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Berlin 08 - so war's

Wir sind Helden und Wähler

17.06.2008, 12:00, Text: Daniel Koch, Foto: Paul Mundthal

Podiumsdiskussionen statt Wettsaufen auf dem Campingplatz:  Beim Berlin 08 wurde am vergangenen Wochenende vor allem der Diskurs gesucht. Daniel Koch hat ihn gefunden.

Verwechslungsgefahr
jetzt auch bei Festivals: Am vergangenen Wochenende fand auf dem FEZ-Gelände in der Berliner Wuhlheide nicht das Berlin Festival sondern das Berlin 08 statt – ein Festival, das sich mit dem Beinamen "Festival für junge Politik" schmückte und nix, aber auch wirklich gar nix, mit dem ähnlich klingenden Event zu tun hatte, der im Juli stattfinden sollte, und es jetzt doch nicht tut.


Wo das Berlin Festival seit Jahren versucht mit chilliger Stimmung und arschcoolen Indieacts mehr als die üblichen Gästelistenhänger in Berlin auf ein Festival zu kriegen, verfolgte das Berlin 08 von vornherein einen anderen Ansatz: Man verließ sich nicht auf die konzertverwöhnte Berliner Klientel, sondern karrte dank Koop mit der Bahn die Jugendlichen zeltlagerweise aus ganz Deutschland an. "Berlin ist cool. Berlin 'is the place to be’", sagt man ja so – oder zumindest sagte es Ursula von der Leyen peinlicherweise genau so in der Festivalzeitschrift. Ihr Ministerium war einer der Veranstalter, neben der Bundeszentrale für poltische Bildung und dem Deutschen Bundesjugendring.

Man ahnt es schon: Die Musik war nicht unbedingt das primäre Interessengebiet der Angereisten, vielmehr trafen sich junge politikinteressierte Menschen, um sich gepflegt demokratisch in die Köppe zu kriegen. Statt Wettsaufen auf dem Festivalcampingplatz – wie man es sonst so macht – wurden hier also die Podiumsdiskussionen geschmissen, Workshops angekurbelt und allerlei andere Möglichkeiten gesucht, Politik irgendwie anfassbar und vor allem nachvollziehbar zu gestalten. Dabei wurde das komplette Programm von den Gruppen selbst auf die Beine gestellt. Klingt laaaangweilig?

Nun ja. Man hatte so seine Ängste, als man den schönen waldigen Weg von der S-Bahnstation Wuhlheide bis zum FEZ-Gelände schlenderte. Da kamen einem junge Menschen mit Halstüchern entgegen, die komische Politikvokabeln im Mund hatten, da sah man ein, zwei unvermeidliche Klischeelinke mit Che-Shirts und man erlebte den bizarren Anblick einer Gruppe Teenies, die Stofftaschen mit der Riesenaufschrift "Familien, Senioren, Frauen und Jugend“ (bekanntlich in genau DER Reihenfolge) trugen, als wäre das der neueste Chic – und nicht bloß eine Werbegeschenk von Frau von der Leyen und ihrem Ministerium. Auch hatte man noch die unbequeme Erinnerung an die Pressekonferenz zur Programmvorstellung im Sinn, auf der eine junge, engagierte Festivalmittmacherin mit strahlenden Augen in einer fünfminütigen Erzählung gefühlt 756 das schreckliche Wort "Regionalkonferenzen" in den Mund nahm. Der Wortschatz der Politik ist ein grausamer.


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