Blumfeld live

Kein Lied mehr?

17.06.2007, 18:00, Text: Alfred Hilsberg, Foto: Stefan Malzkorn

25.05.07, Hamburg, Fabrik.

Abschied nehmen. Abschied von geliebten Menschen. Abschied von falschen Vorstellungen. Abschied von gestern. Abschied von Worten, die einem manchmal hilfreich, manchmal belastend schienen. Abschied von Blumfeld. Viele, die zum letzten Konzert in die Hamburger Fabrik gekommen waren, schienen die Abschiedsfeier nicht allein ertragen zu können. Viele Paare, herausgeputzt mit den Blumfeld-Shirts der letzten Jahre, das Foto- und Videohandy im Anschlag, die Erwartungen an einen großen Abend mit großer Grabrede von Jochen waren hoch. Aber dann kam doch alles ganz anders.


Ein hochkonzentrierter Jochen Distelmeyer liefert mit \\\"seiner\\\" Band einen souveränen, abgeklärten, lockeren 140-Minuten-Set mit mehr als zwei Dutzend Beispielen der über 16jährigen Blumfeld-Geschichte ab, der zunächst mal zweierlei bewies: von 'Draußen auf Kaution', dem Opener direkt nach dem \\\"Einmarsch der Gladiatoren\\\", bis zur x-ten Zugabe 'Superstarfighter', von der 'Diktatur der Angepassten' bis 'JetSet' – es gibt keinen Ausfall. Dieses Blumfeld-Konzert bewies mehr als alle noch so tollen Platten-Veröffentlichungen, wie sehr Blumfeld immer eine überzeugende Live-Band waren. Ob zu 'Ghettowelt'-Zeiten in kleinen Klubs oder zu Single-Hits wie 'Graue Wolken' oder 'Tausend Tränen Tief' bei den großen Open Airs.

Die Blumfeld-Maschine rollt an diesem letzten Abend so locker-groovend wie selten durch die eigene Geschichte und die ihrer Zuhörer und Fans.
Dies ist nicht der Abend für Diskussionen über die persönlichen / politischen Entwicklungen / Verwerfungen / Enttäuschungen / Verwirrtheiten, die Jochen D. seit 1990 wie kein anderer hierzulande befördert hat. Nicht nur mit der Selbstdarstellung seiner eigenen Fragen / Zweifel / Wut / Unsicherheit, die er unvergleichlich gekonnt aus seiner Cut-Up-Denkfabrik dem verblüfften, erwartungsvollen, hungrigen Publikum vorsetzte. Auch die Bühnenpräsenz – jede Anbiederung an Rockklischees vermeidend, statt dessen auf der Basis der eigenen Blässe und gezielt eingesetzten Distanz – trug entscheidend bei zur Funktionstüchtigkeit des Jochen D. als charismatischer Identifikationsfigur. So reichen denn auch an diesem Abschiedsabend wenige sparsame Gesten, wenige Drehungen und vor allem wenig Worte, um Emotionen zu

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