Herman Dune live

Melodieselige Spielfreude

08.10.2007, 17:00, Text: Johannes Mihram
[2 Kommentare]

Herman Dune - bei dem Namen bekommt man doch gleich Lust auf Urlaub, und wenn es nur für einen Abend ist. Am Freitag war es soweit, die Indie-Institution lud ins Kölner Gebäude 9. Den Begriff Institution darf man nach acht Alben wohl verwenden. Und trotzdem wurde ich im Vorfeld immer wieder gefragt, wer denn dieser Herman Dune sei, worauf ich ein ums andere Mal die Geschichte der angeblichen Familienmitglieder umriss, die mit Nachnamen alle Herman Dune heißen wollen. Die Legende besagt, dass die \\"Brüder\\" André und David-Ivar, die beide zu gleichen Teilen Songs für die Band schreiben und singen, in Schweden aufgewachsen und dann nach Paris ausgewandert sind. Dort trafen sie auf ihren Schweizer \\"Cousin\\" Neman, der sich ihnen sogleich als Drummer anschloss. Für einzelne Produktionen tauchten auch immer mal \\"Schwestern\\" als Gastsängerinnen auf. Pünktlich zum endlich einsetzenden ersten Erfolg der Band mit dem aktuellen Album 'Giant' ist André nach den Aufnahmen aus der Band ausgestiegen und macht nun alleine unter dem Namen Stanley Brinks weiter. Ein Vertrag mit einem Major-Label und eine Produktion in Stereo statt Mono konnte er wohl nicht mit sich vereinbaren.


Würde die Band diesen Aderlass verkraften oder auf der Bühne eine große Wunde klaffen? Zwischen dieser Frage und ihrer Beantwortung steht an diesem Abend der Support von Turner Cody, der sich zunächst allein mit seiner akustischen Gitarre auf die Bühne begibt. Abseits elektronischer Klänge ist die Gitarre neben dem Klavier bis heute das Instrument, mit dem ein Musiker am ehesten alleine bestehen kann. Auf jeder Oberstufenfahrt gibt es den Moment, an dem jemand am Lagerfeuer die Klampfe auspackt und 'Lady In Black’ spielt, und wer sich derart instrumental bewaffnet auf die Bühne begibt, sollte ein paar qualitative Stufen darüber stehen. Turner Cody ist an diesem Abend nicht dazu im Stande. Da ist keine Zeile, die hängen bleibt, keine Melodie, die man eine Minute später noch pfeifen könnte. Wie ein Klassenclown kann er zwar für die amüsanten Ansagen zwischen den Songs das Publikum für sich gewinnen, sobald er jedoch wieder in die Saiten greift, steigt der Geräuschpegel im Zuschauerraum. Daran ändert sich auch nichts, als David-Ivar und Neman Herman Dune ihn gemeinsam mit Dr. Sean Berg, der abwechselnd Percussion und Trompete bedient, verstärken.

Nach einer kurzen Pause kommt das Quartett wieder auf die Bühne, nun mit Cody am Bass. Und schon mit den ersten Songs wird klar, dass André zumindest live keine Lücke hinterlassen hat. Beseelt singt der vollbärtige David seine Lieder über das Leben und die Liebe, das Gewinnen und Verlieren, führt lustige Tänze auf und posed mit seiner Gitarre. Doch Neman stiehlt ihm heute die Show, wie er so mit Hut hinter den Drums sitzt, um sein Leben spielt und dabei übers ganze Gesicht grinst. Und spätestens, als sie 'I Wish That I Could See You Soon’ spielen, diese großartige Hymne für alle Verliebten, die mir im letzten Winter bessere Dienste geleistet hat als jeder Heizkörper, sind auch mir die Mundwinkel an die Ohrläppchen getackert. Im Mittelpunkt des Konzerts stehen die Songs der letzten beiden Alben 'Not On Top’ und 'Giant’, dazwischen streut David immer wieder Lieder seines neuen Solowerks ‘Yava Tova II’ ein. Doch live sind die Songs neu arrangiert und die Band verleiht ihrer Spielfreude mit spontanen Jams Ausdruck, in denen sich die vier Musiker die Bälle zuspielen. Lauthals singt das Publikum Hymnen wie 'Good For Noone’ und 'I’d Rather Walk Than Run’ mit. Und wegrennen tut nach zwei Zugaben tatsächlich niemand der Anwesenden. Vielmehr schlendert man melodieselig summend nach Hause und denkt nur \\"I wish that I could see you soon (again)\\".



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  • User: buzzybee
  • buzzybee 11.10.2007 | 13:31:16

    ich war zwar nicht beim kölner konzert, aber ich kann mir kaum vorstellen daß turner cody sich dort so verbogen hat, wie der autor seine assoziationskette beim anblick einer akustischen gitarre: oberstufenfahrt-lagerfeuer-klampfe-lady in black (=horror).
    ich hör da eher mississippi john hurt, leonard cohen, bob dylan, jonathan richman, hank williams etc. also eher amerikanisch klassisches aus der perspektive des new yorker sidewalk cafe, als uriah heep.
    hört doch mal...turner cody live bei sunday service (08.10. pt.1)

    link stream download

    ansonsten Link

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