Dogs live

Dogs and Drugs and Rock and Roll

21.11.2007, 11:50, Text: Daniel Koch

19.11.2007 Lido, Berlin.

Johnny Cooke ist eher der Typ derrangierter Frontmann. Wackeligen Schrittes, die linke Handspitze in die Röhrenjeanstaschen gesteckt, betritt er die Bühne und schlürrt ein Wort ins Mikro, dass ungefähr nach \\\\"Cheers!\\\\" klingt. In seiner Rechten hat er einen durchsichtigen Plastikbecher, der eine goldenen Flüssigkeit enthält. Sicher kein Kamillentee. Mit all den kaputten britischen Drugstars vor Augen befürchtet man für einen Moment das Schlimmste. Aber dann legt die Band los und alles ist gut.

Die Dogs mögen in dem Ruf stehen, gestandene Feiersäue zu sein, und es kommt wohl nicht von ungefähr, dass die nicht so gute Berliner Vorband \\\\"Viel Spaß mit den Drugs!\\\\" wünscht, aber der Fünfer aus London hat seinen Laden im Griff. Selbst Johnny Cooke, der es bei der herrlich hingerotzten Single 'This Stone Is A Bullet' noch schafft, nicht einen Tropfen zu verschütten. Was aber wohl auch seiner minimalistischen Performance geschuldet ist, die fast Gallagher-like darin besteht, mit dem Fuß zu wippen, hie und da das Standmikro in die Hand zu nehmen und sich immer wieder mal einen Schellenkranz an den Kopf zu hauen. Dafür sitzen die Songs, und davon haben die Dogs auf ihren zwei Alben einige gute vorzuweisen – die leider nie das Airplay erreichten, dass sie verdient hätten. Gut, ihr Sound ist nicht neu, klingt nach einer versoffen Ausgabe von The Jam (was übrigens auch Papa Weller meint) aber es macht – gerade und vor allem live – ungemein Spaß.


Was auch der kleine aber muntere Moshpit meint. Besonders bei 'London Bridge' springen alle auf den treibenden Bass an, und diejenigen, die es schon geschafft haben, vor dem Konzert genügend breit zu werden, finden sich lautstark in Johnnys Zeilen wieder: 'I went and burnt my bridges at the weekend / and now theres nothing left but another week to end / And a sick and sunken soul in a drunken body like mine / From London bridge I swim east along the tide.' Gibt's was Passenderes an einem Sonntagabend im Lido? Nope. Auch wenn's in diesem Fall nicht die London sonder die Oberbaum Bridge ist. Mit diesem Tempo geht's eine gute Stunde durch zwei Alben, und man wird irgendwie das Gefühl nicht los, dass die Dogs größer sein sollten, als sie sind. 'Selfish Ways', 'Dirty Little Shop', 'Tarred And Feathered', 'Chained To No One', 'Tuned To A Different Station' – allesamt dermaßen rau und catchy, dass sie in jede Indiedisse passen, wenn's mal wilder werden soll. Und dann der letzte freundliche Arschtritt im Zugabenteil: 'She’s Got A Reason'. Die Band schrubbt die Saiten und alle gröhlen diese ach so wahren Zeilen: 'I liked her better when she liked me as well!' Also, man kann das ja mal so ganz platt sagen: Steckt euch die Dirty Pretty Dingsbums, Blablashambles und vor allem diese Vollspacken von Razorlight sonst wo hin – die Dogs sind die authentischere, günstigere und vor allem bessere Variante. Auch wenn sie nicht so schnuckelig aussehen …



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