dEUS live
Kontrollierte Ausbrüche
08.05.2008, 12:34, Text:
Philipp Jedicke
07.05.08, München, Kleine Georg-Elser-Halle
dEUS-Frontmann Tom Barman ist ja schon lange dafür bekannt, dass er ein detailbesessener Frontmann ist. Während der ersten Songs geht einem sein herrisches Gehabe aber schon fast auf die Nerven: Ständig fuchtelt er während des Singens mit den Händen, dirigiert Soundmenschen und seine Mitmusiker, die ohnehin schon einen exzellenten Job machen und ihn schmunzelnd ignorieren.
Doch ab der tollen Ballade 'Smokers Reflect' von der aktuellen Platte 'Vantage Point', die live noch viel besser funktioniert als auf dem Album, macht sich endlich auch Barman ein wenig locker und lässt sich vom eigenen Sound packen. Aber nie ganz: Ob kontrollierte Ausbrüche, entrücktes Starren in den Lichtkegel oder wie ganz am Ende beim unverwüstlichen 'Suds & Soda' sein unglaublich lässiger Tanzstil - der Tausendsassa ist mittlerweile ebenso sehr Vollblutregisseur und -schauspieler wie Rockmusiker.
Spätestens bei der umjubelten Tour zum letzten Album 'Pocket Revolution' wurde klar, dass sich dEUS in Barmans Vision endgültig vom kreativen Chaos verabschiedet haben und die Noise-Elemente nicht mehr Selbstzweck, sondern geschickt platzierte Effekte geworden sind. Geiger Klaas Janzoons, das einzige Ur-Mitglied außer Barman, scheint damit nur bedingt d'accord: Ihm ist anzusehen, dass er sich so manches Mal die alten Sound-Exzesse herbeiwünscht. Und wenn man ehrlich ist, sind die Extreme immer noch das, was an dEUS am meisten reizt. Entsprechend werden gerade Balladen und Abgeh-Kracher vom Publikum in der gut gefüllten Georg-Elser Halle mit verzückten Schreien quittiert. Vom aktuellen Album funktionieren am besten die grandiose Single 'The Architect' und eben 'Smokers Reflect', das live von der Intensität her an Glanzstücke wie 'Right As Rain' oder 'Serpentine' heranreicht.
dEUS sind nach wie vor eine Band mit Songs, für die andere töten würden und wirken live in ihrem Indie-Granden-Auftreten ähnlich stilvoll gereift und zwingend wie die Größen Nick Cave oder die seligen Morphine. Doch jene ließen immer das Fünkchen Chaos hinein, das Barman etwas verkrampft zu unterdrücken versucht.
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