Intro Intim Köln

Wohltuende Ohrenschmerzen

18.10.2007, 19:00, Text: Manuel Czauderna
[2 Kommentare]

17.10.07 Köln, Gebäude 9

Das war's dann wohl. Ein feuchtkalter Nieselregen färbte ganz Köln am frühen Vorabend grau ein und zeugte vom Ende des Sommers. Ja, und? Stört mich das? Natürlich nicht. Denn mit dem Ende des Sommer kehrt unser heiß geliebtes Intro Intim zurück. Da verzichte ich gerne auf den warmen Kakao vorm heimischen Fernseher - schließlich wartet Alec Empire mit einer wilden Elektro-Noise-Orgie. Aber zunächst zum Anfang.


Als um neun SDNMT die Bühne betreten, haben sich die grauen Wolken längst verzogen. Von Beginn an ist klar, dass es die sympathischen Berliner nicht leicht haben werden. Klar, für ihr aktuelles Album haben sie neben ihren Vokalen und einem \\\\"T\\\\" im Bandnamen auch einiges an musikalischem Ballast abgeworfen. Trotzdem lebt ihre Musik nach wie vor von diesen ergreifenden Spannungsbögen, die wir von Bands wie Mogwai und Sigur Rós kennen und lieben. Und diese Geduld und Einfühlungsvermögen erfordernden Spannungsbögen passen nun mal gar nicht zu dem aggressiven Digital-Hau-Drauf-Hardcore von Alec Empire, wegen dem viele an diesem Abend gekommen sind.

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So spielen SDNMT ihr Set vor einem recht gemütlichen, dafür aber auserwähltem Publikum - und müssen sich dabei vor gar nichts verstecken. Denn nicht nur lautstärketechnisch können sie locker mit dem eigentlichen Headliner mithalten. Das gesamte Set lebt von einer Magie, die nur wenige Bands zu erzeugen vermögen; nicht wenige des erlesenen Publikums werden sie deshalb später zu den heimlichen Gewinnern des Abends zählen. Und so bedankt sich die fünfköpfige Band auf der irgendwie viel zu klein wirkenden Bühne eine dreiviertel Stunde später nach einer kleinen Krachorgie höflich für die Einladung der INTRO. Danke. Das können wir nur herzlich erwidern.

Nach einer kurzen Pause folgen dann die Jungs von der Experimental Popband - oder vielleicht besser formuliert: die Herren von der Experimental Pop Band. Schließlich sind die Bandmitglieder nicht mehr die Jüngsten. Um dies auszugleichen haben sie via Videoprojektion ein paar junge Tänzerinnen mitgebracht. Und ebenfalls im Gepäck: Ihr neues Album 'Tinsel Stars'. Zwar wird es später einen scheinbar geistig verwirrten Konzertgast geben, der sie mit Fools Garden vergleichen wird, nichtsdestotrotz liefern die so sympathisch uncool aussehenden Herren aus Bristol ein sehr schönes Set ab, das neben Songs aus dem aktuellen Album auch ältere Hits wie das äußerst lässige 'Bang Bang You're Dead' enthält.

Dann ist es aber auch Zeit für den eigentlichen Star des Abends. Alec Empire, der frühere Frontmann der Atari Teenage Riot. Was soll man zu ihm noch groß sagen? In Japan hat er schon vor 20.000 Menschen gespielt. Dagegen mutet der kleine Mikrokosmos des Gebäude 9 schon nahezu lächerlich an. Ihn scheint das aber nicht zu stören. Alec Empire beherrscht die ganz großen Posen auch im intimen Rahmen; egal ob er die Faust in die Höhe ballt, die Arme zum X verschränkt, mit wilden Luftsprüngen und robotermäßigen Dancebewegungen aufwartet oder sich, als ob er am Kreuz hinge, den Mikrofonständer jesusgleich über die Schultern klemmt: Da vorne steht jemand, dem diese Posen im Blut liegen - und bei dem sie im Gegensatz zu vielen anderen überhaupt nicht lächerlich wirken.

Musikalisch liefern er und seine Hellish Vortex das ab, was man von ihnen erwartet: Viel Krach, kreischendes Gebrüll und hämmernde Beats. Als Laie mag da schon mal der eine Song wie der andere klingen. Aber das ist bei Alec Empires Auftritten ja nicht entscheidend. Entscheidend ist diese wahnsinnige Energie, die er fast ohne Pause vom ersten bis zum letzten Stück transportiert. Mit einer extremen Körperlichkeit. Heutzutage ist man es gewöhnt, dass auf der Bühne nur dünnärmige Indiebleichgesichter gelangweilt herumstehen. Hier im Gebäude 9 performt aber ein muskulöser Alec Empire; der Fanblock in der ersten Reihe übt sich im wilden Stagediving. Ok, eigentlich sind Stagediver für mich immer so etwas wie die Klassenfeinde gewesen. In diesen körperlichen Kontext gehören sie aber zwingend dazu. Alec Empires Musik ist eben hundert Prozent physisch: Die Ohren schmerzen und die Beats durchdringen den gesamten Körper. Und das ist gut so. Besser als jeder warme Kakao, trotz Schmerzen.



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  • Mehrteurer 19.10.2007 | 01:40:19
    Hitschlampe
    Ich hör nichts mehr, aber es war sehr schön (frisch heimgekehrt aus der Maria).

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