
Haldern Pop 2007
Kein Grund zur Unruhe
06.08.2007, 13:35, Text:
Daniel Koch
Die Schweden Friska Viljor trafen das Spezielle am Haldern Pop ganz gut, als sie ihrem Publikum sagten: \\\\\\\\\\\\\\\\\"Wenn ihr unsere Platte noch nicht habt – und das wird so sein, da wir nicht so viel verkauft haben, wie hier stehen – dann könnt ihr das am Merchandise-Stand nachholen.\\\\\\\\\\\\\\\\\" Tatsächlich passiert es auf dem Haldern immer wieder, dass Geheimtipps oder Acts, die noch nie durch Deutschland getourt sind, vor einer Publikumsmenge spielen, die sie so früh in ihrer Karriere nicht oft sehen werden. Aber das gute Händchen für frische Acts war auch in diesem Jahr nicht das Problem der Organisatoren. Mit Grand Island, Kate Nash, den Maccabees, Patrick Watson und Ghosts konnte man da gleich mehrere Volltreffer verbuchen. Vielmehr wurde im Vorfeld darüber diskutiert, ob das Festival denn \\\\\\\\\\\\\\\\\"einen Headliner\\\\\\\\\\\\\\\\\" hätte. Für die Slots, die in diese Kategorie fallen, waren am Freitag die Waterboys und Spiritualized mit ihrer Acoustic-Mainlines-Show gebucht. Am Samstag dann die Shout Out Louds und Jan Delay mit Disko No. 1. Auch die Veranstalter spürten wohl einen gewissen Rechtfertigungsdruck. Im Magazin zum Festival nutzte Pressesprecher Wolfgang Linneweber das gelegentliche Gemoser als charmanten Texteinstieg für eine kleine Hymne auf das, was in Haldern mit den Jahren geschaffen wurde.
Überall das kann man sich heute nur noch am Kopf kratzen, zumindest wenn man das vergangene Wochenende auf dem Reitplatz zu Rees verbracht hat. Da wurde bei perfektem Festivalwetter weder gemosert noch geflucht, keiner der auftretenden Acts musste vor leeren Reihen spielen, und selbst die Leute, die vorher gesagt hatten, sie kämen eher der Freunde wegen, wurden nachher überwiegend auf dem Festivalgelände erwischt. Zudem war es fast ausverkauft, nur ein paar Karten lagen noch an der Tageskasse. Kein Grund zur Unruhe also. Das Haldern hat seine Nische, und es sich dort gemütlich gemacht.
Die anfangs bereits erwähnten Friska Viljor galten übrigens für viele als Tagessieger des Samstags, obwohl sie schon um kurz vor drei spielten. Aber die Qualität des versoffenen Folkpops hat sich inzwischen wohl herumgesprochen. Auch Architecture In Helsinki brachte ziemlich viel Leben auf die Hauptbühne, was leider an dem etwas tanzfaulen Publikum verpuffte. Nachdem Loney, Dear alias Emil Svanängen punktgenau die Stimmung eines melancholischen Sommerabends traf, wurde es bei den Indie-Darlings der Shout Out Louds (Foto) so richtig voll. Deren kleine Pophymnen schmecken zwar immer nach Gute-Laune-Cure, machen es einem aber nicht leicht, sich dagegen zu wehren. Dass ausgerechnet Jan Delay dann das Publikum am besten zum Hüpfen brachte, hatte wohl keiner gedacht. Aber der Mann ist einfach ein sauguter Entertainer, wenn er nicht gerade taz-Interviews gibt. Manch eine Indietolle ertappte sich dann doch wohl dabei, 'Vergiftet', 'Klar' und vor allem 'Eine kleine B-Seite' klasse zu finden.
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