Kommando Sonne-Nmilch live

Baum fällt

02.10.2007, 10:22, Text: Christian Steinbrink, Foto: Rainer Holz

29.09.07, Köln, Gebäude 9.

\\\"…Er: [unvermittelt zu mir] Und, wie findste die Platte?
Ich: [ohnehin bereits zermürbt] Äh ... sehr gut.
Er: Ich nicht so. Ich weiß ja nicht, ist schon wieder so 'ne Punk-Platte. Däng, däng, däng. Das läuft so durch. Fünf gute Stücke sind vielleicht drauf, aber der Rest hätte doch auch nicht notgetan, gab's alles schon mal. Aber ich hasse es halt auch, im Studio zu sein. Das zerrt mir so an den Nerven, will ich nur immer raus, soll schnell gehen….
\\\"

Wer da spricht, ist der gute Linus Volkmann, während seines Kampfes mit Kommando Sonne-Nmilch-Sänger Jens Rachut, dokumentiert für die INTRO-Ausgabe 152, dort auch nachzulesen. Und was da steht, ist schon sehr befremdlich, allerdings nicht so sehr, wenn man schon öfter mit Rachuts wüster Koketterie in Berührung gekommen ist. Er findet seine Platte also nicht gut, na gut, INTRO mag sie sehr und lässt sich auch nicht davon abhalten, die Livedarbietung dieses misslungenen Machwerks anzuschauen.


Im Gebäude 9 sind an diesem Abend die bewährten 300 Leute wieder da, um sich das neue hauptsächliche Rachut-Outfit nach dem Ende von Oma Hans anzusehen. Die gleichen 300 Leute, die auch schon kamen, als Oma Hans oder Dackelblut in der Stadt waren. Weitgehend alte Recken also, einen neuen Trend konnte auch das Kommando nicht auslösen.

Es dauert lange, bis sich im Konzertsaal etwas tut. Erst um kurz nach 22 Uhr kommt die Band endlich auf die Bühne, normale Punkrock-Besetzung, die Orgel des Ex-Mitgliedes Brezel Göring wurde endgültig zuhause gelassen. Ihrer guten Tradition folgend haben sich Rachut & Co. auch für diese Tour über Kostüme Gedanken gemacht. Die Fünf erscheinen einheitlich als Forstarbeiter, wobei besonders Rachuts mächtiger Schutzhelm mit Ohrenschützern wie Micky Maus-Ohren beeindruckt. Über diesem Ensemble hängt eine aufblasbare Motorsäge der Firma Stihl in Übergröße, die vor allem ein bescheidener Hinweis darauf zu sein scheint, wer denn nun Stil besitzt und wer eben nicht. Darauf baut auch den Running Gag des Abends auf, für den Sängerin Yvon Jansen auf eine unverständliche Anfeuerung Rachuts mit einem gebrüllten \\\"STIIIL\\\" antwortet.

Eine andere Frage klärt sich auch recht schnell: Kommando Sonne-Nmlich sind Kommando Sonne-Nmlich und eben nicht Oma Hans oder irgendeine der anderen Ex-Rachut-Formationen, Songs toter Bands gibt es hier nicht. Zumal das auch einen Stilbruch dargestellt hätte, denn Kommando Sonne-Nmlich-Shows sind auch 2007 kein reiner Punkrock-Hitmix. Viele der dargebotenen Stücke haben eine andere dramaturgische Struktur, sind eben nicht eine schnelle Sache aus Strophen und Refrain, sondern breiter, textlastiger, komplexer, nur eben mit den Mitteln des Punk. Deshalb merkt der Pogo-Mob vorne davon auch nicht viel, es bollert gewaltig und gewohnt, und das reicht den Tänzern.

Trotzdem will der Funke im weiteren Verlauf des Konzertes nicht so richtig zünden, er entfacht jedenfalls nicht ein derart loderndes Feuer wie bei den letzten Oma Hans-Shows. Die ganze Band kommt trotz der tollen Stücke von allen drei KS-Alben nur schwerlich aus dem Quark, Yvon Jansen steht die meiste Zeit mit den Händen in den Taschen ihrer Latzhose in der Ecke, und erst ganz am Ende, als die Band nach einer Dreiviertelstunde die Bühne schon verlassen will, bekommt das pfeifende Publikum von einem so genervten wie geschwächten Rachut die unappetitlich direkte Erklärung dafür: Ein Virus, der ihn gerade verlassen hat und jetzt bei Jansen und Gitarrist Andreas angekommen ist. Danach und nach zwei abschließenden Nummern ist dann wirklich Schluss, auch die Besucher, die gerne mehr gehört hätten, zeigen Verständnis. Ende eines Konzertes, das zwar gut war, den gewohnten Rachut-Standard aber krankheitsbedingt nicht erreichen konnte.



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