Battles live

Schlacht am Schlagzeug

11.05.2007, 16:12, Text: Christoph Dorner
[3 Kommentare]

10.05.07, Berlin, Maria am Ostbahnhof.

John Stanier ist völlig fertig. Der Schlagzeuger hat in der Vergangenheit mit Helmet und Tomahawk schon einige heavy Schlachten geschlagen. Aber was ihm in Berlin live eine Stunde lang im Epizentrum der New Yorker \\\"Other\\\"-Musiker Battles abverlangt wird, ist schlichtweg Masochismus. Schmerzverzerrt hält er minutenlang den irrsinnig schnellen Takt auf einem minimalistischen Schlagzeug, erhöht bei maschinellen Interludes mit zusammengepressten Lippen noch einmal die Schlagzahl und drischt in einer Mischung aus Wut und Erleichterung auf das Battles'sche Becken ein, das in doppelter Höhe und Entfernung zu seinem Malträtierer hängt und als identitätsstiftendes Merkmal auch auf den Fan-Shirts prangt. Wenn das mal auf längere Sicht keinen Tennisarm gibt, Mr. Stanier.


Auch der Bühnenaufbau entspricht der Anordnung der Instrumente, wie sie auf dem Cover des heute erscheinenden Albums 'Mirrored' abgebildet sind. Ganz so programmatisch wie mathematisch exakt läuft die Live-Show der Allstar-Truppe dann aber doch nicht ab. Während also Stanier wie eine Reinkarnation von Hulk am Schlagzeug schnaubend den Beat vorgibt, changieren Ian Williams, Dave Konopka und Tyondai Braxton bei Stücken wie 'TIJ' und der Single 'Atlas' abwechselnd an Gitarre, Keyboards und ihrem Effekt-Lego instrumentellen Wahnwitz, der mit live eingespielten Loops dann doch mit einer Spur mehr Forte, Crescendo und Stringenz von der Bühne stürzt als auf 'Mirrored' und der EP-Zusammenfassung 'EP C/B EP'.Dazu bringt der durch Vocoder verfremdete und zuckend eingesungene Neusprech von Braxton ein zusätzliches Instrumentarium in den Bandkosmos, der den Flow der Stücke auch für das Publikum etwas vorhersehbarer macht.

Allen Genre-Zuweisungen der Battles zum Trotz handelt es sich um eine fantastische 80-minütige Rockshow, wohlbemerkt mit dem Gestus eines Schweiß treibenden Raves. Abgeschlossene Passagen werden schnell frenetisch bejubelt, ansonsten teilt sich das Publikum in der Maria in Stauner und Tänzer/Zuckende. Eine Empfehlung für die kommenden Konzerte will man da nicht aussprechen, man kennt das ja mit den Schadensersatzklagen aus der Indie-Szene. Die Empfehlung sei stattdessen auf einen Hördurchgang von Mirrored gerichtet. Wo und wie? Ihr wisst schon. Und dann haben sie euch eh.


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  • User: Synapsenkitzler_de
  • Synapsenkitzler_de 17.08.2007 | 17:37:50
    Synapsenkitzler
    Habe Battles am Mittwoch live im Gloria erlebt.

    Grandios.

    Harte, durchgeknallte, rytymische Figuren.
    Ab und an hätte ich mir etwas Melodie gewünscht.

    Das beste Konzert seit langem.

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