Sigur Rós unplugged

+ Heima-Preview

23.10.2007, 14:00, Text: Christoph Dorner, Daniel Koch, Foto: Joachim Zimmermann

21.10.2007 Berlin, Admiralspalast

Schon vor dem Durchgang zum Innenhof staut sich die Menge, von da an schieben sich breite Zuschauerschlangen durch zwei Eingänge in das Foyer des edlen Admiralspalastes. Das \\\"Sold Out\\\"-Schild steht vorsorglich schon auf dem Bürgersteig. Daran lehnt eine junge Frau mit traurigen Augen, die das seufzende \\\"Habt IHR noch einen Karte über?\\\" gar nicht mehr hätte sagen müssen. Man wundert sich fast ein wenig über die ganze Aufregung, denn – nüchtern betrachtet – wird doch heute nur ein Tourfilm einer isländischen Band gezeigt, der in zwei Wochen sowieso regulär im Handel zu bekommen ist.


Aber bei der Band handelt es sich immerhin um die fast kultisch verehrten Sigur Rós, bei denen man schon von vornherein mehr erwartet, als einen \\\"gewöhnlichen\\\" Tourfilm. Zudem ist die große Theaterhalle des Admiralspalasts mit seinem samtroten Sesseln, den stuckverzierten Balkonen und dem gigantischen Kronleuchter eine Location, die einen mit ihrer Feierlichkeit leicht um den Finger wickeln kann.

Aber der Hauptgrund für die Menschenmassen sind natürlich Sigur Rós selbst. Denn: Die Band ist anwesend und wird ein exklusives Akustik-Set spielen, bevor 'Heima' (hier geht's zum Trailer) schließlich gezeigt wird. Die Ansage ist dabei klar und deutlich: drei Songs unplugged. Mehr gibt's nicht. Das wurde schon im Vorfeld kommuniziert und erklärt auch den günstigen Ticketpreis von 15 Euro im Vorverkauf. Der Abend ist in Deutschland einzigartig – und Teil einer kleinen, sehr spontan bekannt gegebenen 'Heima'-Welttournee.

Sigur Rós pfeifen wie gewohnt auf sämtliche Erwartungshaltungen. Mit der ihnen eigenen Schüchternheit schuffeln sie mit gesenkten Köpfen auf die karge, ungeschmückte Bühne. Sänger Jón Þór \\\"Jónsi\\\" Birgisson sagt fast entschuldigend: \\\"We only play three songs. Then the movie starts.\\\" Klar, für sie ist der Film der Star des Abends. Das Unplugged-Set beginnt mit dem Titelsong ihres zweiten Albums 'Ágætis Byrjun'. Die akustische Version verlässt sich in erster Linie auf die hypnotische Wirkung von Jonsis Gesang und den mit ruhiger Hand gewobenen Pianoteppich von Kjartan Sveinsson. Das Raunen und Rauschen im Admiralspalast verstummt schon mit dem ersten Saitenzupfen – noch quatschende werden rüde zum \\\"Schnauze halten!“ verdonnert.

Zweiter Song ist das neue 'Heima', bei dem die von Georg Hólm gespielte akustische Bassgitarre den roten Melodiefaden vorgibt, während Jonsi in sich wiederholenden Gesangsschleifen um die Worte \\\"soul\\\", \\\"drown\\\" und \\\"save\\\" kreist. Die Zeile \\\"Save it on the soul\\\" könnte man fast als Refrain ausmachen. Oder hat man sich verhört, und ist doch wieder Jonsis Nonsens-Sprache aufgesessen? Zwischen den Songs bleibt nur ein kleines Zeitfenster für den begeisterten Jubel. Nur ein paar Sekunden, dann wird weitergespielt. Der dritte und – wie alle schmerzhaft zu spüren scheinen – letzte Song ist vom '()'-Album. 'Untitled #4' oder auch 'Njósnavélin' wird von Orri Páll Dýrasons sanften Drumschlägen angeleitet und hellt sich im ersten Drittel plötzlich völlig unpeinlich in einem wunderschönen Pianosolo auf. Tja, und dann ist’s auch schon zu Ende. Der Saal tobt für ein paar Sekunden, das Bühnenlicht geht aus, der Projektor an – und schon ist man im Film.


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Ein ranghohes Redaktionsmitglied meinte zu Sigur Rós: "Das Thema ist doch durch." Ist das so?





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