden im Sekundentakt getauscht. Thank God, endlich ein bisschen Abwechslung zum aktuellen britischen Indie-Einerlei.


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  • Mehrteurer 03.07.2008 | 08:58:13
    Hitschlampe
    Jay-Z war ja tatsächlich sehr sehr gut, wenn man sich das so anschaut.


  • User: Sören
  • Sören 03.07.2008 | 13:25:28
    Tiki-Taka-Taliban.
    ich weiß nicht. jay-z ist prima, aber das video liefert mir noch nicht den beweis, daß solcher hiphop auf einer festivalbühne funktioniert.

  • Mehrteurer 03.07.2008 | 18:46:54
    Hitschlampe
    oha Sören wartet wohl noch darauf das Jay-Z und Radio Head Karma Police/Big Pimpin' rausbringen

  • User: art_i_ficial
  • art_i_ficial 03.07.2008 | 19:04:30
    freedom oy!
    auf 'ner festivalbühne funktioniert doch alles, was mit bush-bashing zu tun hat. aber ernsthaft: mit backing-band und genug soul im arsch kann auf so einem riesigen festival kaum was schiefgehen.

  • Mehrteurer 03.07.2008 | 19:29:01
    Hitschlampe
    Jay-Z ist einer der wenigen "Rap-Stars" die's live bringen. Ihn als Headliner zum Glastonbury zu holen war natürlich mutig. Ich beneide alle die ihn nächste Woche beim Splash erleben werden. Da ist der Rahme natürlich "stimmiger".

  • User: art_i_ficial
  • art_i_ficial 03.07.2008 | 20:48:57
    freedom oy!
    ha, wenn man da an die immergleichen headliner bei rock am ring denkt...

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 03.07.2008 | 22:06:05

    Na ja. 50 Cent auf dem Reading 2004 - ich glaube sogar direkt vor Metallica - hat auch nicht soooo gut funktioniert ;-)



    Editiert von Daniel Koch am 03.07.2008 22:07:06

  • User: Sören
  • Sören 04.07.2008 | 01:59:59
    Tiki-Taka-Taliban.
    gottchen, hendrik. von null auf persönlich in einem posting?

    @art: äh, portugal?

    Editiert von Sören am 04.07.2008 02:04:16

  • Mehrteurer 04.07.2008 | 05:26:04
    Hitschlampe
    na komm, das war nur 'ne Steilvorlage für eine kleine Spitze - hab Dich nicht so.

  • User: art_i_ficial
  • art_i_ficial 04.07.2008 | 15:05:56
    freedom oy!
    das war auch auf den 50 Cent-auftritt auf dem reading gemünzt, den herr koch gepostet hat.

  • User: Red Dog
  • Red Dog 04.07.2008 | 15:40:14

    da gibt es doch so einen ähnlichen klassiker mit bushido bei rock im park, oder?

  • Mehrteurer 04.07.2008 | 18:36:38
    Hitschlampe
    @daniel koch: haha , der Fifty-Gig sieht genau so aus wie der Fraktus-Auftritt bei Deichkind beim Melt im letzten Jahr.

    Editiert von Mehrteurer am 04.07.2008 18:37:25

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 04.07.2008 | 19:48:17

    Stimmt, Fraktus war ähnlich, aber die wollten's ja so ;-) In England bin ich immer wieder überrascht, wie leidenschaftlich und aggressiv die das "outbottlen" betreiben. Vor ein paar Jahren hat's auf dem Reading mal The Rasmus erwischt. Da hat sich der Sänger mit so einem "Ich heul gleich!"-Blick hinter dem Drumkit versteckt. Später hat Radio One dann berichtet, dass sogar Plastikflaschen auf der Bühne gefunden wurden, in die jemand irgendwie Kacke reinbekommen hat.

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