Polarkreis 18 live
Bohrmaschine unplugged
31.03.2008, 13:37, Text:
Christian Steinbrink, Foto: Christian Werthschulte
29.03.08, Dortmund, Konzerthaus.
Das Prinzip "unplugged" ist angewendet auf Pop- und Rockkonzerte nun auch schon über 15 Jahre alt. Trotzdem scheint es Bands, die gemeinhin ihre Konzerte elektrisch verstärkt zu spielen pflegen, immer noch Reiz und gerne angenommene Herausforderung zu bieten. Im Rahmen des Pop Abos des Dortmunder Konzerthauses bieten die Verantwortlichen aufgeschlossenen Bands schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit, diese außergewöhnlichen Vorbereitungen in einem lohnenswerten Rahmen umzusetzen. Nicht immer trauen sich die Bands an diese Herausforderung heran, und gerade im aktuellen Fall der Dresdener Newcomer Polarkreis 18 muss die Umstellung angesichts ihres voluminösen Debütalbums besonders groß gewesen sein.
Denn wo sonst meterdicke Schichten aus Gitarren- und Synthie-Sounds aufeinander liegen, muss dieses Mal der reine Klang unverstärkter Instrumente ausreichen. Tatsächlich haben sich die sechs Dresdener alle Mühe gegeben und nicht nur ihre Stücke umarrangiert, sondern auch pfiffige Wege gefunden, das Stromverbot galant und irgendwie doch noch gemäß der Richtlinien zu umgehen. Aber dazu später mehr.
Als Sänger Felix pünktlich und allein auf die Bühne kommt, um solo am Piano den Abend zu eröffnen, verfestigen sich gleich mehrere vorher schon erahnte Eindrücke über Polarkreis 18: Das ist keine normale deutsche Indieband. Und, daraus resultierend: Besonders vertraut sollten sie ihren Zuhörern dadurch zumindest in diesem Kontext nicht sein. Für mich als zerfurchten Altpunk ist dieser "Vom Winde verweht"-Klimax aus Stimme und Klavier nur schwer zu ertragen. Was bei Maxi Hecker in meinen Ohren noch artifiziell/überkandidelt und daher ansprechend klang, lässt hier das sprichwörtliche Meer aus Geigen hinter dem inneren Ohr sägen. Gut, dass kurz darauf der Rest der Band einschreitet und sich dem Park aus teils wundersamen Instrumenten hingibt.
Der Schlagzeuger beginnt mit einer Art selbstgebautem Windrad, das so ungeölt und kreischend nach 'Spiel mir das Lied vom Tod' klingt, dass sich die geübten Klassikkonzertbesucher die Ohren zuhalten müssen. Und das ist nur der glorreiche Anfang. Denn es ist nicht so, dass die Band nicht auch von einem Erfahrungsschatz aus außergewöhnlichen Konzertsituationen profitieren könnte. In ihren weißen Oberhemden wirken sie wie ein junges Theaterensemble, die Lichtshow ist zu einem variablen Schattenspiel verdichtet, der Hintergrund dafür mit weißem Leinen abgehängt. All das atmosphärisch perfekt, dramaturgisch klug und gekonnt, unwirklich gut für eine junge Band, so wie auch schon ihr Album erschien.
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