
Heimat, Grill-Frosch, Bärenpranken...
Eklektisch und angstfrei - das 25. Filmfest München
03.07.2007, 11:00, Text:
Stefan Rambow
Bis in den Sonntagmorgen feierte das zweitgrösste deutsche Filmfestival sein Jubiläum. Der possierlich-schräg und funky aufspielende Kardiologe Dr. med. Ringsgwandl bestritt das Finale der für alle offenen Filmfest-Abschlussparty. Für notorisch-sommerliche Leichtigkeit, ja fast Beliebigkeit in der Filmauswahl bekannt, klang im diesjährigen Münchner Angebot öfter durchaus Bedrohliches an - für Gänsehaut-Momente war also nicht nur wegen des ungewohnt wechselhaften Wetters gesorgt. Auch musikalisch blieb es durchwachsen, die guten Voraussetzungen entlang der Isarmeile wurden nur vereinzelt genutzt.
Volker Schlöndorff gehörte schon vor 25 Jahren zur Gründungsmannschaft des Filmfests. Mit dem aus Die Frau des Leuchtturmwärters bekannten Philippe Torreton und David Bennent neben dem mongolischen Talent Ayanat Ksenbai interessant besetzt, wurde Ulzhan als filmischer Blick gen Osten vom Publikum freundlich aufgenommen.
Folgerichtig in diesem Jahr auch die Entdeckung des Filmlandes Israel, das ja bereits auf dem diesjährigen DokFest punkten konnte. Giborim Ktanim (Kleine Helden) reüssierte beim Kinderfilmfest (neben Publikums-Preisträger Azur & Asmar des französischen Zeichentrick-Magiers Michel Ozelot) und Dear Mr. Waldman, eine gelungene Holocaust-Nachwehen-Bestandsaufnahme aus dem Israel der frühen 60er, im internationalen Programm. Nach der Vorstellung des Letzteren gab der Tel-Aviver Autodidakt Hanan Peled launig Anekdoten vom Dreh seines Films zum Besten. Am Rande erfuhr man u.a. -noch vor der grossen Schlagzeile am Donnerstag - daß Peleds Bruder, ein bekannter Staranwalt, den gerade ganz Israel aufwühlenden Justiz-Deal um den ehemaligen israelischen Präsidenten Katzav einfädelte. Rein filmische Schlagzeilen machte der Eröffnungsfilm von Regisseur Eran Kolirin über ein in der Negev-Wüste strandendes ägyptisches Polizeiorchester: The Band´s Visit sendete eine klare Botschaft: Musik kann im Nahost-Konflikt eine Brücke bauen. Der Film, der seit Cannes einen deutschen Verleih hat, gewann den von Christina Ricci hastig überreichten Bayern 3-Publikumspreis. Ricci kam nicht aus Hollywood, sondern bezahlbarerweise von einem Dreh aus Berlin. Der Bezug zum Filmfest wurde durch Black Snake Moan hergestellt, wo Ricci als nymphomanes Luder vom bibelfest-keuschen Blueser Samuel L. Jackson angekettet wird.
Kernstück des Festivals war stets der Förderpreis deutscher Film, diesmal verliehen an Simon Groß für Fata Morgana, der mehreren jungen Talenten bereits den Weg zu weiterer Filmknete geebnet hat. Von den früheren Preisträgern zeigten sich in diesem Jahr u.a. Hans Steinbichler mit Autistic Disco, der ein starkes Schauspielschüler-Ensemble des Salzburger Mozarteums in der Alpenwelt freisetzte und Rainer Kaufmann mit dem diesjährigen Abschlußfilm, Ein fliehendes Pferd, der amüsant-melodramatischen Verfilmung einer Walser-Novelle mit Rampensau Ulrich Tukur, der hier alles von Hengst bis Rohrdommel-Pose zeigen darf. Weiter mit Heimat pur: Der unvermeidliche Regie-Kraftbua \\\\\\"Rosi\\\\\\" Rosenmüller empfiehlt allen Teenagern doch \\\\\\"die beste Zeit\\\\\\" dahoam bei den Freunden zu bleiben, als sich mal ein Jahr in die Welt zu begeben. Donnernder bayrischer Applaus - angedroht ist eine Trilogie.
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