Malajube live

'Did that sound alright for you?'

12.09.2007, 11:00, Text: Philipp Jedicke

11.09.2007, Köln, Studio 672

Mit einem Augenzwinkern kündigt Keyboarder Thomas an, dass er und seine Band "some sweet lovin' songs" spielen werden. Eine gewagte Verniedlichung für den eklektischen Wall Of Sound, den Malajube kurz darauf dem Publikum - einer Mischung aus recht jungen Frauen und ziemlich alten Männern - im Studio 672 um die Ohren hauen. Nach einem kurzen Intro stellt er grinsend die Frage: "Did that sound alright for you?"

Was rhetorisch gemeint ist, ist leider vollkommen berechtigt, denn der Sound bleibt das große Fragezeichen des Abends. Die Musik der fünf Kanadier lebt zu einem großen Teil von ihren krassen Gegensätzen: Gewaltige Progrock-Parts, die sich mit zartem Jingle-Jangle abwechseln, chorale Ausbrüche neben den eher gehauchten als gesungenen Lyrics von Sänger Julien. Diese gehen aber leider vollkommen unter in einem Brei, in dem sich noch am ehesten Schlagzeug und Gitarre ausmachen lassen. Die irren Schreie von Thomas, die nicht nur mich beim Haldern-Festival begeistert haben und die auch schon Kollege Steinbrink in seiner Dortmunder Nachlese vermisste, kommen wieder nicht durch. Sind Malajube tatsächlich nicht für die kleinen Clubs gemacht? Soundmäßig kann man das getrost verneinen.


Für die kleinen Schuppen spricht allerdings - neben dem leider noch viel zu niedrigen Bekanntheitsgrad der Band - ihre äußerst minimalistische "Show": Fünf zottelig-verpeilte Jungs aus Montréal, die sich scheinbar einen Dreck um die schmachtenden Damen in der ersten Reihe scheren und stattdessen ihr Muckertum ausleben. Bestes Beispiel ist Sänger Julien, der die Hälfte seines Gesichts unter einer schwarzen Ski-Mütze verbirgt, die ihm immer wieder bis zur Nasenspitze herunterrutscht, was er aber gar nicht wahrnimmt, da er sowieso die ganze Zeit die Augen geschlossen hält. Seinen schlumpfigen Look unterstreicht er durch das Tragen einer beigen Hochwasser-Hose und zwanghaft zuckendes Gebaren, das selbst dem Sänger der Thrills zu kauzig wäre. Seine Ansagen nuschelt er mit leicht sarkastischem Unterton ins Mikro - ob sie jemand hört, ist ihm vollkommen wurscht. Der Rest der Band beschränkt sich auf entrücktes In-die-Saiten/Tasten/Felle-hauen. Bis auf den eingangs erwähnten Thomas, der als einziger immer wieder den Kontakt zum Publikum sucht und verhindert, dass man der Band auch einfach im Proberaum zugucken könnte und genau so viel davon hätte.

Aber das spleenige Verhalten kommt super an: Die Band wird begeistert empfangen und noch begeisterter entlassen. Zwei Zugaben werden eingefordert, und als Malajube das letzte Mal die Bühne erklimmen, haben sie obenrum nichts mehr an. Also doch noch was für die erste Reihe. Und was ist jetzt mit dem miesen Sound? Es ist einfach so: Man freut sich dermaßen über die geniale, angenehm untrendige Musik dieser schrulligen Kanadier, dass man über das verwaschene Klangbild einfach hinwegsieht. Also dann, à la prochaine, les mecs!



Artikel kommentieren
  • Share/Bookmark   Auf StudiVZ teilen.
  • drucken Drucken
  • Artikel weiterempfehlen Versenden
 
  • Mehr Infos

  •  
Malajube
Alle Artikel von Philipp Jedicke
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 

Pro & Contra: Gorillaz

Pro & Contra: Gorillaz

Spalter: Das neue Gorillaz-Album zwischen gut und schlecht. [...mehr].

 
  • NEUE TICKETS

  •  
 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.