
Gisbert zu Knyphausen live
Dein bester Freund
14.01.2008, 12:35, Text:
Anna Wiesemann, Foto: Dennis Williamson
[2 Kommentare]
12.01.08, Münster, Amp.
Ein kalter Januartag im westfälischen Münster. Im Nieselregen protzt das Roncalli Zirkuszelt, die Menschen stehen Schlange vor dem Kassenwagen. Ein Mann in der dritten Reihe des St.-Paulus-Doms sitzend, betet andächtig. Im Café Prütt gibt es nur noch einen freien Tisch. Es ist voll und laut. \"Manchmal glaube ich, dass ich zu langsam bin, für all die Dinge, die um mich herum geschehen. Doch all die Menschen, die ich wirklich, wirklich gerne mag, die sind genauso außer Atem wie ich...\", summe ich in Gedanken. Jaja.
Das Amp, Ort des Auftritts von Gisbert zu Knyphausen an diesem Abend, liegt versteckt in einer Gegend, in der man eigentlich nur noch alte Lagerhäuser oder stillstehende Fabrikanlagen erwartet.
Gisbert hat gerade den Soundcheck beendet, als ich dort ankomme. 60er-Jahre-Stofftapete mit Blümchenmuster, jede Menge alte Sofas und mitten auf der kleinen Bühne der probende Herr Hund, der auch an diesem Abend spielen wird. Auf einem der Sofas, in einer Nische des Clubs, unterhalte ich mich mit Gisbert über die Musik, das Glück daran und die Kunst darin. Ich frage Gisbert, wie ein Lied bei ihm entsteht. Er sagt, das Schreiben der Texte sei oft ein harter Kampf. \"Da freu' ich mich sehr, wenn mir eine gute Zeile eingefallen ist. Wenn das Lied immer runder wird.\"
Auf meine Frage, was ihn an dem was er tut eigentlich glücklich macht, antwortet er \"Das Unterwegssein ... immer wieder neue Leute kennen zu lernen. Auf der Bühne zu stehen, etwas zu singen und zu merken, dass das Stück jemanden berührt hat. Das macht mich glücklich, oder sagen wir mal, das macht mir Freude. Glück ist so ein großes Wort.\"
Im Amp wird es langsam richtig voll. Dicht an dicht stehen wir vor der kleinen Bühne. Mein Freund Dominick sagt \"Das ist hier was für Frottierer\" und lacht. Gisbert spielt an diesem Abend mit Band. Mit Band - das heißt, mit Gunnar Ennen an den Tasten, Jens Fricke an der Gitarre, Sebastian Deufel am Schlagzeug und Frenzy Suhr am Bass. Die fünf wirken eingespielt, vertraut und sie rocken. Auf der Bühne wirkt Gisbert auf herrlich unspektakuläre Weise spektakulär, erzählt Geschichten, die vielleicht nicht jeder auszudrücken vermag, die aber jeder kennt und nachvollziehen kann. Erzählt diese singend, manchmal leise, manchmal laut schreiend, und immer so, als wollte er nicht Geschichten erzählen, sondern einfach gute Musik machen.
Auf einem Gisbert-zu-Knyphausen-Konzert könnte man getrost mit dem Rücken zur Band stehen und das Publikum betrachten. Die Menschen dabei beobachten, wie sie den Rhythmus aufsaugen und hier und da anfangen zu schmunzeln, weil sie zuhören und sich wiederfinden. Dieser Mann da auf der Bühne ist einfach einer, den man als Freund haben will und das wird er auch, zumindest für den Abend.
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Gerd Rubenbauer 16.01.2008 | 01:51:40
Sehr schöner Bericht.
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