M.I.A. live

Ein Kessel Buntes

21.08.2007, 14:00, Text: Sebastian Ingenhoff, Foto: Marc Seebode
[3 Kommentare]

17.08.07 - Köln, Gloria.

Konzerte, die in einem Theater stattfinden sind meistens ungefähr so spannend wie eine Hausparty, bei der man sich am Eingang die Schuhe ausziehen muss. Also schon fast lächerlich unspannend. Die Besitzer des im Herzen Kölns gelegenen Miniaturpalastes und ehemaligen Theaters Gloria wussten das und haben sich konsequenterweise entschlossen, die Sitze aus dem Parkett herauszureißen, bevor sie anfingen in dem ehemaligen Hochkulturschuppen illustre Partys zu feiern.

Während der c/o Popmesse verwandelte sich das Theater dann sogar für zwei Tage in einen riesigen neonbunten NewRave-Kessel. Gestern haben hier noch Uffie und DJ Feadz den Saal zum Kochen gebracht und für eine fast Deichkind-artige Atmosphäre gesorgt. Am Ende standen dreißig Leute auf der Bühne und wollten tatsächlich wie in den allerschlimmsten Neunzigern stagediven. Auch heute gibt es wieder pinke Leggins, gelbe Sonnenbrillen und haarsträubende Frisuren en masse. Den Einheizer spielt das Berliner DJ-Team Sick Girls, das dem Anlass entsprechend mit einer kunstvollen Mischung aus Dubstep, Dancehall, Hip-Hop und Electro aufwartet. Vorne an wird schon euphorisch getanzt, auf dem Klo richten sich einige noch schnell das Haar, zupfen sich die grellen T-Shirts zurecht. Schließlich ist heute nicht irgendwer zu Gast. Sondern das britische It-Girl M.I.A., welches mit seiner aktuellen Platte 'Kala' sogar eben auf dem Cover dieses Magazins gelandet ist. Über 'Kala' wurde sich schon wochenlang die Köpfe heiß geredet. Eine Platte mit Timbaland! Wow. Der könnte bekanntlich sogar aus David Hasselhoff noch den heißesten Scheiß machen. Im Endeffekt ist es dann doch nur ein Song geworden mit Timbaland. Was der Platte überhaupt keinen Abbruch tut. Im Gegenteil. 'Kala' ist weder ein lascher Aufguss von 'Arular', noch klingt sie irgendwie nach Nelly Furtado. Obwohl M.I.A in Sachen Glamour letztere locker in die Tasche steckt, wie sie wenig später beweisen wird.


In einem golden glitzernden Oberteil und Leggins tanzt sie mit ihrer rankschlanken Begleitsängerin, deren unbedeckter muskulöser Bauch in seiner Waschbrettartigkeit meinem frappierend ähnelt, auf die Bühne. Schüsse ertönen vom Band, unterstreichen das kriegerische ihres tribalistischen Ausdruckstanzes. Die Show wirkt fast choreographiert, die Bewegungen der beiden bleiben stets synchron. Das Set bietet die erwartete Mischung aus alten und neuen Songs. Als zweites Stück gibt es gleich ihren allerersten Hit 'Sunshowers', den scheinbar jeder im Publikum lauthals mitsingen kann. 'Bucky Done Gun' lässt wenig später den ganzen Saal exaltiert mithüpfen. Immer wieder hält sie das Mikrophon in die Menge und klatscht Hände ab.

Das Konzert ist zweifelsohne ein Spektakel. Auch ich werde in flagranti von meinen Begleitern dabei ertappt, wie ich sehr verliebt auf die Bühne gucke. Herrje, gab's da eine Szene! Nach einer guten Dreiviertelstunde gibt es endlich die erhoffte Abkühlpause. DJ, Begleitsängerin und Maya verschwinden von der Bühne, nur um wenig später unter großem Gejohle wieder aufzutauchen. Hit heftet sich nun an Hit. Die Luft in dem prall gefüllten Saal wird immer dünner. Wie später zu erfahren war, mussten sogar noch Etliche, zum Teil auch solche mit Karten, draußen bleiben. Ein Problem, das auch an den beiden Abenden vorher schon aufgetaucht war. Gegen Ende gibt es dann mal wieder Versuche, die Bühne zu entern, auch wenn es nicht ganz so stürmisch zur Sache geht wie am Abend zuvor bei Uffie. Später ist dann auch noch die Kompakt Total8 und irgendwann, lass es Montag oder Dienstag gewesen sein, ging man dann doch noch ziemlich im Reinen mit sich und einer letztlich gelungenen c/o Pop ins Bett.

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  • User: streetpreacher
  • streetpreacher 21.08.2007 | 19:41:22

    das m.i.a.-publikum mit dem von uffie zu vergleichen ist irgendwie schon ne kleine beleidigung ;)

    die ganzen schrecklichen new-rave-kinder waren am freitag doch gar nicht da

  • tiefkultur 23.08.2007 | 23:29:04

    Na klar waren die New Rave Kinder wieder alle da. Und sie waren lustig anzuschauen. Und das Konzert war der Hammer!

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