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The Brunettes

No chance against Tatort

05.05.2008, 16:29, Text: Christian Steinbrink

04.05.08, Köln, Studio 672
Eines ist deutlich, als an diesem Abend die Türen des Studio 672 reichlich verspätet aufgehen: Köln mag die Brunettes aus Neuseeland nicht so richtig. Noch nicht, vielleicht. Schließlich sind trotz eines lauen Sonntagabends 15 schlappe Figuren im Besucherraum ein Ergebnis am Rande der Bitterkeit. Und viel mehr werden es an diesem Abend auch nicht, da sie der ganze Zeitplan für das Konzert wegen Staus und ähnlichem auf den Autobahnen zwischen Dänemark und Köln schon reichlich verschoben hat.


Das ist schade und sicher auch demotivierend für eine Band, die in ihrem Heimatland als Liebling und Trendsetter gilt (Zitat einer Neuseeland-Reisenden: "In Auckland ist es fast schon ein geflügeltes Wort, wenn die Leute sagen, dass Band xy nur versuchen würde, so zu klingen wie die Brunettes") und sich zudem mitten in einer zehrenden Welttournee befindet. Sänger Jonathan Bree scherzt jedenfalls darüber, dass die Band gerne in ihren Bühnenoutfits aufgetreten wäre, das aber nicht mehr hinkriegen würde, weil sich kaum noch saubere Teile in ihrem Gepäck befänden.

Als die Brunettes sich dann doch noch ziemlich beeilt und die Bühne betreten haben, stehen gerade dreimal so viele Leute vor wie auf ihr. Denn das eigentlich gemischte Duo ist für diese Tour zum Quintett aufgestockt worden, und das macht das Arrangement des Abends noch eine Spur bitterer. Die Neuseeländer sind sichtlich enttäuscht, zwingen sich aber zur Professionalität und werden letztendlich dafür belohnt. Denn die Anwesenden freuen sich an dem mal tanzbar eingängigen, dann wieder vertrackten und umfassend instrumentierten Sixties-Pop, sie mögen die hektischen Instrumentenwechsel und ihre teilweise gar slapstickartige Bedienung, vor allem von Heather Mansfield, die heute doch noch ein schickes Retrokleid aus ihrem Koffer gefischt hat und ganz in weiß eine Erscheinung ist, die für das verschlafene Studio 672 zwar reizvoll, aber wohl doch etwas overdressed ist.

Die Brunettes haben für diese Tour wirklich alle Register gezogen und eine Unmenge von Blasinstrumenten und Keyboards mitgebracht, sie generieren fast alle der Sounds ihres umfassend arrangierten Albums "Structure & Cosmetics" live und finden einen guten Mittelweg zwischen vollem Wohlklang und schlanker Eingängigkeit. Das dynamische "Brunettes Against Bubblegum Youth" ist eine erste Marke, danach haben sich sowohl Band als auch Zuschauer eingegroovt, zwar nicht enthusiastisch, aber doch angenehm und ausdauernd. Die Band spielt fast alle Stücke der neuen Platte, dazu noch ein paar alte und ein Cover, es könnte "Dearest" von Buddy Holly gewesen sein. Um die Stimmung etwas anzukurbeln, veranstalten die Brunettes einen typisch neuseeländischen Tanzwettbewerb und prämieren sogar eine verdiente Gewinnerin.

Das alles ist so entspannt, nett und anregend, dass der leere Zuschauerraum gar nicht mehr groß auffällt. Höchstens noch am Ende, als der Merchandiseverkauf zu einem lockeren gemeinsamen Abhängen wird. Trotzdem - beim nächsten Besuch der Band dürfen es ein paar Besucher mehr sein. Denn es ist sicher, dass die Brunettes noch vielen anderen Connaisseuren lieblicher, neckischer und zitathafter Popmusik gefallen sollten.



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