So war das Hurricane 2008
Bildergalerie: Von Radiohead bis Deichkind
24.06.2008, 17:09, Text:
ines Sundermann,
Daniel Koch, Foto: Arne Sattler
[8 Kommentare]
Daniel Koch und Ines Sundermann haben sich den Dreck von der Haut gewaschen, etwas ausgeschlafen und fassen das Hurricane-Wochenende noch einmal umfassend zusammen.
Der Chef liegt einem in den Ohren, wenn denn jetzt der Hurricane-Bericht käme, es sei ja schon Dienstag. Dennoch genießt man erst mal die Freuden eines normalen Vormittags: Ausschlafen, Kaffeetrinken, Zeitunglesen. Denn: Wenn man wirklich das Hurricane erlebt, durchlebt und sich selber dabei zerlebt, wenn man nicht den Quick-and-Dirty-Musikjournalismus betreibt, sich ein paar Impressionen abholt, im Hotel schläft und dann nach Hause fährt, wenn man auch Menschen außerhalb des VIP-Campingplatzes kennt, sich also auch mal in den "siebten Kreis der Hölle vorwagt", wie mancher Kollege den "normalen" Campingplatz nennt, wenn man es tatsächlich mal drauf anlegt, feiertechnisch mit dem Abi-08-Jahrgang aus Scheeßel oder der etwas in die Jahre gekommenen Dorfjugend von Venne mitzuhalten, wenn man tatsächlich erst einmal für sich klar und in Reihenfolge bringen will, welche Bands man gesehen hat und welche Auftritte auch nach Abflauen der Festivaleuphorie noch Bestand haben werden, wenn man das ganze Wochenende mit zwei bis vier Stunden Schlaf ausgekommen ist - dann braucht man nun mal zumindest eine Erholungsnacht plus Frühstück. Sonst schreit nämlich jeder Leser, der auch da war, ganz laut "Authentizitätsdefizit" - wenn er es denn schon wieder aussprechen kann.
Also erst einmal die Erinnerungsfetzen zusammenpuzzeln. Wie ging es los, was war, was bleibt? Da muss man einfach zuerst über das Wetter sprechen. Nicht etwa, weil das spannender war als die rund 60 Acts, sondern weil auch das mal wieder für ein unvergleichliches Auf- und Ab- der Hoffnungen und Erwartungen sorgte. Das für Freitag und Samstag angekündigte "mehr wolkig als heiter" entpuppte sich dann aber als durchgehende Sonnenbrandgefahr, wie man schon am Freitagabend an krebsroten Stirn- und Nackenpartien ablesen konnte, die Unwetterwarnung samt Steinschlaghagel wurde nicht zuletzt von Radioheads überirdischen Auftritt auf sicherem Abstand gehalten. Statt Matschpampe an den Schuhen musste man sich also in diesem Jahr eher mit Staub in der Lunge auseinandersetzen, denn der Scheeßeler Eichenring verwandelte sich an den stark frequentierten Stellen schnell in eine feinkörnige Ackerwüste, die man aber spaßeshalber sehr gut in Wolken vom Boden stampfen konnte.
Fotostrecke:Hurricane 2008 - Impressionen
Was gleich beim herb norddeutschen Opener Turbostaat sehr gut funktionierte. Ihr souveräner Auftritt und der bekannte Spagat zwischen In-die-Fresse-Punk und In-die-Birne-Lyrik funktionierte sogar selbst von der Giganto-, pardon Green-Stage herunter. Trotzdem ließen es sich viele nicht nehmen, das Wochenende vor der Blue Stage mit eher weltmusikalischem Flair zu beginnen - im postiven Sinne. Da sorgten z. B. Shantel und Patrice für. Der Auftritt von Kettcar geriet dann leider eher zwiespältig, da ihr Sound - wenn man nicht in der ersten bis zehnten Reihe stand - vom norddeutschen Winde verweht wurde und gerade die neuen Nummern wie z. B. 'Es gibt kein Außen mehr' dadurch einen Teil ihrer Dringlichkeit einbüßten. Aber die Kracher mit den 'Landungsbrücken' und den 'Balkonen' machten das wieder wett. Trotzdem ertappte man sich bei dem Gedanken: "In Oelde kamt ihr damals besser!"
Die auch hier wieder zahlreich vertretene Remmi-Demmi-Fraktion, die wirklich sehr oft "Abi 08"-T-Shirts trug (gab's das Rabatt-Aktionen vom Veranstalter?) versammelte sich dann in breitester Feierlaune vor Deichkind und Jan Delay. Erstere reisten wieder mit Trampolin und Gummiboot an, zeigten aber diesmal eine modernere Müllsack-Dress-Variante und verteilten in den ersten Reihen Wodka-Pinneken, die die Meute da vorne sicher nicht mehr nötig gehabt hätte. Jan Delay dann ebenfalls altbewährt, mit Mitsingspielen und "Freeze!"-Dance-Aktionen im Gepäck, die sogar noch in der letzten Reihe funktionierten. "Respect, Alder!", wie man wohl in Eimsbusch so sagt. Monster Magnet gab's dann ja auch noch und wieder, was man kurz im Vorbeigehen registrierte, als einem guten Alten Rock-Sprengkopf 'Supersonic Teenage Warhead' in die Flanke knallte. Während der Song noch saß, passte und Luft hatte, schien das bei Herrn Wyndorf nicht mehr der Fall zu sein. Zitat des Nebenmannes: "Herrgott, ist der fett geworden!"
Spätestens dann fingen die Gewissensbisse an: Holte man sich eine Ahnung von Clubgig-Atmosphäre und ließ sich im Coca-Cola Soundwave Tent vom Multiinstrumentalisten Xavier Rudd, den Indie-Zwillingen Tegan And Sara und den Weakerthans hinreißen, schlug man eher den Punkpfad ein und ließ es sich von NoFX und den Beatsteaks besorgen? Oder doch lieber Lightshow und Bigbeat-Gewitter mit den Chemical Brothers? Hatte alles sein für und wieder.
Gut NoFX waren die unterhaltsamen Gesellen, die sie so sind - überspielen damit aber lediglich, dass ihre Musik einfach bis auf ein paar Ausnahmen laaaangweilig bleibt. Die Beatsteaks hingegen wählten den Modus der leidenschaftlichen Souveränität und hatten endlich den Platz, für den sie sich schon vor zwei Jahren an selber Stelle empfohlen hatten: Headliner Mainstage. Der Moshpit dazu: "Krieg", "Wahnsinn", "Geil!" Die Chemical Brothers hingegen berauschten vor allem visuell, wobei ihre Musik damit natürlich nicht runtergespielt werden soll. Dennoch: Tegan And Sara bleiben live wunderbar und kriegen auch einen ausgewählten Teil eines 75.000er-Publikums rum - und die Weakerthans können einfach nichts falsch machen. Das unterschreibt man spätestens nachdem man 'Left And Leaving' live gehört hat. Schade, dass ihnen aus unerfindlichen Gründen zwei Songs zu früh der Saft abgedreht wurde.
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meteo 24.06.2008 | 17:30:56
nacknacknack of the free world
nach diesem text mag ich die intro wieder. danke.
oteka 24.06.2008 | 17:52:48
hö? was willst du denn?
och ... auch auf dem vip camper hatten wir spass und genug bier dabei. dazu immer leere duschen und klos ... was will man mehr. das man mit dem vip-bändchen immer ohne zu warten in die ersten reihen kam störte euch sicherlich ebensowenig wie mich :-)
au ralenti 24.06.2008 | 18:45:35
quoi que tu fasses...
notorisch überfüllte gruppenduschen und ein campingplatz mit staubwinden... ich hätte auch gerne ein VIP-bändchen gehabt...
trotzdem viele tolle auftritte gesehen. tegan and sara haben mich umgehauen (nachhaltig), sigur rós, the notwist (trotz der mittagshitze) und radiohead wie gewohnt gut, deichkind gut für den partymodus, operator please meine festivalüberraschung (nach dem eher mauen album hatte ich nicht mit einem guten auftritt gerechnet) und bat for lashes meine neuentdeckung (großartige sängerin).
es hat sich gelohnt, auch wenn es nahezu eine anti-hygiene-convention war.
Zugast 24.06.2008 | 21:07:04
hier klicken und gewinnen!
wann denn dann wenn mal?
Editiert von
Zugast am 24.06.2008 21:10:35
Editiert von
Zugast am 24.06.2008 21:35:32
danny_b 25.06.2008 | 14:22:20
Also auf dem Southside konnte sich der Herr Grohl sehr gut daran erinnern, wo er gerade war, wo er den Tag vorher war und dass das Hurricane-Publikum bei "skin and bones" angeblich auf eins und drei geklatscht hat und deswegen im Vergleich zum Southside-Publikum scheiße war. :D
oteka 26.06.2008 | 17:41:12
hö? was willst du denn?
wer bei konzerten auf aufforderung mitklatscht oder die arme hebt gehört erschossen. ebenso die bands die zu sowas auffordern.
otic 27.06.2008 | 17:39:03
You can call me John!
Ja, Spaß wird allgemein überbewertet.
So paradiesisch ist der VIP-Platz nun auch wieder nicht. Selbst Tote-Hosen-hörende Vollprolls sind da regelmäßig zuhause, obwohl dieses mal eher die Grönemeyers am Start waren. Aber zumindest sein Auto darf man mit drauf nehmen, was ich immer wieder sehr begrüße.
Aber sonst. Wer zum Feiern kommt, hat auf dem regulären Plätzen sicher genauso viel Spaß.
klappstuhlrock 10.03.2009 | 15:42:34
Obowhl ich noch nicht die Ehre hatte einen VIP-Platz becampen zu dürfen, war ich trotz der staubigen Sandwinde und Hygienestellen, die sehr zu wünschen übrig lassen, voll und ganz mit dem Campingplatz zufrieden. Kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Stimmung auf einem VIP-Platz genauso gut ist.
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