Berlin-Festival 2007

Die gefühlte Premiere

30.07.2007, 20:00, Text: Daniel Koch
[5 Kommentare]

Es fühlte sich an wie eine Premiere – und das obwohl das Berlin-Festival bereits zum dritten Mal an den Start ging. Aber in diesem Jahr war alles anders, alles näher, alles größer. Zunächst einmal ist der oft kritisierte Etikettenschwindel behoben: Das Festival fand nicht mehr in Paaren (Gliem) vor Berlin statt, sondern im Poststadion Mitte in der Nähe des Hauptbahnhofs. Fünf Minuten Fußweg vom HBF, zentraler geht nun wirklich nicht. Damit ist man dem lauffaulen Mitte-Publikum rund 45 km entgegengekommen. Genau hier lag nämlich das Hauptproblem der Veranstaltung, die zwar immer ein Top Line-Up hatte, aber selten mehr als 300 Besucher. Auch Veranstalter Conny Opper, der mit dem Club Rio Berliner Nachtlebengeschichte geschrieben hat, kam im Interview mit dem Stadtmagazin Tip zu diesem Schluss: \\\\\\\\\\\\\"Der gemeine Berliner ist halt bequem und bleibt gerne mal in seinem Stadtteil […] Das Berlin Festival ist also in Berlin angekommen, und dort gehört es auch hin.\\\\\\\\\\\\\" So gesehen, war der erhoffte Publikumszuwachs um 1.000 % gar nicht mal so anmaßend.


Letzten Endes mögen es zwar nur 2.500 Besucher gewesen sein, die am frühen Freitagnachmittag bei schönstem Festivalwetter ins Poststadion kamen, aber die Veranstalter dürften trotzdem zufrieden sein. Die eine oder andere Technikpanne hätte man vielleicht vermeiden können, aber der Festivalfluss wurde dadurch nicht wirklich gestört. Und der war vor allen Dingen eines: Entspannt. Das Publikum verteilte sich fast zu gut auf der großen Rasenfläche und der etwas abgelegenen Vice-Stage. Die in der Sonne sitzenden Grüppchen ließen fast schon Umsonst&Draußen-Stimmung aufkommen – bloß mit dem Unterschied, dass das Publikum hier bedeutend schicker war. Vor der Vice-Stage dagegen hörte man schon mal Kommentare, dort sähe es aus, wie auf \\\\\\\\\\\\\"`nem Schulhof\\\\\\\\\\\\\", ein anderer fühlte sich \\\\\\\\\\\\\"wie auf’m Busbahnhof\\\\\\\\\\\\\". Dabei kam wohl keiner zu dem Schluss, dass der kleine Platz teil eines Freibades war, und es da nun mal so beschissen rot und grau gepflastert aussehen kann.

Der frühe Start am Freitag sorgte leider für leere Reihen bei den ersten Acts, was schade war, denn mit den Kölnern MIT und ihrem Kreischelectro hatte man eigentlich den passenden Festivalkickstart gebucht. So richtig gemütlich wurde es dann spätestens bei Erobiques Beatgeplucker, das er mit sanftem Grinsen von der Hauptbühne ins Grün schickte. Auch Midlake passten mit ihrer folkigen Popvariante gut zu Sonnenschein und Wiesenfläzen. Allerdings musste man feststellen, dass sie im Club mit ihren Videoprojektionen bedeutend intensiver wirken. Never mind the whistling – die vielerorts verhassten Peter, Bjorn And John spielten zwar auch mal wieder 'Young Folks', aber zum Beispiel ebenso 'Objects Of My Affection', was ein viel größerer Hit hätte werden können. Auf der Vice-Stage ballerten derweil Shitdisco recht unkoordiniert aus den Boxen und über die Bühne – aber das muss bei ihnen wohl so. Die Headlinerslots besetzten Tocotronic auf der Hauptbühne und Princess Superstar auf der Vice. Letztere war gar mit einer Rad schlagenden Tänzerin aufgelaufen und schaffte es, nach kurzer Aufwärmphase ähnliche Zuckungen im Publikum auszulösen. Tocotronics 'Kapitulation'-Siegeszug ging auf der Mainstage ungebremst weiter. Kein Wunder, spielten sie doch fast das selbe Set, dass sich schon auf dem Melt! bewährt hatte plus der gewohnt hochnäsig-verschwurbelten Zwischenansagen.

Allerdings zeigten diese beiden letzten Auftritte die Probleme der neuen Location auf. Sie mussten um Punkt 22 Uhr beendet sein. Manch einer monierte (wie auch hier im Forum) da: \\\\\\\\\\\\\"Tolles Festival. Nur leider zu leise.\\\\\\\\\\\\\" Andere klagten: \\\\\\\\\\\\\"Jetzt ist’s endlich dunkel und ich komm’ so richtig in Festivalstimmung – und dann ist schon Schicht!\\\\\\\\\\\\\". Tja, leider – sonst hätte es Mecker von den Anwohnern gegeben. Allerdings berichteten mehrere Augen- und Ohrenzeuge am nächsten Morgen, dass die After-Festival-Party im Tape-Club mit DJ Mehdi und DJ Supermarkt legendär gewesen sein soll und leider um fünf Uhr per Stromausfall beendet wurde.

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  • Mehrteurer 30.07.2007 | 21:01:34
    Hitschlampe
    "MIT BINDESTRICH" höhö, da haste ja bei Boris gut was gelernt.

  • User: jupame
  • jupame 30.07.2007 | 21:58:21

    ich kam auch schon von weit her. aus bayern. oder ist das nicht weit genug? sehr toll fand ich es. gelungene abwechslung zum üblichen festivalbrei.

  • User: Zugast
  • Zugast 30.07.2007 | 22:19:50
    hier klicken und gewinnen!
    der campingplatz war ja wohl ganz generell super.
    da kann eigentlich alles was ich kenne an "festivalzelten" einpacken.

  • User: Daniel Koch
  • Daniel Koch 31.07.2007 | 09:21:25

    @Mehrteurer: Ja, das wird einem hier so eingeprügelt...
    @jupame: Stimmt, das ist schon von sehr weit her. Also im Süden ordentlich Mundpropaganda betreiben... Könnt mich an so'n gemütliches Festival gewöhnen...

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