St. Vincent live

Zu Gebrauchen? Wofür?

05.12.2007, 12:02, Text: Mick Schulz

02.12.2007, Köln, Gebäude 9.

Schon ein etwas eigenartiges Billing: Windmill und St. Vincent. Von ersteren habe ich nur gehört, weil mir ihre Platte bei Platten vor Gericht letztens am besten gefallen hat. St. Vincent waren letztes Jahr Vorband für Sufjan Stevens. Den immerhin kenne ich, St. Vincent selbst aber - noch nie gehört. Kein Wunder also, dass das Gebäude 9 ziemlich verlassen aussieht.


Windmill haben von Anfang an das Problem, das sich den ganzen Abend hindurch ziehen wird, es springt einfach nichts über. Auch wenn das Publikum schön leise ist und über Matthew Dillons Witze lacht, es bleibt wenig mehr als Höflichkeit. Die gespannte Aufmerksamkeit, die manch andere Songwriter live erzeugen, entsteht nicht. Wäre die Bude voll gewesen, so wage ich zu propezeihen, wäre es auch nicht so höflich still geblieben. Es mag daran liegen, dass Dillon sonst mit Begleitband unterwegs ist, und heute in der extravaganten Besetzung Piano mit Schlagzeugbegleitung auf der Bühne steht. Oder es liegt an seiner guten Laune, die sich immer wieder durch leicht ins Infantile spielende Witze Bahn bricht. Oder vielleicht an seiner Stimme. Auf dem Album ist sie sehr schön in den Gesamtsound gebettet, an diesem Abend im Gebäude ist sie aber so weit in den Vordergrund und dermaßen quäkend schrill abgemischt, dass es stellenweise sogar schmerzt. Schade, denn es hätte ein tolles Set sein können, all die Songs vom Album haben sie gespielt und dazu eine rührende Version von 'Start A War' von The National.

Danach St. Vincent, deren Musik nicht mehr als ein Vehikel für Virtuosität zu sein scheint. Jeder Song ein Ausflug in mindestens zwei neue musikalische Genres, an Sonic Youth angelehnter Noise geht in Samba über, der Refrain klingt nach Billie Holiday und immer so weiter. Selbst garagiger Blues wird touchiert. Kein Genre wird ausgespart, solange Annie Clark ihr Können mit Stimme und Gitarre unter Beweis stellen kann, das einzige, was noch gefehlt hätte, wäre ein John-Fahey-Cover mit Gesang dazu gewesen. Insgesamt wirkt sie wie ein Wunderkind, das vor lauter Talent nicht genug Erfahrung für richtige Songs mitbringt. Und so unterstelle ich auch mal, dass all die Herren mittleren und gehobenen Alters, aus denen sich das Publikum zum Großteil zusammensetzt, hier sind und glänzende Augen haben, weil sie sich wünschten, das Wunderkind wäre ihre Tochter.



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