
c/o pop 2007
Geklöppelt, nicht geklotzt
22.08.2007, 14:00, Text:
arno raffeiner
15. bis 19.08.07 - Köln, diverse Locations
Glowstick knicken. Bühne stürmen. Stagediven. Diese wilde Party-Klimax entspricht vielleicht nicht unbedingt den Erwartungen an ein gepflegtes Festival für elektronische Popkultur, doch genau so ging es am vergangenen Wochenende beim c/o pop Festival in Köln ab - wenn man denn Stufe eins dieser Klimax erst mal überwunden hatte: Schlange stehen. Denn das war bei den fünf Festivaltagen am Rhein immer wieder eine Pflichtübung vor den wichtigsten Konzerten. Gerade die Tatsache, dass sich manche BesucherInnen vor den Clubs die Beine in den Bauch standen und unter Umständen selbst mit Karten keinen Einlass mehr fanden, ist ein Beleg für den Erfolg des Festivals.
Das Gedränge hatte wohl damit zu tun, dass die c/o pop im vierten Jahr ihres Bestehens das bisher rundeste Festivalprogramm zu bieten hatte. Wirkliche Superstars waren im Line-Up nicht zu finden, dafür aber durchweg tolle Acts an der Schwelle zwischen Pop, Elektronik und dem großen Durchbruch. Es wurde sozusagen geklöppelt, nicht geklotzt. Dabei brauchte für dieses Klöppeln gar nicht erst mehr oder in Köln auch gerne mal weniger feinstofflicher Techno bemüht werden. Das hatte John Stanier, die Fleisch gewordene Drum Machine, fast noch besser drauf. Mit seiner Band Battles verpasste er dem Festival schon am Eröffnungsabend einen ersten Höhepunkt.
Neben 1001 DJs, Live Acts und auch Indie-Bands waren die sonstigen Sensationen ausnahmsweise mal weiblich: allen voran M.I.A. aus UK, bei der zum Finale die Bühne gestürmt wurde, und Ed-Banger-Elfe Uffie, bei der das Stagediven gar kein Ende nehmen wollte. Die Glowsticks im Publikum machten sich dabei im eher plüschigen Ambiente des Gloria Theaters ganz wunderbar, doch den großen Ansturm konnte der edle Konzertsaal leider nicht bewältigen. Viele mussten draußen bleiben. Noch mehr Andrang (und allerdings auch viel mehr Platz) gab es nur beim sonntäglichen Gute-Laune-Frühstück mit Sven Väth (Foto) im Jugendpark und bei der Kompakt-Nacht, der klassischen Abräumerveranstaltung schlechthin auf der c/o pop. Dass abgesehen von diesen offensichtlichen Highlights andere Veranstaltungen in anderen Locations leider immer wieder etwas mau besucht sind, kann als Nebenwirkung der besonderen c/o-pop-Gegebenheiten akzeptiert werden. Diese bittere Pille muss auf einem urbanen Festival, das sich nicht auf zwei öde Konzerthallen oder Clubs beschränken, sondern die halbe Stadt vereinnahmen will, eben geschluckt werden.
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