
Kaiser Chiefs live
Hauptsache gewonnen
06.11.2007, 11:14, Text:
Peter Flore
05.11.07, Köln, E-Werk.
Um das böse Wort gleich zu Beginn fallen zu lassen, dann ist Ruhe: Bierzelt-Indie. Zu den Kaiser Chiefs geht man nur (noch), um zu gröhlen und zu saufen und weil gerade kein Fußballspiel im Fernsehen läuft. Heute läuft zwar eins, aber am Zweitliga-Topspiel wird es nicht gelegen haben, dass das neuerliche Gastspiel der Leeds-Truppe vom geräumigen Palladium ins etwas kleinere E-Werk verlegt werden musste. 2005 wäre das undenkbar gewesen, aber mei: Wir haben halt 2007, zwei Jahre Halbwertszeit, mehr kann man nicht verlangen.
Ganz so schlimm ist es freilich nicht, aber man mag sich einbilden, dass die Euphorie mal größer war und es nicht erst einer Anlaufzeit von ein paar Songs bedurfte, bis der Laden kochte. 'Everything Is Average Nowadays' lautet dann auch der Startschuss des Abends, gefolgt von 'Everyday I Love You Less And Less'. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Ricky Wilson ist bereits merklich angeschlagen, seine heisere Stimme krächzt ein paar Mal \"Cologne!\" und \"Wir sind Kaiser Chiefs\", beides wird bejubelt und man kann beileibe nicht behaupten, seine Band hätte in den vergangenen zwei Jahren keine Hits geschrieben.
Das Gegenteil ist der Fall: Der Abend gestaltet sich als eine Art Best-Of, was man zweifellos auch hätte, wenn man einfach beide Alben hintereinander wegspielen würde, zumindest aber das Debüt 'Employment' und dann noch ein paar Mal 'Ruby'. Letzteres gibt es natürlich nur einmal, neben 'Oh My God' ist es der erwartete Abräumer des Abends.
Um nicht missverstanden zu werden: Es ist nicht schwer, hier Spaß zu haben. Die nächste Hookline kommt bestimmt innerhalb einer halben Minute, dann kommt ein langgezogenes \"Ooooooh\", dann ein \"Nanananana\", you name it. Nur wer sich von vornherein der Feierlaune verschließt wird keine gute Zeit haben. Und der Vorwurf, man hätte das ja jetzt alles schon ein paar Mal gehört und gesehen, ist billig - wer einen Wellness-Salat haben will, darf auch nicht in den Bahnhofsimbiss gehen. Es ist ein Fastfood-Event, toll wenn man mal einfach ungezwungen ein bisschen klatschen und springen will. Nur Narren können das per se schlecht finden, eine Offenbarung ist es im Gegenzug natürlich auch nicht.
Ein Arbeitssieg, würde man im Fußball sagen. Und: Hauptsache gewonnen.
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