Intro Intim Popkomm Spezial

Trentemøller, Trentemøller, Trentemøller

25.09.2007, 17:30, Text: Daniel Koch, Foto: Arne Sattler
[5 Kommentare]

21.09.07 Berlin, Maria & Josef

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Eine Frau stürmt wutentbrannt zur Kasse, knallt ihr Ticket auf den Tisch.
\\"Wenn Trentemøller erst um 1 Uhr 30 spielt, muss da gefälligst das Datum von morgen drauf! Tschüss!\\" Faucht es und verschwindet in die Nacht. \\"Aber gute Frau, es gibt doch noch so viel zu sehen!\\", möchte man ihr hinterher rufen. Aber da ist sie schon weg. Es mag ja sein, dass der smarte Däne mit dem Sonderzeichen die Hauptattraktion des Intro Intim Popkomm Spezials gewesen ist, aber wer diesen verschwitzt-verrauchten Abend auf Trentemøllers Performance runterbricht, der tut ihm unrecht. Also dem Abend - nicht Trentemøller. Schon die Voraussetzungen waren günstig, denn auch auf dem zweiten Intim kamen erfreulich viele, die mit der Messe so gar nichts am Hut hatten. Das war schon am Abend zuvor beim Intim mit Jahcoozi, Kano und den Sick Girls im Festsaal Kreuzberg aufgefallen. Ein guter Anhaltspunkt: Die Menge hängt nicht lässig kontaktend und zu laut redend an der Theke herum, sondern ist ernsthaft in Bewegung.

Stillstehen war generell nicht möglich und nötig. Permanent wurde man gezwungen, sich von der Maria zum Josef und zurück zu schieben. Die Clubgeschwister in der Nähe des Ostbahnhofs buhlten mit der Frozen North Recordings Posse um Jussi-Pekka auf der einen Seite (Josef) und Warren Suicide, Jake The Rapper, Op:l Bastards und Trentemøller (Maria) auf der anderen Seite um die Gäste. Wer clever war, ließ sich irgendwann einfach treiben. So konnte man sich ab 22 Uhr im Josef von nordischkühlen Minimalbeats den Kopf massieren lassen, um sich nur wenige Sekunden später im Maria von Warren Suicide einen sexy Schlag in die Fresse abzuholen. Sängerin und Keyboarderin Cherie und vor allem Sänger Nackt deklinierten zum bollerigen Electroclash mit Bratzgitarren sämtliche Rockposen durch und zuckten auch beim Blockflöteneinsatz nicht mit der Wimper. Am Ende der Show ließen sie einen Dreitagebart-Cheerleader (siehe Foto) auflaufen, der sich eine Packung Kunstblut aus der (hoffentlich mit Kunstkot) vollgekackten Unterhose zog, um sie sich in Kreuzigungspose auf die Brust zu spucken.

Jake The Rapper ging seinen Auftritt gesitteter an und entkrampfte die noch ein wenig geschockte Crowd. 'Less Talking More Dancing' forderte er im gleichnamigen Song, nur um Minuten später beides zusammenzuführen. Denn Rappen kann er natürlich auch - am besten auf selbstgefriemelten Laptopbeats. Danach wieder ein Abstecher ins Josef, wo sich die Klangfarbe der finnischen Electrosounds ein wenig erhellt hatte und die Tanzfläche überqoll. Finnisch wurde es auch auf der Maria-Bühne mit den Op:l Bastards, die nach fast siebenjähriger Abstinenz wieder gemeinsam unterwegs sind. Allerdings nur noch als Duo, was ihrem treibenden Heimcomputer-Elektrosound aber nicht die Kraft nahm. Vielleicht ließ man sich auch ein wenig vom wehenden Federkranz des Indianerkostüms am Keyboard blenden.

Aber man kann die anderen Künstler noch so loben: Gegen Trentemøller hatte niemand eine Chance. Und das lag nicht an seiner früheren Tourmuffeligkeit, die der Däne erst mit dem Entdecken seiner Mitmusiker überwunden hat, sondern einfach mal an seiner ganz eigenen Technointerpretation - und einer Live-Umsetzung, die alle Sinne in Beschlag nahm. Zu wunderbar flirrenden Visuals, die selbst ohne Musik funktioniert hätten, führte Trentemøller das Publikum durch die nebligen Trampelfade seines Meisterwerks 'The Last Resort' und schickte sie zwischendurch immer wieder in den Ravehimmel. Bassist/Gitarrist Mikael Simpson und Drummer Henrik Vibskov waren dabei eine kongeniale Ergänzung. Anders Trentemøller hatte schon am Nachmittag in einem Interview auf der Popkomm (kann man sich hier unter \\"Interviews\\" anschauen: www.popkommtv.com) verraten, dass er die Leute in seinen \\"mellow tracks\\" wie 'Miss You' schwelgen lassen wollte, um sich dann mit einem \\"rave climax\\" und wehenden Armen zu verabschieden. Genauso war es dann auch: Für zehn Minuten sah man die gesamte Maria im blauen Flackerlicht durchdrehen - und dann: Schluss. Stille. Ein dezentes Abschiedswinken, und Trentemøller war weg. Am Ende war es dann also doch so: Wen man auch fragte, wie der Abend war, alle sagten kaum mehr als diesen dänischen Namen mit dem Sonderzeichen: \\"Trentemøller, Trentemøller, Trentemøller\\". Als wären all die anderen Acts nicht passiert. Das ist sicher schade, aber im Angesicht dieses Auftritts auch irgendwie menschlich. Und wer weiß, vielleicht lässt ja die Amnesie nach, wenn die Euphorie gewichen ist - das hat bei dem Autor dieser Zeilen ja auch geklappt.



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  • Mehrteurer 25.09.2007 | 18:26:44
    Hitschlampe
    Mensch Daniel... Du hast Saint Pauli und die special spontane Guest-Appearance von DJ Major Taylor (The Jai-Alai Savant) ganz vergessen.

    war ein großartiger Abend.

    Jensus (der Cheerboy von Warren Suicide) war der Oberknaller. Was haben wir alle gelacht.

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 25.09.2007 | 18:41:45

    Mensch Hendrik, das kann bei dieser Reizüberflutung (und nach drei Tagen popkomm) auch mal passieren... Die Reisegruppe Fischer habe ich ja auch vergessen und Dillons und deine Sets und die Frozen North Jungs habe ich auch zu ungebührend abgehandelt, ich weiß, ich weiß - aber das sollte ja kein Roman werden ...

  • Mehrteurer 25.09.2007 | 21:39:25
    Hitschlampe
    upps... das sollte kei leerposting werde ;-)

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