Moneybrother live

Prince Charming der Indieszene

04.10.2007, 10:17, Text: Michael Noll

01.10.07, Köln, Prime Club.

Was hab ich mich gefreut: Moneybrother kommt in die Stadt. Heißt: neben einer feinen Melange aus Soul, Pop und Rock bekommt man auch wieder feinste Unterhaltung geboten. Ein Garant dafür: das sympathische Bühnentriumvirat bestehend aus Anders Wendin im Zusammenspiel mit seinem Saxophonisten Gustav Bendt und dem hünenhaften Schlagzeuger Magnus Henrikkson (Existensminimum) in Rockabilly-Klamotte und stilgleicher Frisur. Wie habe ich es geliebt zu sehen, wie seine Knie immer wieder hinter der Bassdrum hervorschnellten, um aber auch direkt wieder dort zu verschwinden, um den langen, wild fuchtelnden Armen bewaffnet mit den Drumsticks aus dem Wege zu hechten - ein Bild für die Götter, Muppet Animal lässt grüßen.


Um auch auf dieses Spektakel eine 1A-Sicht zu haben, muss man jedoch schon recht zeitig am und auch im ausverkauften Prime Club sein, was mir für meinen Teil nicht gelingt. Bei meinem Eintreffen ertönen gerade die letzten Töne der Vorband. Eine Meinung zu ihrer Musik kann und will ich mir darum nicht erlauben, aber da das pünktlichere Publikum nicht gerade euphorisch aber dennoch, nennen wir es \"angeregt\", klatscht, geh ich davon aus, dass sie sich das auch verdient haben.

Als ich mir dann endlich mein Plätzlein gesucht habe, geht's auch schon los:  Erst kommt die Band einer nach dem anderen auf de Bühne und dann der Prince Charming der Indieszene aka Anders Wendin himself. Mädels kreischen und sind verzückt, so dass man davon ausgehen könnte, dass der gute Mann auch am heutigen Abend keinerlei Problem damit haben sollte, ein easy girl zu finden, selbiges nannte er in einem Interview nämlich mal als eine der Annehmlichkeiten des Berühmtseins. Nun gut. All das interessiert mich aber erst mal gar nicht: Animal ist nicht dabei und somit scheint das Konzert, ohne dem neuen Mann an den Drums damit zu nahe treten zu wollen, schon mal um eine Attraktion ärmer.

Doch bereits nach dem ersten Einzählen und dem einstimmenden Rest der Band fällt es mir wieder wie Schuppen von den Augen: das amüsante Getrommel war nur ein nice to have, die unverkennbare Stimme und die fantastische Musik jederzeit allerdings ein absolut must. Außerdem stehen auf der Bühne ja auch immer noch 2 von 3 meiner Protagonisten, die sich in gewohnter Hochform die Gesangsparts und die Soli hin- und herspielen, so dass die Stimmung im Club gleich auf Temperatur gebracht wird und stetig weiter angeheizt wird. Spätestens bei den Hits beiden Vorgängeralben ist jeder am Mitsingen und bei 'It's Been Hurting All The Way With You, Joanna' sieht man sowohl frisch Verliebte glücklich Arm in Arm stehen sowie einsame Herzen, die sich mit melancholischem Blick an ihrem Bier festhalten.

\"Zugabe, Zugabe, Zugabe\" - es soll und wird nicht so schnell enden, denn auch die Band hat sichtlich Spaß an dem was sie macht und auch an der Reaktion, die sie dafür von den Menschen vor ihnen bekommen. Also denkt man nach jeden zu Ende gespielten Song: \"Nun ist Ende! Besser kann's nicht werden…. Nun ist...Doch noch eins? Geil!\" Schließlich muss aber alles einmal abgeschlossen werden und dies geschieht an diesem Abend mit einer wunderbar gefühlvoll rübergebrachten Ballade - von der Idee her nicht schlecht Herr Wendin: Erst heiß machen und die Leute dann am Ende wieder runterbringen, um sie in aller Ruhe und voller Verantwortungsbewusstsein für die am kommenden Tage anstehende Arbeit nach Hause zu schicken….ich für meinen Teil muss allerdings gestehen: Der Plan ist nicht aufgegangen.



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