David Lynch in Köln

Fackelzug für ein unbesiegbares Deutschland

19.11.2007, 16:00, Text: Heiko Behr
[2 Kommentare]

15.11.07, Köln, Hörsaal der WiSo.

Der amerikanische Regisseur David Lynch hat im Laufe seiner Karriere zahllose düstere Bilder im kollektiven Unbewussten versenkt: das Mutantenbaby aus 'Eraserhead', der geifernde Dennis Hopper mit Sauerstoffmaske in 'Blue Velvet', der tänzelnde Kleinwüchsige aus 'Twin Peaks'. Alptraumhafte, surreale Bilder, die sich der Konsensbildermaschinerie Hollywoods entzogen.


Etwaigen Deutungsversuchen verweigerte sich Lynch jedoch stets konsequent, jegliche Botschaft sprach er seinen Filmen ab. Erst in den letzten Jahren gewährte er in Interviews einen Einblick in seinen Schaffensprozess: er meditiere, die Bilder kämen aus seinem Unterbewusstsein, er vertraue dieser Technik nun seit über 30 Jahren, sie diene ihm der Inspiration. Soweit so gut.

Nun hat sich der Mann mit der flamboyanten Künstlermähne jedoch offensichtlich aufgemacht, um den Rest der Welt von den Vorteilen dieser \"Transzendentale Meditation\" (TM) zu überzeugen, die auf den Lehren eines obskuren indischen Gurus namens Maharishi Mahesh Yogi basiert. Was in den 60er Jahren die Beatles für immerhin ein dreiviertel Jahr fesselte, lässt Lynch offenbar nicht mehr los. Nein, es scheint sogar ein Missionierungsgedanke in ihm zu lodern: Im vergangenen Jahr gründete er die David-Lynch-Stiftung für bewusstseinsbezogene Bildung und Weltfrieden, am Donnerstag machte er Station in der Kölner Uni, um für eine Universität des Unbesiegbaren Deutschland zu werben, in der Entspannungsübungen mit in den Lehrplan integriert werden sollen.

Mit flatternden Handbewegungen erzählte er von einem \"Ozean der Energie\", den man anzapfen könne, von dem \"Knäuel der inneren Zerrissenheit\", das man entwirren könne mit Hilfe einfacher Techniken. Die Energie von 1000 meditierenden Studenten reiche aus, um ganz Deutschland \"unbesiegbar\" zu machen. Immer wieder wies er auf \"wissenschaftliche Studien\" hin, die seine Ausführungen angeblich stützten. Seine Begleiter, unter ihnen der als \"gekröntes Oberhaupt Deutschlands\" eingeführte \"Raja Emanuel\", nickten eifrig, die Zuhörerschaft, die ihn zunächst wie einen Popstar gefeiert hatte, wirkte irritiert bis amüsiert: \"Werden wir dann Ihre Filme besser verstehen können?\"


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  • stinka 20.11.2007 | 12:22:07

    in Berlin hat dieser "Raja" sehr viel vom "Unbesiegbaren Deutschland" geschwafelt und das Publikum diese 2 Worte 3 mal nachsprechen lassen. Mit "unbesiegbar" meinte er (auf Nachfrage) "unbesiegbar gegen fremde Einflüsse".
    Beim Hinweis, sowas habe doch bereits Hitler gewollt, kam die Antwort: "Aber leider hat er es nicht geschafft."

    Nachzuhören hier:
    http://davidlrattigan.blogspot.com/2007/11/lynch-loses-it-germans-go-nuts.html

    (Lynch hat sich inzwischen vom Hitlervergleich distanziert: "I don't want to have anything to do with Hitler. We all know he was not a good person who did terrible things.")

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