Obstwiesenfestival

Mittelschwerer Albtornado

24.07.2007, 20:00, Text: Christoph Dorner, Foto: Christoph Dorner
[5 Kommentare]

19.-21.07.07, Dornstadt bei Ulm.

Die Gemeinde Dornstadt bei Ulm ist nicht gerade eine Keimzelle des Rock 'n' Roll. Seit nunmehr 16 Jahren findet auf der Schwäbischen Alb im Nirgendwo zwischen Stuttgart und München dank der gütigen Erlaubnis des örtlichen Schäfers das Obstwiesenfestival statt, dass sich bis auf einen fast schon symbolischen Obulus für Campen und Parken hartnäckig als \\\\\\\\\\\\\"Umsonst & draussen\\\\\\\\\\\\\" behauptet hat. In den neunziger Jahren rülpsten dort noch Bands wie \\\\\\\\\\\\\"Wurzelsepp\\\\\\\\\\\\\" und \\\\\\\\\\\\\"Schimmelpils\\\\\\\\\\\\\" ins Mikro, heute kann man das Booking von Veranstalter Michael Gugelfuß im Bezug zum ländlichen Umfeld fast schon als elitär bezeichnen. Denn der Auftritt der Ulmer Rock' n' Soul Coverband On Air zur Festivaleröffnung am Donnerstag war tatsächlich der einzige kleine Kniefall vor dem Habitus des Dorfpublikums und schwäbischem Klüngel. Stattdessen karrte der Obstwiesenfestival e.V. mit Tocotronic, Goose, den Hidden Cameras und Naked Lunch formidable Bands auf die Obstwiese, die sonst nur über die A7 und die A8 an Dornstadt vorbeifahren oder mit dem Flugzeug darüber hinwegfliegen. Musikalische Sozialisation zum Preis eines sich jährlich wiederholenden Thrills um den Break even. Aller Ehren wert.


Zu des Pudels Kern, der Musik: Schon die Ulmer Band Nufa spielte am Freitag als Opener auf der Hauptbühne dermaßen guten Deutsch-Rock, dass man sich vornehmen sollte, die Sache mit kostenpflichtigen Downloads demnächst mal auszuprobieren. Kevin Hamann alias ClickClickDecker brachte danach charmant-gekonnt seine Nabelschau 'Nichts für Ungut' mit Band - inklusive Audiolith-Labelchef Lars Lewerenz am Bass - auf die kleinere Bühne des Zirkuszeltes, das am Mittag glücklicherweise noch einem mittelschweren Albtornado standgehalten hatte.

Den Preis für die hübschesten Outfits, aber auch für das schönste Liedgut räumten im Anschluss die keyboardenden Waldfeen von Au Revoir Simone aus New York ab, ehe die Hamburger The Dance Inc. mit 'Don't Run To The Suburbs' die Obstwiese erstmals zum Dancefloor umfunktionierten. Nachdem auch Hidden Cameras um einen gut gelaunten Joey Gibb das Publikum zum Hüpfen im Takt der Geige gebracht hatten, folgte mit dem deutsch-englischen Projekt Get Well Soon der Überraschungsknüller des Festivals. Denn das, was Konstantin Gropper aus dem badischen Biberach mit seinem sechsköpfigem Orchester da auf die Bühne brachte, war schlichtweg phänomenale Po(m)pmusik mit ganz großem Referenzkasten. Sozusagen der deutsche Patch 2.0 von Arcade Fire, live nicht minder umwerfend. Das Publikum vom Haldern-Festival darf sich schon mal freuen.

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  • User: heckenpenner_rot
  • heckenpenner_rot 24.07.2007 | 21:17:00

    das war das beste festival diesen sommer in süddeutschland! und das für umme! wer da nicht hingeht ist sowas von selber schuld ...

  • User: SonicNurse
  • SonicNurse 25.07.2007 | 01:37:39

    Ich vermisse die Puppetmastaz 'n bisschen in dem Bericht. Fand die Show nämlich sowas von großartig, dass man mich packen und schütteln müsste, um mich endlich wieder in die partyfreie Realität zurückzuholen. Da das Publikum ähnlich aus dem Häuschen war, wäre der Auftritt sicher der Rede wert.

  • User: Wandhydrant
  • Wandhydrant 25.07.2007 | 12:49:30

    ja...war wirklich ein schönes wochenende. besonders den freitag fand ich sehr stark.
    puppetmastaz haben mich auch positiv überrascht. war da mehr aus neugierde...

  • User: zilix
  • zilix 26.07.2007 | 10:33:22

    schöner und zutreffender bericht. the blood arm fand ich auch nicht so berauschend. ansonsten gab es aber keine ausfälle und die puppetmastaz waren wirklich ein toller abschluss. zudem für lau, annehmbare bier & essenspreise - was will man mehr?

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