
Kilians live
So wie einst Mando Diao
12.10.2007, 16:00, Text:
Thomas Bläsen
10.11.2007, Köln, Underground
Manchmal ist es einfach gut sich noch wundern zu können. Oder besser gesagt sich noch wundern zu dürfen. Zunächst mal aber gibt es das zu Erwartende: Fans von Bands wie The Strokes, Mando Diao, The Vines oder den Arctic Monkeys werden bei einem Konzert der Kilians mit leidenschaftlicher Rockmusik beglückt, die wie ein Panoptikum der genannten Bands wirkt. So weit, so gut, so hinreichend für aufstrebende Gitarren- Newcomer.
Die neuesten Thees Uhlmann-Buddies nehmen die um sie herrschende Euphorie gerne auf und geizen dabei nicht mit juvenilem Selbstbewusstsein. Es muss bereits nach dem dritten Song gewesen sein, als Simon de Hartog sichtlich stolz auf ein Konzert vor drei Jahren an selber Stelle verweist: \\"Vor drei Jahren war ich im Underground, als Mando Diao gespielt haben- da war auch nicht mehr los als heute!\\" Chapeau!
Überhaupt der Sänger: de Hartog besitzt eine unglaubliche Stimme, die angenehm roh und kraftvoll daherkommt. Er redet und flachst gerne und erstaunlich viel zwischen den einzelnen Stücken und begeistert und amüsiert damit das Publikum. Die Schar der größtenteils jungen Fans (etwa 150 Jungs und Mädels im geschätzten Mischverhältnis von 50:50) der Dinslakener bedarf jedoch in Erwartung der energetischen Songs nicht mehr viel Anfeuerung durch den überzeugenden Sänger. Aufgrund ihrer bereits überraschend großen Live- Erfahrung (support von Tomte, The Cooper Temple Clause und Sugarplum Fairy) und höchstwahrscheinlich begünstigt durch Alkohol wissen die Jungs in dem kleinen, aber feinen Club eine starke und wuchtige Performance darzubieten.
Ein erstaunlich starker Auftritt gelingt auch der Vorband des Abends, Replico. Als das Quintett aus Koblenz pünktlich um 20:45 mit ihrem 30minütigem Set beginnt, raunzen hinter mir sitzende Leute: \\"Wieso stehen denn jetzt alle auf- es ist doch bloß die Vorband!\\". Doch um 21:15 Uhr stehen die Nörgler ebenfalls und spenden Replico den hochverdienten Applaus.
Während des Konzerts der Kilians sehe ich dann den Sänger, gehe zu ihm und spreche ihn an: \\"Ihr seid aber auch nicht älter als 20, oder?\\" Er schaut mich an und sagt: \\"Ich bin erst 17!\\" Was geht, Alter, schreie ich ihm entgegen. Das kann doch gar nicht sein! Die gesamte Band ist zwischen 17 und 18 Jahren alt und verfügt schon über ein reifes Songwriting. Auch hier besticht der Sänger durch seine Stimme, die immerhin bereits volljährige Bassistin durch ihr Charisma und die gesamte Band durch ihren fetten Sound. Ich sage ihm noch, dass mich seine Stimme an Muse oder gar Mars Volta erinnert, woraufhin er erwidert: \\"Mein Vorbild ist der Sänger von den Sneaker Pimps und IAMX, Chris Corner.\\"
Extrem verwundert verabschiede ich mich und genieße die Zugaben der Kilians. Und die halten zum Schlusspunkt eine weitere Überrasching bereit: Eine Coverversion des bereits etwas angestaubten Jugendfreizeit-Hits 'Sunday Bloody Sunday' von U2. Kurzzeitig frage ich mich: Darf man das? Was soll das? Als ich aber Simon de Hartogs Interpretation des Stücks vernehme und ich plötzlich eine Gänsehaut davon bekomme, dann sind all diese Fragen wie weggeblasen. Ja, man darf. Unter Umständen.
Fotostrecke:Kilians
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