
Feist live
Die endlose Weite der großen Hallen
09.10.2007, 11:00, Text:
Christian Steinbrink
[4 Kommentare]
05.10.07 Köln, E-Werk
Jetzt hat es Feist also auch in Deutschland geschafft. Albumrelease mit viel Promotionsaufwand, Werbejingle für den Elektronikkonzern, große Hallen fast ganz voll. \\"Das war ja klar\\", sagen die alten Fans, die schon immer wussten, um was für eine von Talent beseelte Sängerin mit nie verhehlter Massenambition es sich bei ihr handelt. Niemand spricht davon, dass Feist jetzt etwas \\"für den Mainstream\\" gemacht habe, dass ihre Kunst dadurch weniger bedeutungsvoll geraten sei. Das sei passiert, weil sie schlicht und \\"einfach gut\\" ist.
Weil sie eine faszinierende Persönlichkeit mit einer herzzerreißenden Stimme ist, die die richtigen Fähigkeiten ausspielt und zur Kompensation der fehlenden die richtigen Leute kennt. Nur eines sei halt schade: Dass die Konzerte nicht mehr so intim sind wie am Anfang, als die Fans im Stadtgarten oder beim S.O.M.A. in Köln wunderschöne Stunden mit der kanadischen Kosmopolitin verbrachten. Jetzt also E-Werk, und nicht die geringste Aussicht auf Runterverlegung. Etwas anderes, an das man sich bei solch steilen Karrieren gewöhnen muss, sind die deutlich pünktlicheren Anfangszeiten.
Dementsprechend muss man schon verdammt früh an der Konzerthallenmeile in Mülheim sein, um den Support Bob Wiseman nicht zu verpassen. Der war selbst noch etwas verwirrt von der Toureinladung Feists und konnte so die Venues der gemeinsamen Gigs auf seiner Myspace-Seite nur als \\"something BIG\\" oder \\"something real big\\" bezeichnen. Und das, obwohl er ein alter Profi ist, der schon auf Dutzenden von namhaften Veröffentlichungen mittat und eine so kunterbunte Diskographie besitzt, dass man auf einen neuen Paradiesvogel der kanadischen Popmusik mit durchaus ansehnlicher Verweigerungshaltung gefasst sein musste. Leider, und dieses Mal wirklich leider, verpasse ich ihn.
Als dann aber um kurz nach neun das Licht angeht und Feist die Bühne betritt, bin ich an meinem Platz. Wollen wir doch mal sehen, ob es nicht wenigstens diese Künstlerin schafft, ihren Glanz auch über 80 zusätzliche Besucherreihen auszustrahlen. Über der Bühne des E-Werks hängen ein paar Lichterketten, eigentlich sieht das nicht besonders effektvoll aus, aber gerade dieses vermeintlich improvisierte Ambiente soll sich im weiteren Verlauf des Konzertes als sehr angenehm und schlicht elegant herausstellen. Feist spielt die etwas rumpelige Ouvertüre \\"When I Was A Young Girl\\", danach mit \\"So Sorry\\" und \\"My Moon My Man\\" die ersten ihrer mittlerweile recht zahlreichen Hits. Danach ist eigentlich schon klar, wie das Konzert verlaufen und wie es enden wird. Hinter der Kanadierin steht eine oft wechselnde Anzahl von Musikern, die ihre Stücke so dezent unterfüttern, wie es auch auf ihren Platten geschieht. Immer wieder gehen sie von der Bühne, und Feist führt ihre Stücke solo auf, sich selbst auf der Akustikgitarre begleitend. Das ist wunderschön, das kann sie gut, man kennt das von früheren Konzerten, es klingt sanft, leise - ein bisschen zu leise.
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lerchgut 09.10.2007 | 16:04:54
We've gone too far?
Hm, das ist so nicht ganz richtig...
Sie hat (leider) Lover's Spit nicht gespielt, sondern einen neuen Broken Social Scene Song vom neuen Album, der
Titel ist mir leider entfallen...
die_immergute 09.10.2007 | 21:41:07
Bei uns in München wars "Fucked Up Kid". Vielleicht wars das bei euch ja auch. ;-)
Stimmt schon, große Hallen sind nicht so das wahre.
Der Sound war dafür perfekt.
Ich selbst scheine in einer "guten Ecke" gestanden zu haben. Zumindest bei Feist wurde in meiner Nähe nicht gequatscht oder dergleichen (leider nicht bei Bob Wiseman).
Christian Steinbrink 09.10.2007 | 22:44:44
Die guten Militanten
das ist absolut richtig. fehler meinerseits. entschuldigung...
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