Sonic Youth live

Befreit Auftanzen

29.06.2007, 10:00, Text: martin lippert
[6 Kommentare]

22.06.07 - Southside Festival
26.06.07 - Köln, E-Werk

Sonic Youth binnen vier Tagen gleich zwei mal sehen: das ist Luxus. Aber auch eine Chance, die man sich natürlich nicht entgehen lässt und die zu Vergleichen zwischen Open-Air- und Club-Kultur einlädt. Gleich vorweg: Sonic Youth sind voll festivaltauglich, aber das wahre Erlebnis lauert im Club. Mag aber auch daran liegen, dass bei ersterem eine viel breitere und damit nicht unbedingt Repertoire-feste Masse zu bedienen ist, während bei letzterem das Publikum ja tendenziell eher nicht-vorhersagbare Sets begrüßt. Die Sonics lassen sich auf keine der beiden Strategien so richtig ein.


Machten zunächst noch Gerüchte die Runde, man spiele in Köln ausschliesslich die zum 20-jährigen Jubiläum frisch aufgepimpt wiederveröffentlichte „Daydream Nation“ nach, so wurde schnell klar, dass auch beim Clubgig der Schwerpunkt auf dem letzten Oeuvre „Rather Ripped“ liegen sollte. Beide Gigs waren befreit von den sogenannten „Hits“, wenn es so etwas bei Sonic Youth überhaupt gibt. Also kein „Teenage Riot“, „Kool Thing“, „Dirty Boots“ oder dergleichen. „Bull In The Heather“ vom 94er Album „Experimental Jet Set, Trash and No Star” war da noch das bekannteste, was es zu hören gab, und auch das wurde dem Festivalpublikum vorbehalten. Das Gute daran: muss auch nicht sein. Denn bei einem derart umfassenden Katalog grenzt es schon an Manie, jeden Song kennen zu wollen, und letztlich spielt hier ja auch eine Band, auf die man sich in erster Linie einlassen sollte.

Unterstützt von Ex-Pavement Mark Ibold spielten Sonic Youth so gut 80 Minuten lang wortkarg, aber musikalisch pointiert wie immer zur Begeisterung des gut gefüllten E-Werks. Bei „Skip Tracer“, Steve Shelleys Version eines talking Blues aus „Washing Machine“-Zeiten muss die Band neu ansetzen, weil Steve seinen Gesangspart verhunzt. Im Hintergrund laufen projizierte Fratzen, Kakerlaken und allerlei Kleingeschnetz durchs Bild, aber eigentlich hat die Band am Samstag zuvor schon bewiesen, dass man diesen ganzen Licht- und Dekoschnickschnack nicht wirklich braucht, wenn man musikalisch überzeugen will.

Kim Gordon tanzt derweil gelöst vor sich hin, dreht sich Derwisch-artig im Kreise und lässt sich dabei nicht mal von dem jungen Mann irritieren, der gen Ende des Hauptsets die Bühne erklimmt und sich zum Mittanzen eingeladen fühlt. Zumindest, bis ein Ordner dem Treiben ein augenscheinlich recht ruppiges Ende bereitet. Da der Bühnenstürmer aber im Anchluß noch guten Mutes an der Theke stehend gesichtet wurde, darf man annehmen, dass ihm nichts Böses widerfahren ist. Im Gegenteil, einmal mit Kim Gordon tanzen ist wohl auch Luxus.



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  • User: Gandalf
  • Gandalf 29.06.2007 | 14:37:24
    Graue Eminenz
    Ist Skip Tracer nicht eigentlich ein Stück von Lee Ranaldo?

  • buenaventura 29.06.2007 | 16:23:47
    hashomer
    ja, da hat jemand was durcheinandergebracht. in schlagzeugnaehe war fuer mich auch kein mikro zu erkennen, mit dem steve shelley einen mir ansonsten an der stelle auch unbekannten gesangspart haette durcheinanderbringen/verhunzen koennen.

  • User: happyjaq
  • happyjaq 30.06.2007 | 20:24:09

    da geht noch einiges mehr durcheinander. das stück, das sie neu anfangen mussten, war zwar auch von lee, aber nicht "skip tracer", sondern "hey joni".

  • buenaventura 30.06.2007 | 20:49:16
    hashomer
    details.

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