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Portishead live

Tied To The Nineties

20.03.2008, 18:36, Text: Arne Sattler, Foto: Arne Sattler
[3 Kommentare]

19.03.08, Berlin, Sendesaal des DDR-Rundfunks

Wir sitzen auf historischem Boden, gleich mehrfach: der ehemalige Sendesaal des DDR-Rundfunks im äußersten Osten der Hauptstadt ist vermutlich einer der letzten Orte, wo die Relikte sozialistischer Funktionsarchitektur noch ihren ehrlichen 50er Jahre Geist ausschicken dürfen. Nachdem uns ein historisch versierter Security-Mitarbeiter noch begeistert darauf hinweist, dass sich das Parkett bis 1945 in der ehemaligen Reichskanzlei befand, nehmen wir etwas eingeschüchtert Platz auf einem Stufencarré, in dessen Zentrum in wenigen Minuten Portishead ihr erstes Liveset in Europa zum dritten Album 'Third' geben werden.


A propos Security: auf jeden der etwa 250 Journalisten, Medienvertreter und auserwählten Fans kommen hier gefühlte 0.1 Aufpasser, die jeden Griff nach dem Fotohandy bereits durch Gedankenkontrolle verhindern. Auf Wunsch der Band werden die alten Natriumdampflampen an der Decke auf volle Leistung gefahren; nichts bleibt so im Verborgenen - von 4 Seiten seziert das Auditorium, wo das Portishead-Universum 11 Jahre nach 'Portishead' angekommen ist.

Der Anfang macht gleich deutlich, dass hier keine perfekte Show abgeliefert werden wird; man fühlt sich vielmehr live in den Proberaum der Band versetzt, deren Maschinerie noch nicht rund läuft: da der Abend fürs Radio mitgeschnitten wird, müssen zahlreiche Songs mehrmals abgebrochen und neu angenickt werden; doch dieses Stakato scheint weder die Band, noch das Publikum wirklich zu beunruhigen - das das Setting eher als Experimentierfeld wahrnimmt, innerhalb dessen Portishead bemüht ist, seine Position zu bestimmen; ein Flow indes, kommt so nicht zustande. Musikalisch oft von kalten Industrial-Beats dominiert, die einen analog getrommelten 4/4-Takt immer wieder überlagern, wirkt Beth Gibbons Stimme noch fragiler, wirken ihre Zeilen ("Did you know what I lost? Did you know what I wanted?") noch hoffnungsloser als hoffnungslos.


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  • User: omg
  • omg 22.03.2008 | 12:39:18

    Vor 15 Jahren war Bristol der Nabel der Popwelt und Portishead die Mutter des Triphop. Nach ewiger Pause ist die Band jetzt zurück, um die Menschheit vor sich selbst zu retten

    Wo wart ihr?
    Geoff Barrow: Ich war auf der Suche nach der -Liebe! Meine Songs brauchen Liebe, Verlangen, Leidenschaft. All das hatte ich zwischenzeitlich verloren, komplett. Wenn jemand seinen Job auf Autopilot machen kann: von mir aus. Aber ich muss Liebe spüren. Als wir die neuen Songs aufnahmen, stimmte mein Gefühl endlich wieder.

    Klingt tragisch.
    Das war es auch! Ich habe durch das Touren meine Ehe ruiniert, irgendwann hatte ich nichts mehr. Ich bin geschieden, Adrian übrigens auch. Der ganze Musikzirkus hat mich depressiv gemacht. Es war ein schleichender Prozess. Ich hatte eine zehnjährige Beziehung. Da steckst du eine Trennung nicht mal eben weg. Irgendwann hatte ich dann wieder so etwas wie soziale Kontakte und habe ein häusliches Leben entdeckt. Inzwischen habe ich eine neue Beziehung und bin Vater geworden, das hat meine Perspektive verändert. Vor drei, vier Jahren, habe ich durch kleinere Projekte die Musik langsam wieder lieben gelernt.

    Die Clubszene von Bristol hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Wie hat sie sich aus deiner Sicht als Produzent, Labelchef und DJ in den vergangenen Jahren entwickelt?
    Die Clubszene ist heute für reiche Studenten-kinder gemacht – ziemlich ätzend und langweilig. Es gibt nur noch wenige interessante Clubs und die auch nur noch auf dem Underground-Level.

    interview

  • User: omg
  • omg 24.03.2008 | 22:33:53

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