
Broken Social Scene live
Alles geht, nichts muss
15.10.2007, 17:00, Text:
Christian Steinbrink
12.10.07, Köln, Prime Club.
Immer wieder Prime Club. Ist die Broken Social Scene nicht mittlerweile groß genug, Tausenderläden oder wenigstens das Gebäude 9 zu füllen? Vielleicht wäre letzteres sogar möglich, trotz der für mich zu hintersinnigen und für corporate identity sicher nicht förderlichen Namensänderung in 'BSS presents: Kevin Drew' anlässlich des neuen Albums. Aber ins Gebäude 9 wollen sie nach einem Intro Intim, das eigentlich voll schön war, nicht wieder. Warum? Das weiß wohl nur die Band selbst. Dann eben in den Prime Club, obwohl auch dort die Besucherzahlen von Broken Social Scene-Gigs nicht höher steigen. Was allerdings angesichts der Brillanz dieser Band vollkommen unverständlich ist.
Vielleicht liegt es daran, dass man hier, auf Kölns Hauptausgehmeile, immer mit anschließend stattfindenden Studi- oder Gothic-Partys rechnen muss. Auch diesen Freitag, und so kommt es, dass sich Gentleman Reg als Support schon um kurz vor acht auf der Bühne wieder findet. Von seinen eher schwachbrüstigen Stücken, allein vorgetragen und mit elektrischer Gitarre selbst begleitet, nehmen allerdings nur die ersten Reihen Notiz. Und als kurz vor Ende Kevin Drew und Brendan Canning auf die Bühne kommen, um ihrem kanadischen Kumpel und Ex-Hidden Cameras-Mitglied an Schlagzeug und Gitarre etwas unter die Arme zu greifen, wirkt das ein bisschen so, als würden die Stars kommen, um ihrem unscheinbaren Freund ein wenig Fame und Aufmerksamkeit zu beschaffen. Was nett gemeint ist, aber leider auch nicht so richtig funktioniert.
Als die Band von Kevin Drew, wie auch immer sie sich jetzt nennen mag, dann pünktlich um halb neun die Bühne betritt, ist der ohnehin nicht besonders große Club nicht mal voll. Das war im Dezember 2005, als Broken Social Scene mit The Most Serene Republic auf Tour waren und am Ende des Konzertes auch noch Cans Damo Suzuki aus dem Hut zauberten, noch anders gewesen. Aber die Kanadier scheinen den nächsten Popularitätsschritt irgendwie verpasst zu haben, ehemalige Supportbands wie Stars sind an ihnen in Sachen Publikumszuspruch vorbeigezogen. Und das ist bitter ungerecht.
Der Band selbst scheint das zumindest auf den ersten Blick nicht besonders viel auszumachen. Sie sind dieses Mal nur zu sechst erschienen, hauptsächlich alte Hasen, typische Rockbesetzung ohne Bläser, Streicher oder weibliche Stimmen, die Essenz aus den Big Band-Auftritten der letzten Jahre. Wenn man überhaupt davon sprechen möchte, dass sich BSSp:KD im Vergleich zur Ursprungsformation verändert haben, könnte man sagen, dass sie auf Platte wie auch live etwas weniger eruptiv klingen, stoischer, mehr nach Krautrock und Psychedelik.
So wirkt jedenfalls die erste, fast ausschließlich mit Stücken des neuen Albums bestrittene Dreiviertelstunde des Konzertes, die das Publikum kölntypisch gebannt, aber ohne größere Beifallsbekundungen verfolgt. BSS müssten das zwar kennen, sind sich ob des Wohlwollens ihrer Zuhörer aber nicht völlig sicher und versuchen es mit trockener Plauderei, der Frage nach deutschen Übersetzungen und einer Charmeoffensive. Als auch das nicht so richtig fruchtet, legen sie den Schalter um: Drew murmelt knapp \\\"this is my favorite song\\\" und kippt umstandslos den gesamten Charakter des bisherigen Sets mit einer einfachen Coverversion, 'The Wagon' von Dinosaur Jr.'s-'Green Mind'-Album. Ihre Version gleicht dem Original, ist dank der drei auf der Bühne versammelten Gitarren aber noch gewaltiger, zwingender und schlichtweg großartig.
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